Adania Shibli
Aus Suggestionen geringer Zuversicht - tägliche Briefe
Übersetzt von Helene Adjouri
Es ist unwichtig, wie arglos dieses Empfinden erscheint, aber der Tag kommt, an dem unsereiner die gleitenden Bewegungen der Wolken am Himmel und die Freiheit der Vögel, von einem Ort zum anderen ziehen zu können, beneidet.
Ich wende meinen Blick vom Himmel ab und blicke wieder auf die Reihe der Autos, die sich am Checkpoint in Bethlehem aufgestaut hat. Zu meiner Rechten stehen Männer, die sich hinter den aufgetürmten Steinen am Checkpoint versammelt haben. Davor steht ein Soldat, der in Ausweispapieren blättert. Er verlangt von jedem Einzelnen, die Jacke zu öffnen und das Hemd hochzuziehen. Ich ertrage es nicht, dort länger stehen zu bleiben. Ich denke über alle möglichen Auswege nach, um dem zu entgehen, aber es ist zwecklos.
Dann richte ich meinen Blick nach links, wo er an einer großen, schlammigen Pfütze haften bleibt. Ihre Ruhe kann durch nichts erschüttert werden. Tatsächlich, sie erscheint mir wie ein Stück Schokolade, geschmolzen und süß. Wenn ich zu Hause ankomme, beschließe ich, werde ich mir eine Tafel Schokolade mit Mandeln und Haselnüssen kaufen. Die Wolken kehren zurück und auf der Wasseroberfläche der Schlammpfütze spiegelt sich das Blau des Himmels.
In mir steigen wieder die Bilder der zerstörten Häuser auf, die der Bombardierung Bethlehems zum Opfer gefallen sind. Seit einer Ewigkeit wird zerstört, und es scheint mir, als hätte es in diesen Häusern noch niemals Leben gegeben. Dabei hatte ich vor nur einem Monat auf der Terrasse eines jener Häuser gesessen und Wasser getrunken, das mir die Hausherrin angeboten hatte, Wasser mit dem Geschmack von zu Hause.






