Mahmud at-Trauri
Aus dem Roman Maimuna
Übersetzt von Claudia Knieps
Der Sommer legt Dschidda seine Zügel an. Er würgt es wie ein aufgebrachtes Tier, das einem Löwen gleicht. Die Feuchtigkeit strömt wie glühende Hitze aus. (Das Gewand klebt am Körper). Das verleiht ihm alle Reize. In der Nähe des Bades, das an das Schlafzimmer der Herrin angrenzt, gibt es einen weiten Raum, den die Dienerinnen zum Ausruhen nehmen. Allein Umar ist es von den Männern erlaubt, diesen aufzusuchen. Die Mittagshitze führt ihn dorthin und er legt seine Kleider ab. Er ruht sich aus, indem er seinen Blick auf der Decke ruhen lässt. Er zieht durch die Nase eine frische Brise ein, die das Oberlicht von den Fenstern zum Meer hin, das meistens rauh ist, hereinlässt. Die Dienerinnen sind in der Küche und die Herrin setzt ihren Schlaf am Vormittag fort, an dem sie die Aufgaben der Arbeit verteilt hatte. Umar ist sich dieser Zeiteinteilung sicher und die Schwere fällt von ihm ab und er fühlt sich leicht und befreit von seiner Trostlosigkeit. Gelöst überlässt er sich der Stille. Er streckt sich in sicherer Ruhe aus, eine kräftige Gestalt wie ein Ebenholzbaum. Die Herrin überrascht ihn unvermutet mit ihrem Auftauchen und bleibt verblüfft stehen. In ihr kommt alles, was sich in den Tagen an Begehren aufgehäuft hat, zum Kochen, als sie diese baumstarke Gestalt betrachtet, die für sie unnahbar ist und in ihrem Kummer und vor Müdigkeit ruht. Sie nährt sich das niedrigste Empfinden, das sie hat, oder eine Furcht davor ignorierend. Und im Moment, da er es gewahr wird, sieht er sie auf ihren Knien liegend und ihre beiden Augen glühen mit einem Feuer, das das Verlangen der Frauen der Welten versammelt hat.
Sie bedrängt ihn.
Er wälzt sich auf seine Seite, dann auf seinen Bauch mit einer Bewegung wie ein Schakal, blitzschnell. Er beginnt wie eine geschwächte Schlange zu kriechen. Der Weg vor ihm füllt sich mit Dunkelheit. Ein einziges Licht dringt von einem Spalt eines warmen Fensters herein, es veranlasst ihn, ins Badezimmer hineinzustürzen, und kaum dass er sich anschickt, es zu verriegeln, findet er eine kluge Frau vor sich, die sich zu einer aufgescheuchten Löwin verwandelt, aber er tritt ihr kühn wie ein Löwe gegenüber und verschließt die Tür. Sie verlässt ihren Platz nicht und sucht ihn zu gewinnen:
- Gnade, komm raus, Gnade, schnell.
- ...........................
- Hinaus, du Lump, du verdienst all diese Wohltaten nicht.
- ......................
Ein feuchtes und brennendes Schweigen überflutet den Ort. Ein Schweigen verbunden mit Erregung. Das unvergleichliche Schweigen, das die ganze Welt hört, nur allein die Wollust nicht. Der Schmerzerfüllte hört nur die Stimme seines Schmerzes. Keiner hört ihn damit, nur wenn er ihn besingt. Umar fand keinen Ausdruck im Gesang.
Zwei Stimmen sind an dem Ort. Die Stimme des Schmerzes im Innern des Badezimmers und die Stimme des Begehrens draußen. Beide schweigen. Vielleicht erhebt sie sich und rebelliert gegen die Form der Schande; die nur ihn betrifft.
- Weißt du, was dir widerfahren wird, wenn du nicht hinausgehst, Verfluchter.
Da ist die Geilheit, die die Löwin blind macht, – und da ein Verwirrter, den das Verlangen aufreibt. Wie weit sind die Geilheit und die Furcht voneinander entfernt? Es gibt Menschen, die befriedigen ihre Geilheit nur voller Angst, und es gibt Menschen, deren Geilheit beseitigt die Furcht. Die Geilheit lässt die Klugheit einer bestimmten Art, die Furcht und die Unterschiede vergessen! Doch er beachtet in so einem Moment nur sein Begehren.
- Weichling, du bist kein Mann.
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- Wenn du ein Mann bist, dann zeige dich mir.
Eine gewaltige Kluft trennt das Begehren von der Begierde. Das Tier hat Begierde und der Mensch hat Begehren, das seine Vernunft kontrolliert. Allein die Propheten und Heiligen überwinden dieses Höllenfeuer. Doch Umar ist kein Prophet und auch kein Heiliger. Er ist ein Mensch, der begehrt. Manchmal hat er kurze, kleine Kaprizen im Haus mit den Dienerinnen, mit den Dienern oder manchmal mit dem Pascha selbst, der sich unaufhörlich an seinem Rücken kratzt. Umar stellt seine Ohren taub, als er einen der Dienstboten den Dienerinnen zuflüstern hört: Einige der Herrschaften haben eine Krankheit, die nur das Wasser der Männer behandelt!






