Literaturszene Arabische Welt

Cairo Short Stories 2015

Foto: Goethe-Institut Kairo/Arnold Fuad

Omima Sobhi: Im „Cairo Short Stories“-Wettbewerb habe ich meine Stärken im Schreiben entdeckt.

Omima Sobhi; Foto: Goethe-Institut Kairo/Arnold Fuad
Omima Sobhi, Gewinnerin des Förderpreises Cairo Short Stories (Foto: Goethe-Institut Kairo/Arnold Fuad)


Die ägyptische Nachwuchsschriftstellerin Omima Sobhi lernte im literarischen Workshop des Projekts „Cairo Short Stories“ im letzten April, sich ganz auf ihre Stärken zu konzentrieren und ihre Fähigkeiten im Verfassen von Kurzgeschichten weiterzuentwickeln.

Im Cairo Short Stories-Wettbewerb 2015 gewann Sobhi den Förderpreis der KfW Stiftung für die beste Kurzgeschichte.

Das Goethe-Institut Kairo war Gastgeber des entsprechenden Workshops, der unter der Leitung des deutsch-irakischen Schriftstellers Abbas Khider stand. Die KfW Stiftung, in Zusammenarbeit mit LITPROM – Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V., veranstaltete das Projekt bereits zum zweiten Mal in Folge.

Als Siegerin des Wettbewerbs wird Sobhi im kommenden Oktober an der Frankfurter Buchmesse, der größten Veranstaltung dieser Art auf der westlichen Hemisphäre, teilnehmen und ihre Kurzgeschichte präsentieren. Außerdem wird ihre Arbeit ins Deutsche übersetzt werden.

Der Workshop, so die 31-jährige Omima Sobhi, habe ihr Verständnis vom kreativen Schreiben positiv geprägt. Dies habe sie auch Abbas Khiders Anregungen zu verdanken, sich mit Literaturtheorien auseinanderzusetzen und diese im Workshop zu diskutieren.

Die junge ägyptische Autorin bereitet derzeit den ersten Sammelband ihrer Kurzgeschichten vor, der auch den Siegertext des Cairo Short Stories-Wettbewerbs, Der enthüllte Kopf, enthalten wird.

In ihren vorzugsweise fiktionalen Kurzgeschichten verarbeitet Sobhi derzeit am liebsten die Themen Entfremdung und Einsamkeit.

Für frauenspezifische Themen könne sie hingegen gerade keine Begeisterung aufbringen, genauso wenig wie für die Sorgen von Familien und frisch verheirateten jungen Frauen. Ihre Schreibtätigkeit möchte sie gerne unabhängig von ihrer Identität als Frau entwickeln.

Die Schriftstellerin ist selbst verheiratet und hat eine Tochter. Obwohl das Familienleben einen Großteil ihrer Zeit in Anspruch nimmt, kommt sie dank der tatkräftigen Unterstützung ihres Mannes nebenbei zum Schreiben.

Zu ihren Lieblingsautoren von Kurzgeschichten zählen die kanadische Nobelpreisträgerin Alice Munro wie auch der tschechische Autor Franz Kafka und der Syrer Zakaria Tamer.

Sie ist zudem eine Bewunderin der amerikanisch-indischen Autorin Jhumpa Lahiri, deren zuletzt erschienenen Roman, Das Tiefland, sie sogar zu übersetzen begonnen hat.

Sobhi ist als freiberufliche Übersetzerin tätig. Im letzten Jahr wurde das Sachbuch Disturbances of the Mind von Douwe Draaisma in ihrer englischen Übersetzung vom al-Arabi Verlag in Kairo veröffentlicht. Auch andere Übersetzungen hat sie vorzuweisen, die aber bislang allesamt unveröffentlicht geblieben sind

Die professionelle Übersetzertätigkeit, so Sobhi, habe ihr beim kreativen Schreiben geholfen, da auch Übersetzungen mehrmalige Überarbeitung erfordern.

„Übersetzung“, so sagt sie, „hat mich Geduld gelehrt, und dass es mehr als eine Phase des Schreibens gibt, bevor der Text bereit für den Leser ist. Erst kommt der Entwurf, dann die Überprüfung, die Überarbeitung und so weiter.“

Die gebürtige Kairoerin hat zunächst in ihrer Heimatstadt studiert – im Jahr 2006 machte sie ihren Abschluss an der Ain Shams Universität – lebte dann jedoch mehrere Jahre in Ismailia. Dort beteiligte sie sich an der Organisation des ersten Ismailia Culture Festivals, das im Mai 2013 unter dem Motto Revolution ist Innovation stattfand.

Das Festival-Projekt sei für Sobhi angesichts der begrenzten Möglichkeiten eine schwierige Erfahrung gewesen. Zurück in Kairo weiß sie nicht, ob die Veranstaltung eine zweite Auflage erleben wird oder nicht.

Auf die Frage, wie sie zur Ägyptischen Revolution 2011 stehe, sagt sie, emotional stark in das Thema involviert zu sein, obwohl Schwanger- und Mutterschaft es ihr weitgehend versagt hätten, an Demonstrationen teilzunehmen.

Ihre Tochter Aliya sei in den ersten Tagen der Revolution, genauer gesagt am 27. Januar 2011, zur Welt gekommen. Das Licht der Welt habe ihr bisher einziges Kind am Abend genau jenes Tages erblickt, der als Freitag des Zorns in die Geschichte Ägyptens eingegangen ist.

Für eine literarische Auseinandersetzung mit der Revolution sei es für Sobhi immer noch zu früh, da die Erinnerungen an die Ereignisse sie nach wie vor sehr aufwühlen. Hierfür würde sie sich daher gerne etwas mehr Zeit lassen.

In Bezug auf feministische Literatur erklärt Sobhi, davon aus zwei Gründen professionell Abstand nehmen zu wollen. Erstens widme sich bereits die Mehrheit junger Schriftstellerinnen dieser Art von Inhalten und sie hätte das Gefühl, ein Stück Individualität zu verlieren, würde sie das Gleiche tun.

Zweitens sei die Literatur für sie eine Zuflucht aus den Sorgen des täglichen Lebens. Über frauenspezifische Problematiken zu schreiben hieße aber, sich genau derlei Sorgen zuzuwenden.

Darüber hinaus vermeide Sobhi es, jeglicher Inspiration aus Haus und Familie nachzugehen, damit sich ihre Geschichten nicht schlussendlich um Familienangelegenheiten drehen.

Sie erklärt, dass sie sich mit täglichen Sorgen und Problemen bereits in ihren Artikeln befasse und dies in ihren Geschichten daher lieber vermeide. Sie verfasst journalistische Beiträge zu Alltagsthemen für ihren Blog, einige Internetseiten und ägyptische Zeitungen.

Abschließend betont Omima Sobhi, dass sie sich erst dann als erfolgreiche Künstlerin sehe, wenn der Leser ihrer Texte nicht bestimmen könne, ob sie von einer Frau oder einem Mann stammen.

Omima Sobhi erhält den Förderpreis der KfW Stiftung. Die Preisverleihung findet am 15. Oktober 2015 auf der Frankfurter Buchmesse statt. Sobhi wird außerdem im Weltempfang – Zentrum für Literatur, Politik und Übersetzung mit der deutschen Übersetzung der Kurzgeschichte vorgestellt.
Mohamed El-Baaly
ist Direktor des Kairoer Verlags Sefsafa.

Copyright: Goethe-Institut Kairo
Juni 2015

Übersetzung: Jana Duman

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