Talbi, Raja El

Raja El Talbi

(Marokko)

Raja El Talbi versteht den Text als einen polyphonen Sprachkörper. Mystik, Meditation und Philosophie finden dabei über verschiedene Sprachkonnotationen Einlass in ihr literarisches Werk und bestimmen maßgeblich die Form ihrer Texte. Die zahlreichen Anspielungen machen hierbei den Text zu einem offenen Kunstwerk, das dem Akt des Lesens eine aktive Rolle zuweist: Statt einer passiven Rezeption wird das Lesen zu einem künstlerischen Prozess zwischen Suche und Empfindung.

Raja El Talbi wurde 1966 in Casablanca geboren, erwarb 1989 die „Licence“ in Arabischer Literatur, erhielt 1998 das Diplom im Bereich „Moderne Literatur“ und veröffentlichte Die Todeserfahrung bei Gibran Khalil Gibran. Zur Zeit arbeitet Raja El Talbi im Kulturministerium in Rabat.

Raja El Talbi legte mit Sonnen des Abgrundes 2000 ein experimentierfreudiges literarisches Erstwerk vor. In diesen Texten verbindet sie verschiedene Sprachmuster zu einer eigenen Ausdrucksform und bedient sich dabei so unterschiedlicher Genres wie der Kurzgeschichte, des Prosagedichts oder des lyrischen Texts.

Auch mit ihrem zweiten Werk Der Brunnen eines Wanderers schreibt sie ihr mystisch-inspiriertes Sprachprojekt weiter und zeigt dabei eine geistige Nähe zu Gibran Khalil Gibran: „Ich schreibe, ich kehre zum Brunnen des Schreibens zurück, er speist mich mit Zartheit, er nimmt mir meine Pein und die Mühe meiner Einsamkeit, er gibt meiner Zunge die Lust nach dem Ausspruch zurück: Ausspruch des Gefühlvollen, Ausspruch des Wesentlichen und die geistige Teilhabe am innerlichen Mahl. Ausspruch der Wunden, Ausspruch der Freuden... Niemals wird das Schreiben etwas anderes sein als ein Brunnen für einen Wanderer, der Brunnen des Schreibens und sein Wasser, zu ihm kehre ich in der Mittagshitze zurück, ehrfurchtsvoll.“ Raja El Talbi lädt den Leser ein, sich mit ihr als Wanderer auf eine ausgedehnte Reise zu begeben, um den unterschiedlichen Fährten von Intertextualität zu folgen.

 

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