Messen und Festivals

Dollarkurs dämpft Kauflaune

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Abdel Rahim Youssef fährt immer wieder gern zur Internationalen Buchmesse nach Kairo. Hier kann er sich alle namhaften Übersetzungen anschauen, die bei arabischen Verlagen neu erschienen sind. Betonung auf „anschauen“ – die meisten Titel seien für ihn nicht erschwinglich, so der Dichter und Übersetzer aus Alexandria.

Die arabischen Buchmessen haben in den letzten Jahren einen regelrechten Boom bei den Übersetzungen aus dem Deutschen und aus anderen Sprachen erlebt, seitdem Übersetzungen verstärkt in Auftrag gegeben werden und das arabische Lesepublikum durch das Internet und die sozialen Netzwerke nach und nach wieder Zugang zur internationalen Literaturszene bekommt.

Abdel Rahim Youssef formuliert es folgendermaßen: „Die Zahl der Übersetzungen (die auf Buchmessen in Ägypten vorgestellt werden) ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. Das National Center For Translation (in Ägypten), das Kalima-Projekt zur Förderung von Übersetzungen ins Arabische (mit Sitz in Abu Dhabi) und ähnliche Projekte haben wesentlich zu diesem Anstieg beigetragen, auch wenn die hohen Preise nach wie vor ein Problem darstellen. Ein weiterer Grund für eine derartige Vielfalt an Übersetzungen ist das wachsende Engagement unabhängiger Verleger in diesem Bereich.

Groß angelegte Projekte zur Förderung von Übersetzungen, insbesondere in den Vereinigten Arabischen Emiraten, sorgten in den vergangenen Jahren auch auf den Buchmessen in den Golfstaaten für eine spürbare Dominanz übersetzter Werke. Weil Bücher heimischer Autoren Mangelware sind, drängen zusehends Übersetzungen von Titeln aus dem Ausland auf den Markt, oder Bücher aus anderen arabischen Staaten, beispielsweise aus Ägypten oder dem Libanon.

Von einer derart auffälligen Präsenz übersetzter Werke auf regionalen Buchmessen in Ägypten, wie zum Beispiel auf der Buchmesse in Alexandria, die von staatlicher Seite, genauer gesagt von der General Egyptian Book Organization (GEBO), ausgerichtet wird, kann hingegen nicht die Rede sein.

Nach Angaben von Abdallah Shalaby, Chef des Dar Basma-Verlags fanden auf der diesjährigen Buchmesse in Alexandria Übersetzungen von Klassikern der Weltliteratur regen Zuspruch, insbesondere die Billigdrucke, zum Beispiel von Tolstois „Krieg und Frieden“. Die Verkaufszahlen seien jedoch, im Vergleich zu den Vorjahren, allgemein eher niedrig gewesen.

Mahmoud Farouk, Chef des Kitaby-Verlags, vertritt das von ihm gegründete Verlagshaus dieses Jahr bereits zum vierten Mal in Folge auf der Buchmesse in Alexandria. Er bestätigt Abdallah Shalabys Einschätzung in Bezug auf die schwache Bilanz der Messe.

In Alexandria finden jedes Jahr zwei Buchmessen statt. Vom 20. Februar bis 7. März konnte man die von der GEBO veranstaltete Messe besuchen, vom 21. März bis 3. April organisiert dann die Bibliothek von Alexandria eine weitere Buchmesse.

Die erste Messe betrachtet Abdel Rahim Youssef eher als eine Restpostenmesse der GEBO, an der noch ein paar andere Verlage teilnehmen. Vielseitiger dürfte da wohl die Buchmesse der Bibliothek Alexandria sein, weil dort mehr Verlage vertreten sind, doch einem Vergleich mit der Kairoer Buchmesse könne auch sie nicht standhalten.

