Literaturszene Arabische Welt

Cairo Short Stories

Foto: Arnold Fouad © Goethe-Institut KairoDurch ihre Teilnahme am diesjährigen „Cairo Short Stories“ Wettbewerb des Goethe-Instituts hatten die Schriftstellerinnen Areeg Gamal, Nahla Karam und Asmaa El-Sheikh die Möglichkeit, die Frankfurter Buchmesse zu besuchen, eine der angesehensten Literaturveranstaltungen der Welt.

Die drei jungen Frauen hatten sich an einem Workshop rund um das Verfassen von Kurzgeschichten und dem dazugehörigen Wettbewerb des Goethe-Instituts, dem Cairo Short Stories Project, beteiligt, in dessen Rahmen sie von einer Jury zu den drei Besten gekürt und zu einem Besuch auf der Frankfurter Buchmesse eingeladen wurden.

Areeg Gamal, Portrait; Foto: Mohamed Samaha © Goethe-Institut Kairo
Areeg Gamal (Foto: Mohamed Samaha © Goethe-Institut Kairo)

Areeg Gamal, freischaffende Schriftstellerin und Studentin der Literaturkritik an der Academy of Arts, schrieb schon in sehr jungem Alter fiktionale Geschichten. Allerdings wurde ihr erst während des Workshops am Goethe-Institut bewusst, dass diese Fähigkeit auch eine professionelle Karriere möglichen kann. Ihre Kurzgeschichte ergründet die psychologischen Folgen physischer Schmerzen.

Nahla Karam, Portrait; Foto: Mohamed Samaha © Goethe-Institut Kairo

Nahla Karam (Foto: Mohamed Samaha © Goethe-Institut Kairo)

Nahla Karam, Editorin und Kuratorin für Online-News, hat bereits einen Roman und eine Reihe von Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Aussicht nach Frankfurt zu reisen regte sie zur Bewerbung für den Workshop an, da sie niemals zuvor Ägypten verlassen hatte. Die Anonymität des Einsendeprozesses im Wettbewerb und die dadurch gewährleistete Objektivität bei der Auswahl der Gewinner nannte sie als weiteren ausschlaggebenden Faktor. Ihr Workshop-Text handelt von einem Tag im Leben eines ägyptischen Mädchens.

Asmaa El-Sheikh, Portrait; Foto: Mohamed Samaha © Goethe-Institut Kairo

Asmaa El-Sheikh (Foto: Mohamed Samaha © Goethe-Institut Kairo)

Asmaa El-Sheikh, eigentlich Ärztin von Beruf, ist die einzige der drei Teilnehmerinnen, die nicht aus Kairo, sondern aus Alexandria stammt. Neben der Medizin fühlte sie sich schon seit ihrer Jugend dem Schreiben verbunden. Im Rahmen eines Workshops mit dem libanesischen Schriftsteller Nagwa Barakat publizierte sie bereits einen Roman. Sie weiß in das tägliche Leben der Menschen einzutauchen und dabei jedes Detail wahrzunehmen.

Der Workshop

Die drei Erstplatzierten des Projekts Cairo Short Stories, das zwischen Februar und Juni 2014 an jeweils drei Tagen im Monat stattfand, konnten sich gegen acht Konkurrenten durchsetzen. Unter der Leitung des in Berlin ansässigen Irakischen Schriftstellers Abbas Khider sollte der Workshop den Teilnehmern theoretische Grundlagen zum Verfassen von Kurzgeschichten vermitteln. Darüber hinaus bot er praktische Hilfe für das literarische Schreiben und dabei, eigene Stärken zu identifizieren und Schwächen zu überwinden.

„In erster Linie sollte der Workshop unsere Wahrnehmung für das Schreiben erweitern. Wir ergründeten, was uns beim Schreiben hilft, wie wir in solch einer Weise auf das Leben schauen können, dass daraus Literatur entsteht, wie wir unsere Texte verdichten und uns auf der Basis gegenseitiger Kritik weiterentwickeln können”, sagte Gamal. „Abbas Khiders Erfahrung im Schreiben und bei der Entwicklung zum professionellen Schriftsteller war jedoch das Wichtigste. Sein Hintergrund ist sehr inspirierend. Er hat es so lange versucht, bis er schließlich erfolgreich war“, fügte sie hinzu.

„Ich war sehr inspiriert und beeindruckt davon, wie eine Person so viele Erfahrungen in einer einzigen Lebenszeit machen kann“, stimmte El-Sheikh ihrer Kollegin zu. „Es ist bewundernswert zu sehen, wie er den Reichtum seiner Lebenserfahrung literarisch verarbeitet hat“.

Cairo Short Stories, Workshop © Goethe-Institut Kairo
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„Der Workshop half mir Probleme zu vermeiden, die ich sonst immer mit meinen Texten hatte”, sagte Karam. „Jede von uns, obwohl wir alle erfahrene Schreiberinnen sind, hatte eine Schwäche und der Workshop brachte diese zutage und half uns, sie anzugehen“.

