Verlagsszene Arabische Welt

„2.000 verkaufte Exemplare machen ein Buch zu einem Bestseller!“

Foto: Alexander Heimann © Frankfurter BuchmesseImpressionen von der Frankfurter Buchmesse | Foto: Alexander Heimann © Frankfurter Buchmesse
Was sind die Herausforderungen bei der Übersetzung von Büchern für den arabischen Markt? Wie soll man mit Copyright-Verletzungen und Produktpiraterie umgehen? Und wie sieht die Zukunft des arabischen Verlagswesens aus? Wir sprechen mit Yasmine Hajjar darüber.

Yasmine Hajjar hat einen Abschluss in englischer Literatur der American University in Beirut und arbeitet als Copyrights Coordinator bei dem libanesischen Verlagshaus All Prints Distributors & Publishers. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Koordination des Übersetzungsprozesses und der Lizenzvergabe ausländischer Werke.

Yasmine, geben Sie uns doch einen Einblick, welche Phasen durchläuft die Übersetzung eines Buches?

Erster Schritt ist natürlich immer, sich die Rechte für eine Übersetzung zu sichern. Nächster Schritt ist dann die Wahl des passenden Übersetzers. Nicht jeder Übersetzer ist für jedes Buch geeignet: es geht ja nicht nur um das Übersetzen von Wörtern – vielmehr muss die Aussage und die Stimmung des Buches eingefangen werden. Sobald das Buch in einer ersten Übersetzung vorliegt, folgt die sprachliche Korrektur: Gibt es Fehler? Versteht jemand den Text, auch wenn er das Original nicht kennt? In der zweiten Korrekturphase achten wir auf die Feinheiten: Sind alles Hamzas korrekt gesetzt? Wie optimiert man das Schriftbild für das Layout?

Rights Directors Meeting auf der Frankfurter Buchmesse | Foto: Bernd Hartung © Frankfurter Buchmesse

Rights Directors Meeting auf der Frankfurter Buchmesse | Foto: Bernd Hartung © Frankfurter Buchmesse

Yasmine, Ihre Hauptaufgabe ist die eines Copyrights Coordinators. Was können wir uns darunter vorstellen? Und in welchen Bereichen sind Sie besonders aktiv?

Sie müssen sich vorstellen, dass 2.000 verkaufte Exemplare ein Buch zu einem Bestseller machen – und dass bei einem Markt, der von Marokko bis in den Irak reicht. Nur sehr weniger Werke erreichen höhere Auflagen. Verständlich, dass uns Copyright-Verstöße und Piraterie daher besonders hart treffen. Ich sehe das Hauptproblem darin, dass die meisten wenig über die an sich strengen Regelungen zum Thema Produktschutz wissen. Wie auch? Es gibt keine detaillierte Literatur zu diesem Thema auf Arabisch. Nichtsdestotrotz muss ich bei Verstößen natürlich auch einschreiten. Das kann die Beschlagnahme von illegalen Buchkopien sein, oder auch rechtliche Schritte gegen eine Webseite, von der man unsere Bücher kostenlos – und illegal – herunterladen kann.

Allerdings stellt uns gerade der Trend hin zu elektronischen Medien vor immer neue Herausforderungen im Copyright-Schutz. Ich plane jetzt, soziale Netzwerke zu nutzen, um die Thematik an die Öffentlichkeit zu bringen und zu diskutieren.

E-Books | Foto: Alexander Heimann © Frankfurter Buchmesse

E-Books | Foto: Alexander Heimann © Frankfurter Buchmesse

Womit wir beim nächsten Thema sind. Wo sehen Sie die Zukunft des Verlagswesens?

Wir müssen uns auf jeden Fall den elektronischen Medien und E-Büchern mehr öffnen – hier sehe ich die Zukunft. Auf der anderen Seite: Gedruckte Bücher werden niemals sterben. Meiner Meinung nach vermittelt nur ein gedrucktes Buch eine Geschichte in all ihren Facetten. Außerdem: Können Sie sich vorstellen, einen Tag am Strand ohne ein Buch oder eine Zeitschrift zu verbringen? Ich nicht! Gedruckte Bücher werden auch weiterhin nachgefragt, da bin ich mir sicher.

Yasmine, Sie waren als einer der Stipendiaten des Goethe-Instituts auf der Frankfurter Buchmesse 2013. Schildern Sie uns doch Ihre Eindrücke!

Ich hoffe wirklich, dass wir in Beirut auch irgendwann einmal eine so tolle Buchmesse haben! Ich war total beeindruckt, wie professionell sich die Verlagshäuser dort präsentiert haben – sie verstehen ihr Handwerk und sind mit Begeisterung bei der Sache. Bücher haben einfach einen sehr hohen kulturellen Stellenwert dort. Aus Gesprächen mit Verlegern heraus ist mir auch klar geworden, dass das Ausbildungssystem in Deutschland Nachwuchsverleger auch ganz anders fördert als bei uns.

Eine letzte Frage: Verraten Sie uns, was Ihr Lieblingsbuch ist?

Da muss ich nicht überlegen, auf jeden Fall The Giver ¹ von Lois Lowry. Ich weiß, ein Jugendbuch, aber seit ich es zum ersten Mal gelesen habe, fasziniert mich die Hauptaussage des Textes, „Nur wenn du deinen eigenen Weg findest und dich nicht fremdbestimmen lässt, wirst du dich selbst entdecken.“ Mein persönliches Mantra.

Danke für das Interview, Yasmine!

¹ auf Deutsch: Hüter der Erinnerung, erschienen bei dtv Junior

Ruth Hartmann
führte das Gespräch. Sie leitet die Informations- und Bibliotheksarbeit am Goethe-Institut Beirut.

Copyright: Goethe-Institut Libanon
April 2014

Übersetzung: Ruth Hartmann

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Mail Symbolruth.hartmann@beirut.goethe.org

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