Steinhöfel, Andreas

© Carl Hanser VerlagSteinhöfel, Andreas - Rico, Oskar und die Tieferschatten © CARLSEN Verlag
Rico, Oskar und die Tieferschatten
Hamburg: CARLSEN Verlag, 2008 – 224 Seiten
Illustrationen von Peter Schössow
ab 10 Jahren
ISBN: 978-3-551-55673-8

Arabische Ausgabe
Kalima Verlag
2015
Übersetzung: Shaza AlKelany

An eine Sache muss man sich gleich gewöhnen. Daran, dass Rico Doretti ein ungewöhnliches Kind ist. Dabei sieht Rico gar nicht seltsam aus. Oskar schon eher: Der ist hochbegabt, ein wenig miesepetrig und trägt einen Sturzhelm beim Spazierengehen. Rico hingegen ist „tiefbegabt“. Das heißt, er kann zwar gut und viel denken, aber es dauert ungeheuer lang, weil in seinem Kopf etwas nicht so funktioniert wie bei anderen Leuten. Und es fällt ihm immer mal wieder etwas aus dem Gehirn heraus, wo rechts ist und links zum Beispiel, oder Dinge, an die er sich unbedingt erinnern muss, wie seine Adresse.

Rico hat aber auch einen wahren Schatz in seinem Kopf: Er ist ein guter Erzähler. Ach was, er ist ein großer Erzähler! Und ein großartiger Beobachter, der so genau, so witzig und traurig und klug und warmherzig aus seinem Leben und seiner Umgebung erzählt, dass man nicht anders kann, als aufgeregt Seite um Seite umzublättern.

Entgegen aller Klischees hat Rico einen schlauen Lehrer: Herr Wehmeyer aus dem Förderzentrum hat sein Talent erkannt und Rico beauftragt, den Sommer über ein Ferientagebuch zu schreiben. Dieses Tagebuch liegt nun der Fiktion zufolge mit „Rico, Oscar und die Tieferschatten“ vor. Hier berichtet Rico in einer wunderbar kreativen Sprache über seine Sommerferien. Wie es ihm gelingt, seinen neuen Freund Oskar zu retten, den der Kindesentführer „Mister 2000“ erwischt hat und wie er dabei auch das Geheimnis der Tieferschatten löst, die nachts im Hinterhaus herumgeistern.

Andreas Steinhöfel hat ein berührendes Buch geschrieben, das beweist, wie verkehrt der Begriff „geistig behindert“ ist. Kein einziges Mal lässt er Mitleid aufkeimen, vielmehr vermag er Schmunzeln – und vor allem Erstaunen – auszulösen. Erstaunen darüber, wie die Welt aussehen kann, wenn man nicht immer geradeaus und strukturiert denkt.

Auch sprachlich ist die Geschichte herrlich originell, weil konsequent aus Ricos Sicht erzählt. Da flitzt Sonnenlicht über die Blätter, plumpst Musik auf den Gehsteig, und Frau Dahling verströmt, wenn sie einsam ist, das graue Gefühl. Und weil Rico in Berlin wohnt, kommen zahlreiche Dialektbegriffe hinzu, die jedoch so eingebettet sind, dass auch Nichtberliner sie verstehen. Dass nebenher auch die Spannung nicht zu kurz kommt, macht den Lesegenuss perfekt.

Mit seinen klaren Zeichnungen verleiht der Illustrator Peter Schössow Rico und Oskar zusätzliche Authentizität und hält in kurzen Szenen entscheidende Momente fest.
(goethe.de/kutub-na)

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