Wael El-Mulla, Chef des Masr Al-Arabia-Verlags, sieht einen der Schwachpunkte der Buchmesse in Alexandria darin, dass sie unmittelbar in Anschluss an die Kairoer Messe stattfindet, auf der die Käufer ihren Bedarf bereits gedeckt haben, zumal das dortige Angebot ja wesentlich größer sei.

Die meisten ägyptischen Verlage, so Wael El-Mulla weiter, seien von der Kairoer Messe noch völlig erschöpft oder schon mit den Vorbereitungen für andere Buchmessen im arabischsprachigen Raum beschäftigt und deshalb nur vereinzelt an einer Teilnahme in Alexandria interessiert.

Mahmoud Farouk zufolge haben sich dieses Jahr bestimmte Unsicherheitsfaktoren ungünstig auf die Zahl der verkauften Bücher und insbesondere auf die Zahl der übersetzten Titel ausgewirkt. Zum einen erhielt die Kauflust durch die unsicheren Wirtschaftsprognosen einen Dämpfer, zum anderen aber auch durch den schlechten Dollarkurs und die damit verbundenen Erhöhungen bei den Importpreisen für Papier und Druckerschwärze.

Farouk führt die hohen Preise für übersetzte Bücher konkret darauf zurück, dass in der Regel die Kosten sowohl für importierte Bücher als auch für im Inland produzierte Übersetzungen (zum Beispiel beim Erwerb der hierfür erforderlichen Rechte) größtenteils in Dollar beglichen werden.

Eine Vorreiterrolle bei der Übersetzung literarischer und geisteswissenschaftlicher Titel aus aller Welt schreibt man dem Verlagswesen im Libanon zu. Einige der in Beirut ansässigen Verlagshäuser, wie zum Beispiel der Al-Jamal-Verlag, haben sich hierbei auf Werke deutscher Autoren spezialisiert. In Halle 19 der Kairoer Buchmesse ist eine exklusive Ansammlung von Verlagen aus dem Libanon, aber auch aus anderen arabischen Ländern anzutreffen.

Wie ich aus Verlegerkreisen erfuhr, habe es sich auch auf der Kairoer Buchmesse negativ bemerkbar gemacht, dass das Ägyptische Pfund gegenüber dem US-Dollar momentan so niedrig notiert.

In der ersten Märzwoche kletterte der Dollar auf dem ägyptischen Devisenmarkt auf über neun Pfund, während er bei der Ägyptischen Zentralbank einigermaßen kontinuierlich mit 7,80 Pfund gehandelt wird.

Der Tanweer-Verlag aus dem Libanon hat zwar eine Zweigstelle in Ägypten, legt aber auch dort die Preise für seine Bücher in US-Dollar fest. Der Verlag teilte mit, dass Übersetzungen einen Löwenanteil am Umsatz von Tanweer auf der Internationalen Buchmesse Kairo und auf anderen Buchmessen im arabischsprachigen Raum ausmachen, dass jedoch der ungünstige Dollarkurs dieses Jahr in Kairo deutlich spürbar gewesen sei.

Alles in allem bleibt die Dominanz der Übersetzungen auf den diversen arabischen Buchmessen bestehen. Angeboten werden dort zum einen international bekannte Erfolgsautoren wie die Türkin Elif Shafak oder der Brasilianer Paulo Coelho. Zum anderen kommt ein allgemein gesteigertes Interesse an übersetzten Werken im arabischsprachigen Raum hinzu.

Abdel Rahim Youssef, der Dichter und Übersetzer aus Alexandria, spricht von einer Art „übersetzerischer Aufbruchstimmung“, was sowohl für die Übersetzungen selbst als auch für die Verlage und die öffentliche Diskussion gelte. Von einer Übersetzungsrenaissance könne allerdings nicht die Rede sein – zumindest noch nicht.

Mohamed El-Baaly
ist Autor, Kulturmanager und Chef des Kairoer Verlagshauses Dar Sefsafa

Copyright: Goethe-Institut Kairo
März 2016

Übersetzung: Andreas Bünger

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