Arabische Verleger

„Ich liebe die Frankfurter Buchmesse!“

Rania Zaghir © privatRania Zaghir © Rania Zaghir
Rania Zaghir startete ihre Karriere als Kinderbuchautorin und gründete im Jahr 2007 ihren eigenen Kinderbuchverlag Al Khayyat al Saghir (arabisch, wörtlich: ‚Der kleine Schneider‘). (Foto: privat)

Rania Zaghir hat einen Bachelorabschluss in Theaterwissenschaft und einen Masterabschluss in Pädagogischer Psychologie. Sie gründete 2007 ihren eigenen Kinderbuchverlag in Beirut. 2013 besuchte sie, auf Einladung des Goethe-Instituts, die Frankfurter Buchmesse. Im Gespräch berichtet sie uns über ihre Eindrücke in Deutschland, die Herausforderungen und Perspektiven der arabischen Verlegerszene und ihre ganz persönliche Ansprüche an ein gutes Kinderbuch.

Rania, Sie haben im Jahr 2007 Al Khayyat al Saghir gegründet. Was hat Sie dazu veranlasst?

Ich wollte einfach unabhängiger sein. Als Leiterin eines Verlags kann ich nicht nur über Autoren, sondern auch über Illustratoren, den Druck und die Finanzen selbst entscheiden. Ich nehme mir die Freiheit, nicht mehr als zwei Bücher im Jahr zu veröffentlichen.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für einen Kinderbuchverlag im Libanon?

Natürlich wäre es ein großer Vorteil, wenn wir staatlich unterstützt würden. Weitaus problematischer finde ich allerdings, dass viele Libanesen ein sehr ungesundes Verhältnis zu Büchern haben. Bücher werden in vielen Fällen nur als Mittel zum Lernen verstanden. Kinder im Libanon denken beim Wort „Buch“ sofort an Schule und Unterricht, nicht an Spaß.

Forum Jugendbuch; Foto: Alexander Heimann © Frankfurter Buchmesse

Forum Jugendbuch (Foto: Alexander Heimann © Frankfurter Buchmesse)

Um den Kindern den Spaß am Lesen zurückzugeben, habe ich Libraries of Hope, ein Projekt zur Leseförderung, entwickelt. Das Projekt richtet sich vor allem an die Kinder, die kaum Zugang zu Büchern haben – zurzeit sind das vor allem syrische Flüchtlingskinder, für die und mit denen ich lese.

Rania, Sie sind vom Goethe-Institut eingeladen worden, die Frankfurter Buchmesse 2013 zu besuchen. Wie würden Sie die Messe beschreiben? Und wie sind Ihre Eindrücke von der deutschen Verlegerszene?

Ich bin dem Goethe-Institut für die Einladung sehr dankbar, denn die Frankfurter Buchmesse ist fantastisch. Für mich bietet die Messe jedes Mal etwas Neues und Aufregendes. Und die deutsche Verlegerszene? Bitte lachen Sie nicht, aber ich würde die Arbeit der Verlage in Deutschland mit der Konstruktion eines Autos vergleichen: möchte ein Verleger ein Buch herausbringen, wird dieses Stück für Stück zusammengesetzt, nichts wird dem Zufall überlassen. Das ist hier bei uns ein wenig anders! Was mir bei deutschen Verlagen allerdings ein wenig fehlt, ist die Aufgeschlossenheit: es ist sehr schwer, arabische Kinderbücher in Deutschland übersetzen und verlegen zu lassen. Dabei bilden gerade Kinderbücher eine Brücke, die Vorurteile zwischen den Kulturen abbaut.

Sie kennen sich in der arabischen Verlegerszene sehr gut aus. Kann man überhaupt von einer Verlegerszene sprechen?

Nein, auf keinen Fall. Ägypten hat zum Beispiel sehr etablierte Verlagshäuser mit einer langen Tradition. Diese Häuser achten sehr auf Qualität und Wertigkeit ihrer Veröffentlichungen. Die Zukunft des Verlagswesens sehe ich aber definitiv am Golf. Staatliche Unterstützung, finanzielle Subvention und tolle Initiativen zur Leseförderung machen die Vereinigten Emirate wirklich zu einem Vorreiter.

Hot Spot Mobile 2012; Foto: Alexander Heimann © Frankfurter Buchmesse

Hot Spot Mobile (Foto: Alexander Heimann © Frankfurter Buchmesse)

Zurzeit wird sehr viel über E-Bücher und digitale Medien diskutiert. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Trend?

Ich habe selbst schon zwei meiner Bücher als apps veröffentlicht, eins bei einem kanadischen, eines bei einem koreanischen Unternehmen. Sind wir doch mal ehrlich: wir können unseren Kindern den Computer nicht verbieten. Was wir aber tun können, ist ihnen sinnvolle Alternativen zu den üblichen Spielen anzubieten.

Rania, haben Sie eigentlich noch andere Projekte als Ihren Verlag und Leseförderung?

In der Tat, ja! Alle zwei Jahre organisiere ich eine internationale Konferenz für Autoren, Illustratoren und Verleger. Schwerpunkt im Jahr 2012 war zum Beispiel Politik in Kinderbüchern – ein gerade hier in der Region heiß diskutiertes Thema.

Eine abschließende Frage: Was ist Ihr Lieblingsbuch?

Rania Zaghir lacht: Ein Lieblingsbuch? Das geht nicht! Ich bin ein großer Fan von Shel Silversteins Büchern. Außerdem liebe ich Pippi Langstrumpf. Mein arabisches Lieblingsbuch ist definitiv Qissat al Kūsa (arabisch, wörtlich: ‚Die Zucchini-Geschichte‘) und mein deutsches Lieblingsbuch ist Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat. Für mich darf eine Geschichte nicht todernst sein – der Spaß am Lesen ist das Wichtigste!

Vielen Dank für das Gespräch, Rania.

Ruth Hartmann
führte das Gespräch. Sie leitet die Informations- und Bibliotheksarbeit am Goethe-Institut Beirut.

Copyright: Goethe-Institut Libanon
März 2014

Übersetzung: Ruth Hartmann

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Mail Symbolruth.hartmann@beirut.goethe.org

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