Arwa Uthman
(Jemen)
Arwa Uthman lässt sich in ihren Kurzgeschichten vielfach von den Themen traditioneller jemenitischer Sagen und Erzählungen inspirieren. Indem sie diese aber in einen modernen Kontext stellt, spiegelt sie kritisch die Eigenheiten und Schwächen ihrer Zeitgenossen. Dabei beleuchtet sie vor allem die traditionell geprägte Gesellschaft, in der sich die Beziehungen zwischen Männern und Frauen als äußerst komplex darstellen, wobei sie diese „gender troubles“ stets differenziert von beiden Seiten aus schildert.
Geboren wurde Arwa Uthman im Jahr 1965 in der Stadt Taiz, Jemen. Durch die Erzählungen ihrer Großmutter lernte sie das mündlich überlieferte literarische Erbe des Jemen kennen. Mit ihrem starken Interesse an Literatur widersprach sie den Wertvorstellungen der traditionellen jemenitischen Gesellschaft. Bereits während ihrer Schulzeit begann sie mit dem Schreiben und veröffentlichte ihre ersten politischen und gesellschaftskritischen Kurzgeschichten unter einem Pseudonym. Sie studierte Philosophie und erwarb den Bachelor of Arts und arbeitet heute als Forscherin am jemenitischen Studien- und Forschungszentrum im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften.
In ihrem ersten Kurzgeschichtenband Es passiert im Land Tinka, dem Land der Geheimnisse lässt sie das sagenumwobene Land Tinka wieder auferstehen, von dem es heißt, dass niemand jemals wieder aus ihm zurückkehrt sei. In einer der Geschichten erklärt sich der Holzfäller Hamadi al-Aflah freiwillig bereit, sich in dieses Land zu begeben, um dort die herrschenden Geister einzufangen und sie gefesselt und geknebelt in seine Heimatstadt zu bringen. Als er verletzt und ohne Geister zurückkehrt, beschließt der Sultan ihn töten zu lassen. Im letzten Moment gelingt es ihm jedoch mit Hilfe einer Lüge, die den Tod vieler Menschen kosten soll, seine eigene Haut zu retten.
Mit treffsicherer Ironie karikiert Arwa Uthman in ihren Geschichten bekannte Persönlichkeiten. Trotz ihres engen Bezugs zur Sagenwelt sind ihre Anspielungen eindeutig und direkt und stellen somit eine nicht zu überhörende Kritik der aktuellen jemenitischen Politik und Gesellschaft dar.
- 2001 erster Preis im Schardscha-Literaturwettbewerb (VAE) im Bereich Kurzgeschichten Es passiert im Land Tinka, dem Land der Geheimnisse






