Rasha al-Ameer
Aus dem Roman Der Jüngste Tag
Übersetzt von Helene Adjouri
Ich übertreibe nicht, glaube mir. Die Theologie entriss mir Gott, der sich mir in seiner wunderbaren Schöpfung offenbarte und den ich ohne jegliche Mithilfe geliebt habe. Mein Leben vor Dir machte mir das Leben zuwider und beraubte mich der Sehnsucht nach dem Leben …
Es gab niemanden, der Gott zu mir zurückführte oder mich zu Gott. Ich traf niemanden, den ich in meinem tiefsten Inneren ausgewählt habe, um mit ihm mein Leben vor Gott teilen zu wollen. Was das Leben betrifft, so traf ich jemanden, der das Leben wieder zu mir führte und mich zum Leben, und das warst Du.
Ist das, was geschehen ist, eine zweite Geburt oder eine erste Auferstehung? Nicht einmal diese schöne Rhetorik vermag auszudrücken, was sich bei mir langsam verändert hat und welch tiefe Verbundenheit zwischen uns entstanden ist ….
Dir verdanke ich es, dass ich meine Kleidung geändert habe. Und wer sonst außer Dir weiß, dass es keine Kleinigkeit ist, überzeugt davon zu sein, dass es kein Makel ist, sich elegant zu kleiden und sich dann seiner Kleidung zu entledigen, wenn man sie nicht braucht und es sich bequem machen möchte?
Dir verdanke ich es, dass ich gelernt habe, dass bei einem Treffen zwischen Mann und Frau der Dritte hinter verschlossener Tür nicht der Teufel persönlich ist. Dir verdanke ich meine Gewissheit über die Bücher der Religionslehre der vier, fünf oder sechs Glaubensrichtungen, wie Du willst. So viel diese Bücher auch zu sagen haben – nichts von alledem vermag die Erhabenheit auszudrücken, die Mann und Frau in einem gewaltigen Moment erleben! (Nein, nein, ich werde jetzt nicht in der Sprache der Mystik sprechen!)“






