Mofleh al-Adwan
Die Fliege
Aus dem Erzählband Das langsame Laufen
Übersetzt von Nuha Sarraf Forst und Angelika Rahmer
Ich dachte, ich hätte meine Hand bewegt, um sie zu verscheuchen, aber sie blieb auf meiner Nase sitzen. Und als ich sie beobachtete und mit weit aufgerissenen Augen anglotzte, nahm ihr Summen zu!
Nach langem Schlaf lag ich noch immer im Bett. Sie quälte mich jedoch bereits seit ich wach war.
Zzzzz ..... zzzzz ..... zzzzzz..... ihr Summen wurde lauter; dass sie auf meiner Nase saß, war eine glatte Provokation!
Also bewegte ich meine Hand, um sie zu verjagen; da entdeckte ich, dass meine linke Hand nicht an ihrem Platz war – sie war amputiert!
Ich beobachtete die Fliege ... behende und voller Zutrauen setzte sie sich auf der Landkarte meines Gesichts in Bewegung und überschritt den Lauf meines Tränenflusses, der aus der Augenhöhle rann. Die Furchen weiter durchquerend, erklomm sie den Berg meiner Wange in Richtung Osten, kletterte dann gen Norden in Richtung Augenhöhle und sprang schließlich hoch, um auf dem ebenen Boden meiner Stirn ihr frevelhaftes Spiel fortzusetzen.
Ich versuchte mit der Rechten nach ihr zu schlagen ... aber meine rechte Hand reagierte nicht auf meinen Willen, und ich entdeckte, dass sie vollkommen gelähmt war!
Zzzzz .... zzzzz ...... zzzzz .... die permanente Belästigung nahm kein Ende. Wie sollte ich mich nur wehren – die linke Hand amputiert und die rechte Hand gelähmt?
Die Fliege zollte meinem Gesicht weder Respekt noch Achtung. So versuchte ich, meinen Kopf in alle Richtungen zu drehen, doch sie bewegte sich mit ihm ... Ich spuckte nach oben. Der Speichel, von seiner abgebrochenen Himmelfahrt zurückkommend, verteilte sich über mein ganzes Gesicht und überzog es mit all seinen Elementen, so dass ich meine Augen schließen musste, um sie vor meiner stinkenden Spucke zu schützen. Die Fliege hingegen begann sich mit noch größerer Freiheit zu bewegen. Wie könnte ich mich nur von dem Speichel befreien, der mein Gesicht bedeckte?
Die Fliege war nun nicht mehr mein Problem ... sie war eine Tatsache geworden, und ich musste sie akzeptieren, ob ich wollte oder nicht.
Das aktuelle Problem war, dass meine Linke amputiert, meine Rechte gelähmt und mein Gesicht von Speichel überzogen war!
Ich biss die Zähne zusammen, stützte mich mit der restlichen Kraft, die mir geblieben war, auf das Bett und stand auf. Das ganze Haus war dunkel, und die Fliege wanderte über die Landkarte meines Gesichts - vom Ozean meines schwarzen Haars zum Golf meiner trockenen Lippen und vom Fluss aus meinen geschlossenen Augen zum Meer des Speichels, der den Rest meines Gesichts bedeckte.
Ich ging auf die Tür zu. Sie war offen für die Fliege und für meine Flucht. Ich trat hinaus. Ganze Haufen amputierter Hände empfingen mich, die ich eine nach der anderen in Augenschein nahm; doch meine verlorene linke Hand konnte ich nirgends finden. Ich versuchte eine rechte Hand zu entdecken – als Ersatz für meine gelähmte Rechte, aber fand ebenfalls keine.
Alle diese Hände waren entstellt; sie besaßen keine Linien und Konturen, waren abgeschnitten, hatten weder Knochen noch Fingernägel, unkenntlich, ohne Adern, farblos.
Durch den Speichel, der mein Gesicht bedeckte, erschienen mir alle Hände als Daumen und als einziger Abdruck.
Zzzzz ..... zzzzz ..... zzzzzz..... Zzzzz ..... zzzzz ..... zzzzzz..... Zzzzz ..... zzzzz ..... zzzzzz.....
Ich ahmte ihr Summen nach und wünschte, ich wäre eine Fliege.






