Leseprobe

Mohammed Ait Mihoub

(Tunesien)

Aus dem Roman Buchstaben aus Sand
Übersetzt von Mona Naggar

 

Als sie ins Stadtzentrum gelangten, hatten die Straßen ihr morgendliches Ritual bereits hinter sich. Sie sah die Menschenmengen, die früh zum Einkaufen gingen, um der Mittagshitze zuvorzukommen. Die Bürgersteige füllten sich mit Straßenhändlern, die nur im Sommer auftauchten: Kleidung aus Italien und Marokko, gebrauchte Damenschuhe, Kassettenrecorder und Sonnenbrillen, Dessous-Großhandel, Süßigkeiten, Rasierzeug und Schönheitsmittel. Die Händler mussten ihre Ware und die Kunden im Blick haben und jederzeit mit dem Anrücken der Polizei rechnen. Aus dem Innern der Geschäfte ertönten die Stimmen von Koranrezitatoren, die die Gemüter belebten und die letzten Spuren des Schlafes vertrieben. In den Eingängen waren die Verkäuferinnen mit ihren blauen Tüchern damit beschäftigt, die Schaufenster zu putzen und die Waren zu ordnen.

Vorsichtig ging sie neben ihm. Jedesmal, wenn sie an den Waren vorbeigingen, die auf dem Bürgersteig zum Verkauf auslagen, blieb sie stehen, weil sie Angst hatte, daran zu stoßen. Sie wartete, bis er daran vorbeigegangen war, dann ging sie ihm nach. Trotzdem stieß sie einmal einen Sonnenschirm um. Sie errötete und suchte bei ihm Schutz vor den vorwurfsvollen Augen des Verkäufers. Da hob Adil den Schirm vom Boden auf, stellte ihn an seinen Platz zurück und entschuldigte sich.

Sie betraten ein Café in einer Seitenstraße. In ihren Augen las er einen großen Hunger nach den Dingen, gemischt mit Scheu und Zurückhaltung. Sie erfaßte die ganze Szenerie mit einem Blick: die Stühle und Tische des Cafés, Kochutensilien, die Bedienung, die Sitzenden, die billigen Gemälde an den Wänden, das angsterregende Gemälde einer Meerjungfrau mit glänzenden gelben Haaren und einer dicken Farbschicht auf dem Gesicht, auf dem sich blau und rot bissen, die Kisten der Softgetränke, die nun leer an der Tür darauf warteten, ausgetauscht zu werden.

 

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