Messen und Festivals

Araber auf der Buchmesse

© Frankfurter Buchmesse© Frankfurter Buchmesse / Alexander Heimann
Impressionen der Frankfurter Buchmesse (Foto: Alexander Heimann © Frankfurter Buchmesse)

An riesigen Messeständen, auf Veranstaltungen, bei Preisverleihungen, in Gesprächsrunden – auf der Frankfurter Buchmesse gab es vom 8. bis 12. Oktober 2014 so einiges über das kulturelle Leben in den arabischen Ländern zu erfahren. Doch entweder waren es die Deutschen, die in dieser Richtung etwas auf die Beine stellten oder einzelne arabische Staaten im Alleingang.

Die Frankfurter Buchmesse gilt weltweit als eine der größten Messen ihrer Art. Dieses Jahr nahmen mehr als 7.000 Verlage aus über 100 Ländern an der Messe teil. Die meisten asiatischen und lateinamerikanischen Staaten waren vertreten, aber auch etliche arabische Länder.

Unattraktive Messestände

Mehrere arabische Länder hatten auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse offizielle Messestände, so zum Beispiel Ägypten, Saudi-Arabien, Katar und der Libanon. Mit insgesamt vier Ständen waren die Emirate Dubai, Abu Dhabi und Shariqah sowie das Emirates Center for Strategic Studies and Research präsent. Die offiziellen Stände der einzelnen arabischen Teilnehmerländer befanden sich allesamt dicht beieinander in Halle 5.0 – man war sozusagen unter sich, abgesehen vom ungarischen Stand in unmittelbarer Nähe.

Die arabische Präsenz auf der Frankfurter Buchmesse war dieses Jahr vergleichsweise stark, doch leider auch ziemlich unkoordiniert. Man hatte sich weder auf ein gemeinsames Motto noch auf einen bestimmten kulturellen Aspekt geeinigt. Auch die Gestaltung der einzelnen Stände war nicht einheitlich. Von einem beeindruckenden gemeinsamen Auftritt der arabischen Fraktion konnte somit keine Rede sein.

Wie üblich fiel auch dieses Jahr der ägyptische Stand wieder durch seine unschlagbar spartanische Aufmachung auf. Bei der Dekoration des Standes hatte man sich mehr oder weniger damit begnügt, einige riesige ägyptische Flagge aufzuhängen. Auch von den ägyptischen Offiziellen, die etwas zu sagen haben, konnte ich am Stand niemanden entdecken. Selbst der Direktor der General Egyptian Book Organization (GEBO), Dr. Ahmed Megahed, der immerhin in den letzten beiden Jahren den Weg nach Frankfurt gefunden hatte, war nirgends zu sehen. Ich hatte auch den Eindruck, dass weder Ägypten noch eines der anderen arabischen Länder dieses Jahr irgendwelche Intellektuellen zur Messe nach Frankfurt geschickt hatte. Überall war nur Messestandpersonal zu sehen.

Am offiziellen ägyptischen Stand wurden schwerpunktmäßig die Bücher zweier Regierungsorganisationen, nämlich der GEBO und der GEOCP (General Organisation for Cultural Palaces), vorgestellt. Auf Einladung der Veranstalter waren allerdings zahlreiche kleinere Verlage aus der so genannten Dritten Welt nach Frankfurt gekommen, darunter auch der Al-Ahram-Verlag und der Sefsafa-Verlag aus Ägypten, die an ihren Messeständen unweit der „arabischen Enklave“ nicht nur ihr eigenes Verlagsprogramm, sondern auch einige bei anderen ägyptischen Verlagen erschienene Titel präsentierten.

Im Vergleich zu den offiziellen Messeständen der Länder Iran oder Indonesien (dem Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2015) nahmen sich Größe und Dekoration der arabischen Stände ziemlich bescheiden aus. Selbst mit den Ständen einiger Verlage aus Europa und Amerika konnte man nicht mithalten.

Messestand Indonesien 2015 (Fotos: Alexander Heimann © Frankfurter Buchmesse)

Die diversen staatlichen Stände der arabischen Länder konzentrierten sich in erster Linie darauf, Werbung für ihr Land zu machen. Das kulturelle Leben in der arabischen Region geriet darüber meistens ins Hintertreffen, abgesehen von vereinzelten Veranstaltungen eines bestimmten Emirats oder einer bestimmten Organisation.

Unterm Strich bin ich der Ansicht, dass die arabischen Staaten ihr Auftreten auf der Messe zumindest besser miteinander absprechen sollten. Den ägyptischen Stand müsste man mit mehr Engagement attraktiver gestalten, damit er auch etwas bringt, oder lieber ganz auf ihn verzichten, anstatt unnütz Geld für ihn zu investieren.

Veranstaltungen und Preisverleihungen

Sieht man von den staatlichen arabischen Ständen einmal ab, so gab es auf der Messe dennoch etliche Veranstaltungen, die bestimmte Facetten des kulturellen Lebens in den arabischen Ländern beleuchteten, so zum Beispiel die Auszeichnung der Autorin Raja Alem, die Präsentation der Ergebnisse der Schreibwerkstatt Cairo Short Stories oder eine Gesprächsrunde über die Rolle des Islam in Hinblick auf den demokratischen Wandel.

Bei dieser Gesprächsrunde am 9. Oktober 2014, die unter dem Motto Prozesse der Demokratisierung in der islamischen Welt: Indonesien und Ägypten stand, ging es unter anderem um die aktuellen politischen Entwicklungen in Ägypten, um die Entwicklungen in Bezug auf die Rolle des Islam im allgemeinen, sowie um die Rolle der islamischen Kultur, der islamisch geprägten politischen Gruppierungen und der Azhar-Universität im politischen Leben Ägyptens seit Ausbruch der Revolution im Februar 2011.

