Leseprobe

Gulala Noury

(Irak)


Sterbende Träume

Da setztest die Ironie ein

vor seine Tage

und umzäunst sein Herz

mit Kugeln, die ihr Ziel nicht verfehlten


das war, was der Kranz des Staubes schenkt.

Zwischen uns eine Stadt aus Leere

ihre Tage lauern in Zimmern, die sich nicht ertragen

was zwischen uns ist... Widersprüche

die sogar im Klang das Lachen baumeln

was zwischen uns ist... Lärm

in Richtung Einsamkeit

er hat

all diese Betrübnis

die Enge, die Falten

und die toten Träume.

 

Stiche

Einem sehr schlichten und sehr fernen Menschen


Jedes Mal, wenn das Herz mir eng ward

schoss es auf um mich her: „Die Dichtung bringt dir nur Heulen und Zähneklappern“

Ja...

es ist eine Niederlage

im ersten Pochen

und dies vor einem spitzen Traum.

Und um meine Wangen, mein Vater

ein Seil, das mich an den Gipfel des Schmerzes hängt.

Meine Hände, die sanft sind dank deiner Ruhe

wurden vom Chaos meiner Feste überfallen

Wie oft behaupteten sie, in mir wohne die Liebe

und wie oft sagte ich, ich sei ein Sperling

mit nur einem Flügel

der sich unter den Hagel der Stiche verirrt hat

Wüsstest du doch – sicher weißt du’s – wie ich ihren Zorn von mir abgeschüttelt habe

und mein Herz ist jetzt

wie ein Berg

zur Weihnachtszeit

 

Wie das erste Märchen

Wie die erste Freude

wie die erste Inbrunst beim Beten

wie das erste Pochen des Blutes

wie das erste Märchen...

das einem Kinde erzählt wird

wie der Schlaf

nach tausendjähriger Mahd

wie das langsame Schlürfen einer Dämm’rung

die seit dem ersten Zucken des Herzens dieser Liebe wegen

verschwunden ist...

so gab ich ihnen allen ihre Seufzer zurück

und begnügte mich mit meinem Seufzer über dich.

 

Verstörte Sehnsucht

Es ist Zeit, daß sie dich feiern

Sie scharten sich um mich

traten meine Wünsche lange mit Füßen

und gingen fort

Oft sagte ich zu ihnen

Nehmt alles: die Eingänge

die Grenzen des Meeres

den gelegentlich herrschenden Frieden

nehmt die Straßen und die Städte

nehmt die närrischen Abende

und die Farben, die ich liebte

und die Wahrheiten, die mich überzeugten und die euch zornig machten

nehmt die Blitze des Herzen, die ich liebte

nehmt den Zierrat nehmt meine Freude über die ersten Winterregenfälle

und lasst mir

einen stillen Ort

und eine warme Zeit

zum Nachdenken und Bereuen.

 

Vermutung

Vielleicht

hat er im Gewühl des seltsamen Gerennes

seine Frauen, seine Trauer und die Kindheit vergessen.


Vielleicht haben ihn die Verbeugungen den Kopf gekostet

und die unfruchtbaren Morgen haben ihn vernichtet

Da hat er sich für die Weglosigkeit mit einem ausgebrüteten Schlaf vermählt

oder ist mit einer zarten Lilie hinabgestiegen

um das Dunkel des Wasser mit ihr zu teilen.


Oder

es hat ihn der Morgen getötet

da hat er mit der Sichtung des Todes begonnen


um einen Biss, einen Kuss oder ein Klagelied zu bekommen.

Aber... er wird sich erinnern, dass er das Gegenteil ist von all dem

ein entblößtes Herz mit Flecken von mir.

 

 

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