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E-Publishing und Urheberrechte in Ägypten

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Verstöße gegen das Urheberrecht haben in Ägypten in den letzten zehn Jahren massiv zugenommen. Inzwischen sind es nicht mehr nur die Raubdrucke beliebter Bücher, die Probleme bereiten. Wegen der rasanten technologischen Entwicklung sehen sich Verleger zusehends auch mit Fällen von Online-Piraterie konfrontiert.

Diese neue Form des geistigen Diebstahls bedroht nicht nur die Rechte von Autoren und Verlegern, sondern auch das gesamte Verlagswesen an sich. Weil die Produktionskosten und damit auch die Verkaufspreise für Bücher stetig ansteigen, können sich viele Ägypter in wirtschaftlich angespannten Zeiten wie diesen keine Bücher mehr leisten. Als Reaktion auf den Rückgang der Verkaufszahlen haben viele Verlage E-Books ins Programm aufgenommen, doch seit auch hier vermehrt Raubkopien in Umlauf gebracht werden, scheinen Investitionen und Innovations­bestrebungen im Bereich E-Publishing kaum mehr lohnenswert.

Nun gibt es zwar seit 2002 das Gesetz Nr. 82, das den Schutz der Urheberrechte vorschreibt und die unrechtmäßige Nutzung von geistigem Eigentum unter Strafe stellt. Darüber hinaus sorgen der Internet-Ermittlungsdienst des Innenministeriums und die Kunstaufsicht dafür, dass Verstöße gegen dieses Gesetz geahndet werden. Trotzdem gibt es Hunderte von Internetadressen, Blogs und Facebookseiten mit Raubkopien von Büchern, gegen die man nur schwer vorgehen kann.

Der junge Verleger Ahmed Saed, Chef des Rabe3arabe-Verlags, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass, laut ägyptischem Recht, nahezu alles illegal sei. Für jede noch so kleine Tat gebe es in Ägypten ein Gesetz, das eine entsprechende Strafe vorsieht. Selbst das kreative Schaffen und das Verfassen von Romanen werden in irgendwelchen Gesetzen unter Strafe gestellt!

„Das Problem“, so Ahmed Saed, „besteht nicht in den Gesetzen oder in deren Effektivität, sondern im allgemeinen Rechtsempfinden. Der Gedanke, geistiges Eigentum sei schützenswert, ist den meisten Ägyptern fremd. Ein anderes Bewusstsein zu schaffen – das würde einen enormen Kraftakt erfordern.“ Über die Verluste, die ihm durch Online-Raubkopien entstehen, sagt der junge Verleger: „Das lässt sich nur schwer messen und in Zahlen erfassen. Generell beschränken sich die Raubkopien – zumindest bisher – auf die Bestseller. Wir versuchen die Verluste möglichst gering zu halten, indem wir die E-Book-Version in guter Qualität zu einem möglichst günstigen Preis im Netz zur Verfügung stellen, und zwar im Rahmen von bestimmten Projekten zur Förderung des E-Publishings, wie zum Beispiel Kotobi in Zusammenarbeit mit Vodafone Egypt.

Urheberrechte und freier Zugang zu Kultur

Ein weiteres Problem beim Schutz der Urheberrechte liegt darin, dass immer mehr Leser und Kulturschaffende Raubkopien gutheißen, weil sie angeblich dem Zweck dienen, der breiten Masse, angesichts Wirtschaftskrise und niedriger Durchschnittseinkommen, Wissen zu vermitteln. Nach Ansicht des Übersetzers Hisham Fahmy, stellen diejenigen Intellektuellen, die Raubkopien für legitim erklären wollen, indem sie sie zu einer moralisch unbedenklichen List im hehren Kampf für einen freien Zugang zum Kulturgut stilisieren, ein viel größeres Problem dar als die Online-Piraterie selbst. Dieser verklärte Blick, so Hisham Fahmy, werde in absehbarer Zeit zu einem Zusammenbruch des Kulturbetriebs und des Verlagswesens führen. Sollte sich nämlich die Meinung durchsetzen, Raubkopien seien völlig legitim, können Schriftsteller, Übersetzer, Lektoren, Umschlagdesigner und Verleger ihren Job an den Nagel hängen und sich einen anderen Broterwerb suchen.

„Ein paar Wochen, nachdem der von mir übersetzte Roman Game of Thrones beim Tanweer-Verlag auf Arabisch erschienen war“, erzählt Hisham Fahmy, „tauchten plötzlich Raubkopien im Internet auf. Ich bin der Sache nachgegangen und habe rausgefunden, dass der Verantwortliche aus Kuwait kommt, einem der reichsten arabischen Länder. Die Behauptung, Online-Piraterie sei die logische Konsequenz gestiegener Buchpreise, ist also nicht gerechtfertigt. Das Problem beim Urheberrecht ist ein anderes: Abgesehen von einer gesetzlichen Kontrolle fehlt uns Arabern eine Kultur des Pflicht- und Rechtsbewusstseins.“

Mohamed El Baaly, Chef des Sefsafa-Verlags, meint dazu: „Raubkopien sind eines der größten Probleme, mit denen die Buchbranche zu kämpfen hat. Das gilt sowohl für die traditionellen Raubdrucke, bei der die Rechte von arabischen Autoren und Verlegern verletzt werden, indem deren erfolgreiche Bücher unerlaubt nachgedruckt und zu günstigeren Preisen als im Original angeboten werden, als auch für die Online-Piraterie, bei der Bücher ohne Genehmigung des Autors oder des Verlags im Internet veröffentlicht werden.“ Absurde Formen, sagt Mohamed El Baaly, nehme die Sache dann an, wenn von den Raubkopien auch noch illegale Übersetzungen in Umlauf gebracht und die Urheber gleich zwei Mal Opfer der Online-Piraterie werden. „Der Sefsafa-Verlag und viele andere Verlage“, so Mohamed El Baaly weiter, „wollen etwas gegen dieses Phänomen unternehmen, sei es auf juristischem Wege oder durch Webportale, auf denen E-Books günstiger als die Printversion angeboten.

Islam Anwar
ist freiberuflicher Journalist in Ägypten.

Copyright: Goethe-Institut Kairo
Mai 2016

Übersetzung: Andreas Bünger

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