An dem Expertengespräch, zu der das Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung eingeladen hatte, nahmen unter anderem der Chefredakteur der Kulturzeitschrift Fikrun wa Fann, Stefan Weidner, und Prof. Luthfi Assyankanie aus Indonesien teil.

Ebenfalls am 9. Oktober 2014 gab die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V. (litprom) die Ergebnisse des Kurzgeschichtenwettbewerbs bekannt, der im Rahmen der Schreibwerkstatt „Cairo Short Stories“ stattgefunden hatte, einem unter Beteiligung des Goethe-Instituts Kairo und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) organisierten Projekt. Bei der Bekanntgabe anwesend waren neben der jungen ägyptischen Autorin Areeg Gamal, die mit ihrer Kurzgeschichte ṭanīn (arabisch, wörtlich: ‚Klingeln‘) als Siegerin aus dem Schreibwettbewerb unter den elf Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Schreibwerkstatt in Kairo hervorgegangen war, auch ihre beiden Kolleginnen Nahla Karam und Asmaa El-Sheikh, die jeweils Platz zwei und drei belegt hatten. Die Organisatoren des Projekts ließen in diesem Zusammenhang verlauten, dass der Sefsafa-Verlag in Kürze einen Kurzgeschichtenband mit allen Beiträgen der Schreibwerkstatt herausgeben werde.

Am Freitag, den 10. Oktober 2014, sprachen die drei Nachwuchsautorinnen dann auf einer weiteren Veranstaltung über ihre persönlichen Erfahrungen während der Schreibwerkstatt. Nahla Karam erläuterte, sie habe in Bezug auf ihre Schreibtechnik sehr viel in der Schreibwerkstatt dazugelernt. Insbesondere die Wichtigkeit von Stringenz und Dichte habe ihr der Leiter der Werkstatt, der deutsch-irakische Autor Abbas Khider, auf eindrückliche Weise klar gemacht.

Am Samstag, den 11. Oktober 2014, erfolgte dann, ebenfalls durch die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V., die Bekanntgabe der Gewinnerin des LiBeraturpreises 2014. Dieser Literaturpreis für Autorinnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika ging dieses Jahr an Raja Alem für ihren Roman ṭauqu l-ḥamām (arabisch, wörtlich: ‚Das Halsband der Tauben‘), der inzwischen auch in der deutschen Übersetzung von Hartmut Fähndrich beim Unionsverlag Zürich erschienen ist.

Egozentrismus

Obwohl dieses Jahr vergleichsweise wenige arabische Verleger in Eigenregie zur Frankfurter Buchmesse angereist waren, scharte sich die Mehrzahl von ihnen um die Stände der Golfstaaten, was gut zum Auftreten dieser Staaten passte, die die Messe offenbar als Plattform ansahen, ihre Länder der Öffentlichkeit zu präsentieren. Eine rühmliche Ausnahme stellte das Emirat Shariqah dar, das für die internationale Fachwelt mit einer Fülle von Informationsmaterial auf Englisch aufwarten konnte, insbesondere über ein Projekt zur Förderung von Übersetzungen ins Arabische und aus dem Arabischen, sowie mit Angeboten zur Teilnahme an der Buchmesse in Shariqah und am damit verbundenen Expertentreffen.

Alles in allem schienen die staatlichen arabischen Stände jedoch ein Paradebeispiel für den Egozentrismus ihrer Regierungen und Regierungs­organi­sationen abzugeben. Von Kooperations­bereit­schaft und Offenheit für andere Kulturen kaum eine Spur, ebenso wenig von Gelegenheiten für private Verlage aus der lokalen Szene, sich auf der Messe zu präsentieren, so wie es etwa bei den großen Kultur­nationen Spanien und Brasilien oder den entsprechend kleineren, wie zum Beispiel Tschechien, üblich ist.

Die Ankündigung, dass Ägypten im kommenden Jahr auf der Prager Buchmesse, der wichtigsten ihrer Art in Tschechien, als Ehrengast eingeladen sei, rief auf offizieller ägyptischer Seite in Frankfurt scheinbar kein großes Interesse hervor. Am Messestand fand man jedenfalls keine entsprechenden Hinweise. Dafür aber Bücher des 2012 verstorbenen Schriftstellers und Ex-Kulturministers Tharwat Okasha.

Sefsafa

Zum dritten Mal in Folge war der Sefsafa-Verlag aus Ägypten auf Einladung der Veranstalter nach Frankfurt gekommen. Der Verlag wollte dieses Jahr vor allem seine Kontakte zu Verlegern und Kulturorganisationen aus aller Welt intensivieren, aber auch Rechte an Neuerscheinungen aus Europa erwerben und sich auf die Suche nach interessanten Titeln von Autoren begeben, die – wie man es bei Sefsafa nennt – in „exotischen“ Sprachen schreiben, also nicht auf Englisch, Französisch oder Spanisch.

Darüber hinaus präsentierte der Sefsafa-Verlag nicht nur arabische Literatur anderer Verlage, indem er den Verlegern und Agenten auf der Messe, die sich für Literatur aus der Dritten Welt interessieren, mehrere neue Romane auf Arabisch vorstellte, sondern vor allem natürlich sein eigenes Verlagsprogramm, zu dem zum Beispiel der jüngst erschienene Roman al-ḥarīm (arabisch, wörtlich: ‚Der Harem‘) von Hamdy el-Gazzar zählt.

Mohamed El Baaly
Chef des Sefsafa-Verlags

Copyright: Goethe-Institut Kairo
November 2015

Übersetzung: Andreas Bünger

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