Al Sadig Al Radi
(Sudan)
Die Dichtung von Al Sadig Al Radi entwickelt eine ungebundene Poetik: Das Medium Wort wird von seiner Bedeutung entkoppelt und wird zu einem lyrischen Sprachmaterial. Verstöße gegen diese Logik entladen sich in einem ästhetischen Moment, nicht spannungsgeladen, heftig, sondern lasziv, heroisch. Es werden existenzielle Bilder verarbeitet, geschichtet, komprimiert, immer dicht am Menschen, an seiner Not, an seiner Erleichterung: eine lyrische Katharsis.
Al Radi wurde 1969 in Omdurman im Sudan geboren, wo er auch aufwuchs und die Schule bis hin zum Gymnasium durchlief. Schon früh begann er mit literarischen Aktivitäten: im Club für Dichtung des Jugendzentrums von Omdurman, im Club der ehemaligen Außenstelle der Universität Kairo in Khartum und einer Reihe anderer einschlägiger Treffpunkte. Nachdem mehrere seiner Arbeiten in regionalen und gesamt-arabischen Zeitungen und Zeitschriften erschienen waren, wurde er 1986 Mitglied im sudanesischen Schriftstellerverband.
Berühmt wurde Al Radi durch sein Gedicht „Gesang der Einsamkeit gegen die Einsamkeit“, das in der Zeitschrift „Hurūf“ erschien. Später wurde es in Al Radis ersten Gedichtband Gesang der Einsamkeit aufgenommen und von dem inzwischen verstorbenen Sänger Mustafa Sayyid Ahmad interpretiert. Das Gedicht spiegelt die Ungeduld und Erwartung seiner Generation wieder, spielt mit einer reichen Symbolsprache, die auf verschiedenen Ebenen entschlüsselt werden kann. Es schwelgt in Schlicht- und Schönheit und schweigt über die Einsamkeit...
- Erster Preis beim Wettbewerb für junge sudanesische Dichter, den Amnesty Sudan 1986 ausgeschrieben hat.






