Messen und Festivals

Meine Zeit in Leipzig

Foto: CC BY-ND 20_Oliver CaplicasLeipziger Buchmesse; Foto: CC BY-ND 20_Oliver Caplicas

Ruhig, familiär und doch international – dies charakterisiert die Buchmesse Leipzig für den ägyptischen Verleger Mohamed El Baaly. Er berichtet von seinem Besuch, Gesprächen und Projektideen.

Bei einer Tasse Kaffee an einem der Stehtische, im Durchgang zwischen zwei Messehallen, kamen wir zufällig ins Gespräch, der in Deutschland lebende Verleger Abdul-Rahman Alawi und ich. Wir unterhielten uns eine ganze Weile über unsere Arbeit als Verleger, über Titel, die übersetzt werden sollten, über die politische Lage in Ägypten...

Es war eine für die lockere Atmosphäre auf dieser Messe typische Unterredung. Zwischen den einzelnen Terminen und Arbeitstreffen schien sich in Leipzig immer irgendeine Möglichkeit zu ergeben, mit Autoren, Verlegern oder Messebesuchern in aller Ruhe ein paar Worte zu wechseln.

Messebesuch mit Muße

Auf dem Weg von Kairo nach Leipzig, wo jedes Jahr die „kleine Schwester“ der Frankfurter Buchmesse Besucher und Fachpublikum aus aller Welt anlockt, hatte ich zunächst einen kleinen Zwischenstopp in Berlin gemacht, einige der berühmten Museen besucht und mich mit mehreren Autoren und Verlegern aus der Hauptstadt getroffen, um mich ein wenig auf die viertägige Leipziger Buchmesse einzustimmen.

Entspannung auf der Leipziger Buchmesse; Foto: CC BY 2.0 smow blogIhren einzigartigen Flair hat diese Messe mit Sicherheit auch den zahlreichen originell verkleideten jungen Messebesuchern zu verdanken, aber auch der Tatsache, dass in Leipzig, anders als auf den gigantischen Messen in Frankfurt und London, kein permanenter Termindruck herrscht, sodass man immer ein stilles Plätzchen findet, um sich fernab vom Messetrubel ganz entspannt mit jemandem zu unterhalten. Was die Messe für mich außerdem zu einem ganz speziellen Erlebnis gemacht hat, waren die interessanten Begegnungen an den Ständen der kleinen und mittelgroßen Verlage aus ganz Deutschland, die sich in einem Seitenflügel der beiden riesigen Messehallen, rechts vom Haupteingang, befanden. Besonders spannend waren die etwas längeren Gespräche mit ein paar linksgerichteten Verlegern, die sich vor allen Dingen mehr Freiheit und Gerechtigkeit auf dieser Welt wünschen, genau wie ich auch.

Aus manchen dieser Gespräche ergaben sich sogar konkrete Pläne für eine zukünftige Zusammenarbeit. So verlief zum Beispiel meine allererste Begegnung mit Rainer Zimmer-Winkel vom Aphorisma-Verlag zunächst ganz förmlich: Wir stellten uns einander vor, tauschten die Visitenkarten aus und verabredeten uns für einen späteren Zeitpunkt. Das zweite Treffen verlief dann schon weitaus weniger steif. Nachdem wir uns ein bisschen über die verlegerische Arbeit ausgetauscht hatten, kamen wir schon recht bald auf politische Themen zu sprechen, und Rainer schlug mir vor, dass ich mich ja auf dem Rückweg auch gerne noch einmal in Berlin mit ihm treffen könne. Das Treffen kam übrigens auch wirklich zustande. Rainer, der sich im Nahen Osten hervorragend auskennt, nahm mich zu einer seiner Veranstaltungen zum Thema „Palästina“ mit. Anschließend unterhielten wir uns erneut ganz ausführlich über Politik, über Literatur und zum Abschluss auch nochmal über die Arbeit als Verleger. Wir haben inzwischen mehrere gemeinsame Projekte ins Auge gefasst, unter anderem die Übersetzung eines Titels aus dem Aphorisma-Programm ins Arabische.

International und doch familiär

Leipziger Buchmesse: International und doch familiär; Foto: CC BY-ND 20 OliverCaplicasNatürlich war die Leipziger Buchmesse auch eine hervorragende Gelegenheit, die ganz großen internationalen Verlage und Autoren kennenzulernen. So ergaben sich für mich beispielsweise ernsthafte Verhandlungen über den Erwerb der Übersetzungsrechte für einen Erzählband, mit dessen slowenischer Autorin ich im Verlauf der Messe Bekanntschaft gemacht hatte. Bei manchen Autoren hatte ich das Glück, sie mehrmals persönlich sprechen zu können, unter ihnen auch der junge und sehr vielseitige Martin Schäuble, der mir jeweils ein Exemplar seines kürzlich beim Fischer-Verlag erschienenen Romans und seines bei Hanser veröffentlichten Buches über Palästina mit dem Titel Zwischen den Grenzen schenkte. Letzteres gefiel mir so gut, dass ich gleich mit dem Hanser-Verlag in Verhandlungen über die Übersetzungsrechte trat.

Während der vier Tage Messe konnte ich viel Neues über die deutschen Verlage erfahren, ich bekam mit, wie arabische Publikationen im Ausland wahrgenommen werden, und vor allem lernte ich viele kleinere deutsche Verlage kennen, die in Ägypten so gut wie unbekannt sind, weil ihr Budget einfach nicht für groß angelegte Marketingkampagnen ausreicht. Auch die persönlichen Begegnungen mit berühmten Autoren waren höchst aufschlussreich. All diese wertvollen Erfahrungen hätte ich wohl kaum in diesem Maße gemacht, wenn die Stimmung auf der Leipziger Buchmesse nicht so wunderbar familiär und entspannt gewesen wäre.

Mohamed El Baaly
ist der Direktor des Kairoer Verlagshauses Sefsafa.

Copyright: Goethe-Institut Kairo
Mai 2013

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