Benfodil, Mustapha

Mustapha Benfodil

(Algerien)

Mustapha Benfodil verhilft dem algerischen Roman zu einer eigenen Stimme: Seine Literatursprache ist maßgeblich von den Denk- und Ausdrucksformen des algerischen Dialekts geprägt. Damit schreibt er den Traum Kateb Yacines weiter, der für den algerischen Dialekt einen offiziellen Status fordert. Benfodils kontra-elitärem Ansatz entsprechend sind seine Helden unter den einfachen und armen Leuten zu suchen. Die doppelbödige Darstellung ihres täglichen Überlebens- und Lebenskampfes erinnert an den Romancier Louis Ferdinand Céline, der seinerseits zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Frankreich den Argot literarisch salonfähig machte.

Mustapha Benfodil wurde 1968 in Relizane (im Westen Algeriens) als Sohn einer berberischen Familie geboren, die sich, aus der Kabylei kommend, dort niedergelassen hatte. Sein Vater starb, als er noch ein Kind war, woraufhin sich die Familie in der Nähe von Algier niederließ. Nach dem Verlust seines Vaters zog sich der Achtjährige in sich zurück und fand sehr bald Zuflucht im Schreiben. Benfodil erwarb ein mathematisches Abitur und studierte an der Universität Bab az-Zawar für Naturwissenschaften und Technologie, verließ sie jedoch schon bald und wiederholte das Abitur im literarischen Zweig. Er studierte am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften und schloss sein Studium mit einer Arbeit über das Thema "Roman und Politik bei Rachid Mimouni" ab. Nach Abschluss des Studiums wandte er sich dem Journalismus zu und schreibt heute Reportagen für die algerische Tageszeitung „Liberté“. Er verfasste eine Reihe von Theaterstücken für mehrere französische Theater und publizierte eine große Zahl von Gedichten. Benfodil lebt in Algier und träumt davon, ein eigenes Theater zu gründen.

Bekannt wurde Mustapha Benfodil durch seinen ersten Roman Zarta, der Deserteur. In einem journalistisch-literarischen Stil erzählt er von einem jungen Mann, der seinen Militärdienst ableistet: Geprägt durch die Härte der Lebensumstände und schockiert von den hereinkommenden Nachrichten über Massenmorde terroristischer Gruppen, beginnt Zarta, scharfe Kritik sowohl an der Regierung als auch am Islamismus zu üben.

Zu Mustapha Benfodils Werken gehört außerdem das monumentale Werk Das Geschwätz des Einsamen. Auf mehr als 500 Seiten entspannt sich hier eine Geschichte, die in der letzten Viertelstunde vor der Jahrtausendwende beginnt. Der Held, Ouali Ben Oualou ist ein exzentrischer Wunderling. In einem magisch-narrativen Stil, dessen Wurzeln in den Erzählungen von Tausendundeiner Nacht und Gabriel García Marquez zu suchen sind, lässt er die Etappen eines Lebens Revue passieren. Der Roman schildert dabei phantastisch und gleichzeitig eindringlich die bittere Absurdität des algerischen Lebens.

Zu den literarischen Werken Mustapha Benfodils zählen unter anderem drei Theaterstücke, die er in Paris geschrieben hat: Zizi in der Metro, Es wird was schiefgehn im Elysee und Frankreich 0 - Uruguay 0.

 

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