Miral al-Tahawi
(Ägypten)
Miral at-Tahawi unterschreibt mit ihrem literarisches Werk eine Verzichtserklärung auf jegliche politische und religiöse Ideologie. Durch die Auflösung des Alltäglichen entstehen Bilder der Seele, welche Gefühle, Erinnerungen, aber auch den Wunsch nach Gerechtigkeit in einem Kaleidoskop von farbigen Schilderungen widerspiegeln.
Geboren 1968 in Sharqiya, Ägypten, entstammt Miral at-Tahawi einer sesshaft gewordenen Beduinenfamilie. Mit ihrem Studium der Literaturwissenschaft forderte sie die Konfrontation mit den gesellschaftlichen Konventionen ihrer Familie heraus. Während ihrer Studienzeit war sie Mitglied in einer islamistischen Bruderschaft. 1991 erwarb sie den Bachelor of Arts an der Zagazig-Universität in Kairo.
Sie promoviert zur Zeit über „Wüstenromane in der arabischen Literatur“ und unterrichtet als Lehrbeauftragte an der Cairo University.
Bekannt wurde Miral at-Tahawi bereits mit ihrem ersten 2001 auch ins Deutsche übersetzten Roman Das Zelt. Das beduinische Milieu der Protagonistin Fatima ist geprägt durch Zwang und Unterdrückung. Nach dem Verlust ihres Beines ist Fatima, die junge Heldin, auf die Hilfe einer ausländischen Frau in ihrer Nachbarschaft angewiesen. Hin- und hergerissen zwischen familiärer Enge und dem freiheitlichen Denken der Ausländerin entscheidet Fatima sich schließlich für die Zwischenwirklichkeit einer beduinischen Geisterwelt.
Weitere Werke von Miral at-Tahawi sind der Roman Die blaue Aubergine, 2002 in deutscher Übersetzung erschienen, und ihr dritter Roman, Gazellenspuren. Miral at-Tahawi rückt die Beziehungen zwischen den Frauen ins Blickfeld und weist somit über die klassische Gender-Thematik des Zwei-Geschlechter-Konflikts hinaus. Auf der einen Seite schildert sie mit teilweise anthropologischer Genauigkeit die in Vergessenheit geratende Welt der Beduinen, auf der anderen Seite ersetzt sie die wirklichkeitsgetreue Abbildung durch eine subjektive Wahrheit.
- Bester Roman des Jahres 1996 für Das Zelt in Ägypten
- Ägyptischen Förderpreis für Literatur 2000 für den Roman Die blaue Aubergine
- Preis der Kairoer Buchmesse 2002 für den Roman Gazellenspuren






