Messen und Festivals

Viele Bücher, viel Geduld

Goethe-Institut KairoAuf der Internationalen Buchmesse Kairo: Die Journalistin Amira El Ahl vor einigen Büchern am deutschen Gemeinschaftsstand; © Goethe-Institut Kairo
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(© Goethe-Institut Kairo)

Kreative Verleger: Die Internationale Buchmesse in Kairo erholt sich wieder. Das war der Tenor der 44. Ausgabe der Messe, die vom 23. Januar bis 5. Februar 2013 in Kairos Madinet Nasr stattfand.

Das Goethe-Institut war wie in jedem Jahr Teil des deutschen Gemeinschaftsstands, der von der Frankfurter Buchmesse organisiert wird. Viele vor allem junge Frauen und Männer sowie Eltern mit ihren Kindern nutzten das Informationsangebot zu den vielfältigen Sprachkursen am Goethe-Institut auf der Buchmesse, die am Ende sogar drei Tage länger als geplant geöffnet war.

Zunächst allerdings war, wohl wegen der Ereignisse um den zweiten Jahrestag der Revolution von 2011, das Besucherinteresse etwas niedriger als erhofft. Das änderte sich, sobald Veranstaltungen am deutschen Gemeinschaftsstand begannen, wie die Kurzlesung von Claudia Ott: Als die Übersetzerin aus ihrer gerade veröffentlichten Geschichtensammlung 101 Nacht rezitierte, drängte sich das Publikum bis außerhalb des Stands. Otts perfektes Hocharabisch beeindruckte nicht nur den bekannten ägyptischen Autoren Gamal El Ghitany, sondern riss auch einige Zuhörer zu Szenenapplaus hin.

Am zweiten Messetag entspann sich nach der Gesprächsrunde mit ägyptischen Verlegern eine interessante Diskussion über die Erfahrungen, die sie zum Beispiel während ihrer Besuchsreise zur Frankfurter Buchmesse 2012 gemacht haben. Einer der Verleger ist Sharif Bakr. 2005 hat er den Familienbetrieb Al Arabi von seinem Vater übernommen, er weiß um das grundlegende Problem des Buchmarkts in der arabischen Welt: Es fehlt das Publikum. In der Freizeit und aus Vergnügen zu lesen hat kaum Tradition. Mit den jüngeren Generationen und durch kreative Ideen der Verleger ändere sich das nun zum Glück, sagt Bakr.

Großes Interesse an Kinderbüchern

Neben religiösen Büchern interessiert sich das ägyptische Publikum sehr für Kinderbücher und Lehrmaterial. Auch die drei am deutschen Stand vertretenen ägyptischen Verlage Adam Bookshop, Emco und Utopia richten ihr Angebot eher auf jüngere Leser aus. Für sie ist die Präsenz auf der Messe lebenswichtig, da der Verkauf auf der Kairoer Buchmesse im Schnitt fast 40 Prozent des Jahresumsatzes ägyptischer Verlage ausmacht.

Das unterscheide die Messen im arabischen Raum von denen in Europa, sagt Claudia Dobry. Sie organisiert seit 2004 die deutschen Gemeinschaftsstände im Nahen und Mittleren Osten sowie in Asien. Nicht erst seit 2011, als wegen der Revolution in Ägypten die Buchmesse kurzfristig abgesagt wurde, weiß sie: Manche Dinge kann man einfach nicht planen.

Frau Dobry, was ist das Besondere an der Messe in Kairo?

© Goethe-Institut Kairo
Claudia Dobry
Die Cairo International Book Fair ist nach wie vor die wichtigste und größte Publikumsmesse im Nahen Osten. Das Auffallendste an der Buchmesse in Kairo allerdings ist, dass es – im Vergleich zu anderen internationalen Messen – sehr improvisiert zugeht. Alle Beteiligten müssen viel Geduld haben, man darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Zum Beispiel wenn, wie hier am ersten Tag geschehen, die Messe erst einige Stunden später öffnet als ursprünglich angekündigt. Auch der Ausstellungskatalog kommt spät, in den Vorjahren lag er manchmal erst zur Mitte der Messe vor. Von allen Buchmessen, die ich besuche, ist diese hier in Kairo die Anstrengendste, da es so viele Überraschungen gibt.

Was hat sich im Vergleich zu den Vorjahren verändert?

