Jafar al-Oqaily
Unsymphatische Gäste (Kurzgeschichte)
Aus dem gleichnamigen Erzählband
Übersetzt von Nuha Sarraf Forst und Angelika Rahmer
Trotz der Konsequenzen verlangt die Angelegenheit eine solch mutige Entscheidung. Das Chaos in allen Winkeln meines Lebens, auf dessen perfekte Organisation ich stets bedacht bin, kann ich nicht länger ertragen.
Ich muss mich von den vielen Menschen befreien, die ich kennen gelernt habe. Ich muss sie aus meinen Papieren verscheuchen, in denen sie gegen meine Zustimmung seit Jahren hausen.
Muss meine Erinnerung von den Resten ihrer Namen, ihrer Gesichtszüge, ihrer Titel und ihrer Telefonnummern reinigen, um sie dann - nach meinem Geschmack und meinem Willen – wieder neu einzuräumen, nachdem ihre Existenz in meinem Innern zu einem unerträglichen Stau geführt hat.
Also sammele ich die sieben Telefonbücher ein. Um endgültig Abschied von ihnen nehmen zu können, will ich gar nicht mehr darin blättern. Ich muss sie samt ihrem Inhalt aus meinem Leben entfernen. Ich werde meine Erinnerung neu gestalten: weit weg von ihrer Einflussnahme - so wie ich es will. Ihre Trauerfeier wird ohne Lärm, ohne Musik und ohne einundzwanzig Schuss Salut aus der Kanone stattfinden. Das wird zweifellos zu einer menschlichen Schlacht führen. Aber ich habe mich entschieden; meine Meinung zu ändern oder nachzudenken ist nicht mehr möglich. Ich bin auch entschlossen, keine Reue zu zeigen, will auch kein schlechtes Gewissen haben. Ich unterdrücke jene Stimme, die sich in mir regt, die mir Treue abverlangt und mich daran erinnert, dass meine Tat nichts anderes ist als das Töten meiner Freunde.
Ich schließe meine Augen und schmeisse die Bücher gnadenlos ins Feuer. Damit meine schlanken Finger dabei nicht zittern, halte ich mich gut fest. Ich handle wie ein Roboter, der einen Befehl erhält.
Plötzlich tritt dichter Rauch auf; es sieht aus, als entweiche er der Lampe des Alladin in einem dieser Zeichentrickfilme. Er verbreitet sich im Zimmer und bildet eine Figur, die mich beängstigt. Er dehnt sich immer weiter aus und zieht durch die Tür in die restlichen Ecken des Hauses.
Ich weiche zurück, um seine immer deutlicher werdenden Umrisse zu erkennen, und ich sehe dabei Menschen, die ich kenne und andere, die ich nicht kenne und solche, bei denen ich mich nicht mehr an Zeitpunkt, Ort und Umstand unserer Begegnung erinnern kann.
Ich beobachte, wie sich alle im Rauch vervielfältigen, wie sie mich umringen und mich schließlich mit ihren dunstigen rauchschwarzen Körpern umschließen – gnadenlos und ohne Mitleid.