Die Erfahrungen in Frankfurt

Die drei Teilnehmerinnen hatten jeweils ganz unterschiedliche Erwartungen an den Besuch in Frankfurt. El-Sheikh fand es insbesondere aufregend, nicht nur eine neue Stadt zu besuchen, sondern dies auch noch in einem literarischen Kontext tun würde. Für Nahla war die Reise nach Frankfurt gar die erste Gelegenheit Ägypten zu verlassen, daher hoffte sie, viel von Frankfurt sehen und neben der Büchermesse zum Beispiel auch Museen besuchen zu können. Areeg war interessiert daran, voll und ganz in die Buchmesse und Kultur der Stadt einzutauchen.

Ebenso wie die Erwartungen unterschieden sich auch die Eindrücke der drei Schriftstellerinnen von Frankfurt und der Buchmesse, obwohl ihr dreitägiges Programm identisch war.

Die Frankfurter Buchmesse hinterließ einen sehr positiven Eindruck bei El-Sheikh. Obwohl sie bereits andere Veranstaltungen dieser Art, in Bahrain und mehrmals in Kairo, besucht hatte, stellte sie in Frankfurt einen wichtigen Unterschied fest.

„Bei den anderen Buchmessen ging es darum, Bücher zu kaufen und zu verkaufen, so werten sie dort Erfolg und Misserfolg“, resümierte sie. „In Frankfurt andererseits ging es um Ideen. Die Messe offenbarte vielerlei Möglichkeiten, seine Ideen publizieren zu lassen“.

Karam war begeistert von den neuen Kontakten, die sie auf der Messe geschlossen und den Unterhaltungen, die sie dort geführt hatte. Nach ihrem Empfinden war der Aufenthalt dort jedoch nicht lang genug, um die Stadt kennenzulernen und ihre Erwartungen zu erfüllen. Auch empfand sie die Teilnahme der drei Autorinnen an der Buchmesse als förderlich, doch zu kurz, um Kontakte in der Verlagswelt aufzubauen.

Impressionen aus der Autoren Lounge; Foto: Alexander Heimann © Frankfurter Buchmesse

Impressionen aus der Autoren Lounge auf der Frankfurter Buchmesse 2014
(Foto: Alexander Heimann © Frankfurter Buchmesse)

Wie ihre Kolleginnen war Karam beeindruckt davon, wie Deutschland in seine Autoren und Jugend investiert. „Wir trafen junge Schriftsteller vom 60 Underground Workshop, einem Workshop für junge Autoren, noch jünger als wir es sind“, erklärte sie und fügte hinzu, dass die Autoren sehr daran interessiert gewesen wären, die Schriftstellerinnen zu treffen und mit ihnen zu diskutieren.

„Die Stadt war äußerst interessant“, kommentierte Gamal. „Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen, die ich sah, ein anderes Verständnis vom Leben haben: Sie arbeiten hart, aber sie sind auch sehr warmherzig“.

Gamal genoss den Aufenthalt auf der Buchmesse auch deswegen, da es dort nicht nur ernsthafte Diskussionen und Lesungen gab, sondern auch viele unterhaltsame Aktivitäten.

Für die drei Teilnehmerinnen stellte das Treffen mit der saudischen Schriftstellerin Ragaa Alem einen Höhepunkt des dreitägigen Aufenthalts dar. Das Trio besuchte ihre Lesung und Diskussion und ging mit ihr später zum Abendessen.

„Sie ist eine warmherzige und freundliche Person. Sie hat uns trotz unseres noch jungen Alters ernst genommen“, sagte Karam. „Sie wollte uns unbedingt dem Verleger vorstellen, der ihren Roman übersetzt hat“.

Zukunftspläne

Der Ausflug nach Frankfurt erschien allen drei Frauen wie ein Traum. Karam beschrieb ihn als einen vierstündigen Flug in eine andere Welt, die sie dazu anregte, mehr über andere Kulturen zu erfahren und ihre Horizonte zu erweitern.

„Ich möchte die Welt auch außerhalb meiner Blase erkunden“, verkündete sie euphorisch und fügte hinzu, dass der Ausflug sie auch dazu inspiriert habe, sich in Zukunft besser zu organisieren und ihre Schreibtätigkeit ernster zu nehmen.

El-Sheikh stimmte dem zu und brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass das Goethe-Institut weitere solcher Workshops in anderen künstlerischen Disziplinen organisieren werde.

Gamal genoss es sehr, in die deutsche Kultur einzutauchen, wenn auch nur für kurze Zeit. Sie hofft, in Zukunft mehr über diese Kultur und Gesellschaft zu lernen und ihre Schreibfähigkeiten weiterzuentwickeln. „Vielleicht lerne ich eines Tages auch deutsch”, fügte sie abschließend hinzu.

Rowan El-Shimi
ist Kulturjournalistin und Teilnehmerin des Fortbildungsprogramms für Kulturjournalismus des Goethe-Instituts in 2013.

Copyright: Goethe-Institut Kairo
November 2014

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