2006 präsentierte sich Deutschland als Gastland der Messe. Alle in Kairo ansässigen deutschen Institutionen waren als Mitaussteller am Deutschen Gemeinschaftsstand vertreten und es gab ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm. Auch in den Folgejahren war der Stand noch sehr belebt, dann ging es langsam wieder zurück. Ich wünsche mir natürlich, dass in den nächsten Jahren wieder mehr Veranstaltungen am Stand stattfinden. Allerdings muss das auch die politische Lage erlauben. Besonders seit der Revolution schauen wir genau, wie sich die Messe weiter entwickelt und entscheiden von Jahr zu Jahr, ob eine Teilnahme sinnvoll ist. Leider ist das Messegelände seit letztem Jahr in einem desolaten Zustand, die alten Hallen sind abgerissen, die neuen können aufgrund von Geldmangel nicht gebaut werden. Die Menschen haben hier im Moment andere Probleme, als das Gelände wieder aufzubauen. Letztes Jahr waren wir nur in einem der Zelte untergebracht, dieses Jahr können wir es zum Glück wieder in einer der noch stehenden Hallen ausstellen.

Die Buchmesse fiel genau in den Zeitraum des zweiten Jahrestags der Revolution. Haben Sie Befürchtungen gehabt oder sich besonders darauf vorbereitet?

2011 ist die Buchmesse aufgrund der Revolution ausgefallen. Ich war allerdings schon in Kairo und hatte den deutschen Stand noch mit unseren Büchern bestück, alles war für die bevorstehende Eröffnung fertig. Den so genannten „Freitag des Zorns“ erlebte ich dann in meinem Hotelzimmer in Zamalek. In diesem Jahr hatte ich keine Befürchtungen, da der Jahrestag im vergangenen Jahr sehr ruhig verlaufen ist. Dieses Jahr war auch meine Kollegin Cornelia Helle mit angereist. Beide haben wir sehr viele Freunde und Bekannte in Kairo, so konnten wir uns immer aus erster Hand über die die aktuelle Lage informieren. Das Schlimmste vor zwei Jahren war, dass Internet und Mobilnetz abgestellt waren – dadurch war der Informationsfluss recht spärlich. In diesem Jahr habe ich mich trotz der Unruhen sehr sicher gefühlt, da auch die Kommunikation reibungslos verlaufen konnte.

Welches Ziel haben der Deutsche Gemeinschaftsstand und die Verlage, die hier Kollektionen präsentieren?

Wir verfolgen mit unserer Präsenz auf der Buchmesse in Kairo hauptsächlich kulturpolitische Ziele. Der Kontakt mit der Zivilbevölkerung ist uns sehr wichtig, es geht aber auch darum, ein positives Deutschlandbild zu verbreiten. Die Buchmesse in Kairo ist hauptsächlich eine Publikumsmesse, die Besucher decken sich hier mit ihrem Jahresbedarf an Büchern ein. Die Frankfurter Buchmesse zeigte dort 450 Titel aus 170 Verlagen, darunter die neuesten Kollektionen unter anderem zu den Themen „Urbanität“ und „Literarische Neuerscheinungen“. Die teilnehmenden Verlage nutzen aber auch die Gelegenheit, Lizenzen zu verkaufen, denn neben den Messen in Abu Dhabi und Riad ist die Buchmesse in Kairo die wichtigste Buchmesse im Nahen Osten.

Internationale Buchmesse in Kairo; © Goethe-Institut Kairo

Zwei Studentinnen begutachten das Angebot am deutschen Gemeinschaftsstand.

Wie sieht die deutsche Präsenz auf der Kairoer Buchmesse in den nächsten Jahren aus?

Ich hoffe, dass es die politische Lage zulässt, im nächsten Jahr wieder mit einem Deutschen Gemeinschaftsstand präsent zu sein. Die Frankfurter Buchmesse und das Goethe-Institut, dazu die Unterstützung der Botschaft in Form der Präsenz des Deutschland-Zentrums am Stand, das sind Namen mit Gewicht. Die Möglichkeit, in einer Halle platziert zu sein, war ein guter Schritt in die richtige Richtung. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und dem Deutschland-Zentrum hat sich bewährt und sollte fortgeführt werden. Ebenso hat es sich als Vorteil erwiesen, dass ägyptische Buchhandlungen in den Stand integriert sind, die deutschsprachige Bücher verkaufen. Die internationale Präsenz auf der diesjährigen Messe war sehr gering: Außer 17 arabischen Ländern gab es noch kleine Gemeinschaftsstände von Spanien, Italien und der Türkei. Deutschland ist somit eines der wenigen Länder, die trotz der aktuellen Lage kontinuierlich auf der Messe Präsenz zeigten. Es wäre schön, wenn wir diese Tradition fortsetzen könnten.

Christopher Resch
Beauftragter für Presse und Öffentlichkeitsarbeit am Goethe-Institut Kairo

Copyright: Goethe-Institut Kairo
Februar 2013

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