Messen und Festivals

Leipziger Bücheroptimismus – die Buchmesse 2013

Leipziger Buchmesse 2013; Foto: Gesa HusemannEs war wieder März – und damit Messezeit in Leipzig. Vom 14. bis zum 17. März 2013 wurden zahlreiche Stände und Lesebühnen auf dem Messegelände und in der Stadt bespielt. Dabei gab es einiges zu entdecken.

Langweilig. Akademisch. Ausdruck hochkultureller Arroganz. Das verbanden Autoren wie Maxim Biller in den 1990er-Jahren mit der neueren deutschen Literatur. Nichts weniger als ihren Niedergang prophezeite Biller. Die Literatur: nicht gekauft, nicht gelesen, unbedeutend. 2013 scheint alles anders. Die Leipziger Buchmesse strahlte in diesem Jahr Bücheroptimismus aus – und das nicht nur wegen interessanter literarischer Inhalte, national wie international. Es geht dabei auch um das Buch an sich, denn nach wie vor sei es wichtiges Kulturgut und Wirtschaftsfaktor, sagte der Präsident des Börsenvereins des deutschen Buchhandels Gottfried Honnefelder zuversichtlich zur Messeeröffnung im Gewandhaus. Und doch gibt es bei all dem Optimismus eine Sorge: Amazon, der Feind des stationären Buchhandels und der vielfältigen Inhalte. Nicht zuletzt als Reaktion auf diese Gefahr wurde zum Auftakt der Messe die Kampagne Vorsicht Buch eingeläutet, eine Kampagne für Bücher und den Buchhändler vor Ort. Denn Bücher können die Welt verändern, sie bilden und informieren, so Honnefelder. Und eben das soll an die Leute herangetragen werden.

Die Messe und ihre Preisträger

Umringt von Autogrammjägern: David Wagner, Träger des Leipziger Buchpreises 2013; Foto: Gesa HusemannInformieren, das tut auch das Buch von Klaus Michael Bogdal, Europa erfindet die Zigeuner. Eine Geschichte von Faszination und Verachtung, das am Tag der Eröffnung mit dem Buchpreis zur europäischen Verständigung ausgezeichnet wurde. Feridun Zaimoglu hielt die Laudatio, die gewohnt feurig-energetisch, leidenschaftlich, bildhaft war. Die Wertschätzung der Laudatio drückte der sichtlich gerührte Bogdal mit einer zugeworfenen Kusshand aus. Doch auch andere Autoren wurden im Verlauf der Messe zu Preisträgern gekürt. Zum Beispiel David Wagner, der für sein Buch Leben den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik bekam. Auch Helmut Böttiger durfte sich über die Auszeichnung in der Kategorie Sachbuch für sein Werk über die Gruppe 47 freuen. Nie habe er vor der Fülle der Anekdoten kapituliert, bewundert Laudator Lothar Müller den Preisträger.

Leipziger Entdeckungen – mutig in die Zukunft

Julian Heun liest aus seinem Erstlingsroman „Strawberry Fields Berlin“ bei der Langen Leipziger Lesenacht in der Moritzbastei; Foto: Gesa HusemannDoch für die 168.000 Messebesucher gab es viel mehr zu entdecken. Zum Beispiel den Verlag Metrolit, der sich als Neuling mit seinem Stand unter die jungen Verlage gemischt hat. Aber was ist das für ein neuer Verlag, der sich in diesem Jahr mit 18 Neuerscheinungen optimistisch auf den Buchmarkt begibt? Thorsten Schulte, der für das Programm Sachbuch zuständig ist, formuliert es so: „Metrolit ist für mich das Brennglas, wo sich Trend und Pop, Relevanz und Entertainment bündeln.“ Metrolit zelebriert Pop und preist die Nische. Und zwar nicht nur durch die verlegten Bücher, die sich aufteilen in Belletristik, Graphic Novel, Besonderes Buch und Sachbuch. Die Bücher und die klassische Verlagsvorschau werden von einem Magazin begleitet, das 52 Seiten umfasst und auch journalistisch die Verlagsphilosophie transportiert.

„Der Russe ist einer, der deutsche Bücher liebt?“ Deutsche Literatur in Russland, Diskussion mit der Übersetzerin Maria Zorkaja, dem Kritiker Alexej Mokroussow, dem Verleger Michael Krüger, dem Präsidenten des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann und Anne-Bitt Gerecke von Litrix.de; Foto: Gesa HusemannIn der internationalen Halle 4 konnte in der Programmreihe Tranzyt. Literatur aus Polen, der Ukraine und Belarus spannenden Diskussionen beigewohnt werden, ob über Feminismus im Osten, avantgardistische Zeitschriften und Zensur oder Theatertraditionen in Polen und seinen Nachbarländern – die Bandbreite war groß. 2014 werden Polen, die Ukraine und Belarus ein letztes Mal im Fokus sein, im Folgejahr wird es dann einen neuen Programmschwerpunkt geben.

Wo liegen die Bedrohungen?

Birk Meinhardt spricht im ARD-TV-Forum mit Christine Gerberding über seinen Roman „Brüder und Schwestern“; Foto: Gesa HusemannAm Ende der Messe bleibt eigentlich nur noch eine Frage. Einigkeit herrscht über die Gefahr des Monopolisten Amazon. Und damit einhergehend über den bedenklichen Vormarsch des E-Books im Amazon-Format. Aber warum redet eigentlich niemand über Flatratemodelle? Das Startupunternehmen Skoobe bietet derzeit für Tablets und Smartphones eine Buchausleihflatrate für zehn Euro im Monat an. Ausgeliehen werden können bis zu fünf Bücher gleichzeitig, sie sind immer verfügbar, behalten kann man sie, so lange man will.

Liegt in Modellen wie diesem – vergleichbar mit Musik-Streaming-Diensten wie Spotify, Simfy oder Rdio – nicht auch eine große Gefahr für den Buchmarkt und den stationären Buchhandel? Vielleicht wird das ja das Thema der nächsten Messe.

Gesa Husemann
hat Komparatistik, Englisch und Soziologie in Göttingen und London studiert. Bis Juni 2012 leitete sie das Online-Magazin für Literaturkritik Litlog.de und arbeitet jetzt im Bereich Literatur und Übersetzungsförderung des Goethe-Instituts in München.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
April 2013

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