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Zäher Durchbruch für E-Books in Ägypten

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E-Books in Ägypten (Foto: Goethe-Institut/Bernhard Ludewig)

Immer mehr arabische Buchtitel sind inzwischen als E-Books verfügbar. Was der Beliebtheit von herkömmlichen Büchern jedoch keinen Abbruch tut. In der Lesergunst und Buchhandlungen stehen weiterhin die „echten“ Bücher an erster Stelle.

Amr El Kady ging vor etwa zwei Jahren dazu über, E-Books zu lesen, um der Facebook-Sucht zu entrinnen. Inzwischen liest der Flugingenieur der Egypt Air fast täglich „elektronisch“, aber auf Papier gedruckte Bücher sind ihm – ganz klar – immer noch lieber.

Seit ein paar Jahren erfreuen sich Smartphones und Tablet-Computer in Ägypten wachsender Beliebtheit. Immer mehr Ägypter zeigen deshalb Interesse an Daten und Informationen, die auf mobilen Geräten abrufbar sind.

Laut einem voriges Jahr veröffentlichten Bericht der Nichtregierungsorganisation Eitesal, der circa 280 ägyptische Firmen aus der Informations-, Kommunikations- und Elektronikbranche angehören, besitzen inzwischen 37 Prozent der Handynutzer in Ägypten ein Smartphone.

Abier, die nur mit Vornamen genannt werden möchte, ist der Ansicht, dass elektronische Geräte einfach mehr zu bieten haben als herkömmliche Bücher, zum Beispiel die Möglichkeit, beim (elektronischen) Lesen schnell mal was in den sozialen Medien oder in anderen Datenquellen nachschauen zu können. Abier fing vor etwa vier Jahren an, sich für E-Books zu interessieren, weil gedruckte Bücher in Ägypten häufig entweder vergriffen oder aufgrund der komplizierten Vermarktung nicht lieferbar sind.

Vor allem ausländische Titel finden wegen der Zensur oft nur mühsam den Weg in arabische Buchläden. Erschwerend kommt hinzu, dass die schwache Infrastruktur im Buchhandel selbst auf großen Märkten wie Ägypten nicht gerade zu Investitionen ermutigt.

Der mehrfach ausgezeichnete ägyptische Romanautor Hamdy el-Gazzar hat aus denselben Gründen wie Abier angefangen E-Books zu lesen. Anders als Abier greift er aber nur dann auf die elektronische Version zurück, wenn eine gedruckte Version absolut nicht verfügbar ist.

Ähnlich handhabt es Amr El Kady, der meistens nur ein paar Seiten im E-Book liest. Wenn ihn die Leseprobe fesselt, besorgt er sich das Buch im Print-Format. Amr El Kady, der immer ein Buch neben dem Bett liegen hat, um vor dem Einschlafen noch ein wenig zu lesen, findet in diesem Fall allerdings das E-Book wegen seiner „sozialen“ Vorteile fast besser. E-Books kann man nämlich auch im Dunkeln lesen. Dadurch wird die Ehefrau nicht gestört, wenn sie sich früher schlafen legt.

Abier kauft inzwischen Neuerscheinungen fast nur noch als E-Books, weil ihre Bücherregale aus allen Nähten platzen. Dadurch, dass sie die E-Books auf dem iPad überall hin mitnehmen kann, hat Abier immer ihre eigene kleine Bibliothek dabei, wenn sie unterwegs ist, was sich vor allem auf längeren Reisen, zum Beispiel in den Sommerferien, als sehr praktisch erweist.

Auch Abier ist der Ansicht, dass sich die Verfügbarkeit von E-Books auf Arabisch in den letzten zwei Jahren enorm verbessert hat. Doch von den über 10.000 Titeln, die jährlich allein in Ägypten neu erscheinen, findet man nur vergleichsweise wenige als E-Books wieder. Nach Angaben von Verlegern machen die E-Books nach wie vor nur einen verschwindend geringen Anteil am jährlichen Gesamtumsatz aus.

Immerhin haben schon mehrere arabische Firmen damit begonnen, in die Übertragung von Print-Produkten in elektronische Formate zu investieren. Jüngstes Beispiel ist das letztes Jahr von Vodafone Egypt gestartete Projekt Kotobi zur Vermarktung von E-Books über das Smartphone, mit aktuell bereits über 10.000 arabischen Titeln im Angebot.

Ashraf Maklad, CEO des Kotobi-Projekts, erklärte bei der Vorstellung der Geschäftsidee auf der Internationalen Buchmesse im Emirat Sharjah im November 2014, der arabische E-Book-Markt sei noch relativ jung, aber durchaus vielversprechend. Man kann wohl damit rechnen, dass sich der Trend ähnlich positiv entwickeln wird, wie es bereits auf internationaler Ebene der Fall ist.

Ashraf Maklad möchte erreichen, dass man über die Kotobi-App schon bald auf 100.000 Titel Zugriff hat: „Das sind mehr Bücher, Manuskripte und wissenschaftliche Nachschlagewerke als in irgendeine nicht-virtuelle Bibliothek passen. Vielleicht erhalten Bücher auf diese Art wieder annähernd denselben Stellenwert, den sie einst hatten.“ Wenn es gelingen würde, alle Smartphone-Benutzer in der Region mit dem Angebot zu erreichen, so Ashraf Maklad weiter, könnte die Vision von der „Bibliothek im Taschenformat für jedermann“ real werden.

Doch für Dina Maher bleibt es dabei: „Echte“ Bücher sind das einzig Wahre. E-Books kommen für die Absolventin der Medienfakultät nur im Notfall in Frage, wenn die gedruckte Fassung entweder nicht erschwinglich, nicht erhältlich oder offiziell verboten ist.

Freude am Lesen kommt bei Dina Maher erst auf, wenn sie beim Umblättern der Seiten das Papier zwischen den Fingern spüren kann: „Mag sein, dass ich da etwas altmodisch bin. Ich weiß nicht warum, aber so ein Buch in der Hand zu halten, das ist nun mal ein Genuss. Das kann einem ein E-Book einfach nicht bieten.“

Mohamed El-Baaly
ist Direktor des Kairoer Verlags Sefsafa.

Copyright: Goethe-Institut Kairo
September 2015

Übersetzung: Andreas Bünger

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