Ahmed Abu Khnager
Aus dem Roman Der Zauber der Wüste
Übersetzt von Andrea Haist
Jetzt kann ich über die Ironie des Schicksals lächeln, das mich mit etwas konfrontierte, an dessen Existenz ich gar nicht glaubte - ich, der ich mein Schicksal selbst bestimmen wollte und mein Leben meinen Wünschen entsprechend geplant hatte, weit entfernt von den zum Untergang verurteilten Vorstellungen, die im Wüstensand üblich waren. Ich hatte geglaubt, dass das ästhetische Empfinden der Wüstenbewohner, die sich nach Grün und Schönheit, nach einem sorglosen Leben in Fülle und Wohlstand sehnten, weit ab von Krieg und Nomadentum, die Oase Sesban in der ausgedorrten Wüste ihrer Träume hatte wachsen lassen.
In ihren Geschichten hieß es: Die Stadt ersteht nur vor jenen, die nicht nach ihr suchen, die nicht nach ihr verlangen. Nur der Zufall führt sie zu dieser Stadt oder bringt die Stadt zu ihnen. Diejenigen aber, die diese Stadt suchen, die nach ihren Schätzen trachten und nach dem Ort forschen, an dem sie liegt, werden nur einer Fata Morgana und einer Illusion nachjagen, die ihr Leben zerstören wird, ohne dass es ihnen gelänge, ihrer ansichtig zu werden oder ihre Luft einzuatmen.
Welch eine Ironie! Auf dem Rücken des Kamels ritt ich durch die Mauern der Stadt, durch eine Mauer nach der anderen. Es waren sechs Stadtmauern, eine jede in einer anderen Farbe. Der Abstand zwischen einer Mauer und der nächsten war groß, wie groß, vermochte ich nicht zu sagen, da ich voll und ganz damit beschäftigt war, die unterschiedlichen Gewerbe und Handwerker und die genaue Anlage der verschiedenen Straßen der Stadt zu betrachten.
Kräftige Wächter standen auf den Stadtmauern mit den wunderbaren Farben und Formen. Wann immer ich hungrig oder durstig war, kniete das Kamel nieder und ließ mich vor einem Tisch absteigen, der gedeckt war mit den besten Speisen, mit Mandeln und Nüssen, getrockneten Früchten und unterschiedlichen Sorten von Getränken und Gerüchen. Niemals fragte ich mich, woher dieser Tisch kam und woher die Pflanzen kamen, vor denen das Kamel niederkniete, wann immer uns der Hunger überkam.
Niemand sprach mich an, niemand hielt mich auf. Durch sechs Städte kamen wir so. Kein Anblick, kein Tisch glich dem anderen, nur der Fluss, an dessen Ufer wir entlang ritten, blieb immer derselbe. Er verschwand unter einer Stadtmauer nur, um bei der nächsten noch breiter und glitzernder ans Tageslicht zu treten.
Die Luft war mild. Es wehte ein leichter Wind. Vögel flogen in der Luft und sangen. Von weitem ertönte die Melodie eines Liedes, dessen Harmonie tief in meinen nach Schönheit dürstenden Geist eindrang. Das Gefühl des Überwältigtseins nahm zu, je mehr wir uns dem Hauptort näherten. Ich nahm an, die Stadt sei rund, und der Hauptort liege im Zentrum der Stadt, umgeben von den sechs anderen Städten. Als wir bei der letzten Mauer anlangten, gab das Kamel einige Laute von sich. Ich wunderte mich nicht darüber, dass es sie mit dieser Art von Zauber hervorzubringen vermochte. Wichtig war nur, dass sich das Tor öffnete und wir in die Mitte der Stadt gelangten, das Allerheiligste.






