Zuhur Karam
Auszug aus dem Roman Eine Nelkenkette
Übersetzt von Imke Ahlf-Wien
Ich war ihm entrückt
Ich spürte, wie die Felskante in meinen Körper einsank. Die Kante stach mich wie ein Messer, das in meine Kehle eindrang. Ich erwachte aus der Bewusstlosigkeit und merkte, dass er vor mir lag und mich, vor mir ausgestreckt, anstarrte. Seine Augen durchbohrten mich. Ich war ihm entrückt. Seine Größe bedrängte mich. Ja, mich bedrängte die Tatsache, dass er auf dem Boden lag. Er wusste, wie er wirkte – auf den Boden ausgestreckt. Mir war noch nicht bewusst, dass ich meinen Körper vergessen hatte, als das kantige Messer in ihn eindrang. Ich wünschte, er bliebe liegen, und auf dem Stein bliebe der Satz stehen. Tante und Zimmer hatte ich vergessen. Meine Seele war wahnsinnig, als sie vor mir floh und zurückkehrte, um meinen Leib einzusammeln, der ihr vorausgeeilt war.
Ich fragte meine Seele nicht täglich nach dem Geheimnis der Vergebung - aus dem Schreiben geboren, vertieft durch das Telefonieren - bevor wir aufeinander trafen und beschlossen, gemeinsam in eine Richtung zu gehen – wegen der Kindeskinder, die von dort vorbeikommen und in aller Unschuld lesen könnten, was passiert ist. An dem Tag, an dem seine Stimme mich durch das Telefon hindurch durchbohrte, untersuchte ich meinen Körper. Ich kehrte ins Zimmer zurück, verschloss es heimlich und berauschte mich im Bett. Doch ich hatte Angst, als würde sich ein Mann in meinem Zimmer verstecken.
In meinem Rausch entspannte ich mich.
Die Suche nach meinem Körper entflammte mich.
Ich sah, wie sie den Ort beleuchten … meine Seele und meinen Körper.
Sie trugen ihm meinen Duft zu, während er in seiner ganzen Länge ausgestreckt dalag und sein Schatten sich ausbreitete. Die Augen waren durstig. Ich kannte die Quelle nicht … ich hatte seine Gestalt nie erfasst.






