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Online-Publishing – neues Leben für das arabische Verlagswesen

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Neues Leben für das arabische Verlagswesen (Foto: Goethe-Institut/Mohamed Samaha)

Geschwindigkeit heißt das Zauberwort im digitalen Zeitalter. Dank moderner digitaler Technologie können Unternehmer heute im Handumdrehen neuartige Lösungen für neuartige Probleme finden. Die Zeiten sind vorbei, in denen Großkonzerne die kleinen Konkurrenzfirmen einfach geschluckt haben. Die neue Spielregel lautet: Schnelligkeit ist Trumpf. Wer zu langsam reagiert, ist weg vom Fenster – Großkonzern hin, Traditionsunternehmen her.

Noch gibt es viel zu wenig arabischsprachige Inhalte im Internet

Deutlicher könnten die Warnsignale kaum sein, auch für arabische Unternehmen und insbesondere für das arabischsprachige Druck- und Verlagswesen. Entweder wir richten uns nach den aktuellen Spielregeln oder wir werden auf Dauer nicht mal mehr unseren derzeitigen Status halten können. Wer die jüngsten Entwicklungen im arabischen Verlagswesen, sowohl beim Online-Publishing als auch bei den Print-Produkten, aufmerksam verfolgt hat, wird feststellen: Die Branche ist zu langsam. Sie kann mit den Anforde­rungen der heutigen Gesellschaft und den rasanten kulturellen Entwicklungen in den arabischen Ländern einfach nicht mehr Schritt halten. Die Zahl der Internet- und Smartphone-Nutzer im arabisch­sprachigen Raum steigt und steigt, während die arabischsprachigen Beiträge im Internet weiterhin zu wünschen übrig lassen.

Die digitale Technologie ist eine Chance – für Verleger und Nutzer

Viele arabische Verleger fürchten oder ignorieren das Online-Publishing. Doch irgendwann werden wir uns wohl oder übel damit auseinandersetzen müssen, je eher desto besser. Von vornherein zu sagen: „Das wird eh nichts“ ist jedenfalls keine Lösung, auch wenn einige wenige, die den Schritt bereits gewagt haben, nicht unbedingt von Anfang an erfolgreich waren. Als arabische Verleger sind wir geradezu verpflichtet, für mehr arabische Inhalte im Internet zu sorgen. Wir sollten hier in erster Linie als Araber denken, nicht als Geschäfts­leute. Davon mal ganz abgesehen: Wer sagt denn, dass man mit elektronischen Produkten nichts verdient? Online-Publishing und moderne digitale Technologie sind doch keine Konkurrenz zu den herkömmlichen Print-Produkten, sondern lediglich eine hilfreiche Ergänzung, wenn arabisch­sprachige Inhalte möglichst effektiv verbreitet werden sollen – und darum geht es nun mal. Warum also nicht sämtliche verfügbaren Methoden in Kombination miteinander nutzen? Das Online-Publishing bietet uns ungeahnte Möglichkeiten. In etlichen europäischen Ländern und einigen US-Bundes­staaten wir Arabisch inzwischen als Fremdsprache unterrichtet. Einige ausländische Unternehmen haben bereits reagiert und bieten entsprechendes arabisch­sprachiges Material an. Mittlerweile lebt auch eine nicht unbeträcht­liche Zahl von Arabern in Europa, Amerika und Australien, die arabisch­sprachigen Lesestoff für sich und ihre Kinder brauchen. Auf der anderen Seite ist die Vermarktung von Print-Produkten in vielen arabischen Staaten inzwischen nahezu unmöglich geworden. Worauf warten wir also noch?

Print und online: Nicht „entweder oder“, sondern „sowohl als auch“

Wir müssen endlich umdenken, und zwar nicht nur beim Online-Publishing, sondern auch bei den Print-Produkten. Das Prinzip „ganz oder gar nicht“ ist in Bezug auf digitale Technologie völlig fehl am Platz. Selbst wenn ein Verleger nicht die Möglichkeit hat, Belletristik oder kulturelle Themen als E-Books zu publizieren, so stehen ihm immer noch andere technische Möglichkeiten zur Verfügung, um die entsprechenden Inhalte einfach, schnell und effektiv online zu verbreiten. Umgekehrt ist es auch schon so manchem Verleger gelungen, ursprünglich nur in elektronischer Form verfügbare Inhalte, wie Blogs oder Tweets, als Print-Produkte erfolgreich zu vermarkten und arabischsprachigen Inhalten dadurch auf recht unkonventionellem Wege zu mehr Verbreitung zu verhelfen. Die Möglichkeiten sind, wie gesagt, nahezu unbegrenzt. Man muss sie nur nutzen.

Wenn man sich nun anschaut, wie viele Interessengruppen es gibt, die im weitesten Sinne publizistisch relevant sind, so lässt sich eine Reihe von problematischen Konstellationen erkennen:

Leser Autoren Verlage Regierung Zivilgesellschaft
Mangel an interessanten arabisch­sprachigen Inhalten Mangel an Risiko­bereit­schaft der Verlage bei unbe­kannten Autoren Zensur Mangel an arabi­schen Lesern Mangel an Infor­ma­tionen über das Verlags­wesen
hohe Preise für Bücher unklare Honorar­strukturen kein Schutz von Urheber­rechten hohe Analpha­betenrate Mangel an Infor­ma­tionen über arabisch­sprachige Leser
eingeschränkte Verfüg­bar­keit von Büchern mangelnder Respekt unzureichende Vermark­tungs­struk­turen Mangel an Förder­pro­grammen Mangel an Förder­programmen

Will man all diese Probleme lösen, oder auch nur einen Teil davon, so bietet sich die digitale Technologie als das Mittel der Wahl an. Aus den eingangs erwähnten Gründen gilt es deshalb, keine Zeit mehr zu verlieren, wenn wir als Verleger nicht unter die Räder kommen wollen.

Mit online-Publishing können alle nur gewinnen

Unser Publikum in den arabischen Ländern für eine digitale Kultur zu sensibi­li­sieren wird nicht schwer sein. Auch die damit verbundenen Investitionen halten sich in Grenzen. Natürlich müssen dabei ein paar Grundregeln beachtet werden, zum Beispiel:

  1. junge Verleger müssen gefördert und Selbstverlage systematisch eingebunden werden, um verstärkt junge Autoren und Leser zu unterstützen; arabischsprachige Inhalte im Internet müssen durch eine gleichbleibende Zuwachsrate gesteigert und zu bezahlbaren Preisen angeboten werden;
    (bei Interesse informiert der Verfasser gerne über entsprechende Studienergebnisse)
  2. Urheberrechte müssen als solche wahrgenommen und gewahrt werden; Autoren müssen allgemein respektvoller behandelt werden;
  3. Plattformen zur Verbreitung arabischsprachiger Inhalte müssen gefördert werden;
  4. die Zusammenarbeit zwischen Kulturzentren, Vereinen und Online-Medien muss geregelt werden, um dafür zu sorgen, dass das Kulturressort bei den Online-Beiträgen nicht länger ein Schattendasein fristet, sondern den gleichen Stellenwert erhält wie Politik, Wirtschaft und Sport;

Das Online-Publishing könnte dem arabischen Verlagswesen neues Leben einhauchen, weil es die Leser auf einzigartig schnelle und direkte Weise erreicht – über Landesgrenzen, Zeitzonen, Zensurbestimmungen und rigide Denkmuster hinweg.

Ali Abd El-Moneim Mohamed
Geschäftsführer von SAMA Publishing & Distribution, Ägypten

Copyright: Goethe-Institut Kairo
November 2015

Übersetzung: Andreas Bünger

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