Verlagsszene Arabische Welt

E-Books als rentable Perspektive?

Foto: Nadine Doerlé/pixabay.com (CC0 1.0)Kinder lesen | Foto: Nadine Doerlé/pixabay.com (CC0 1.0)

Nachdem sich die digitale Technologie in den letzten zehn Jahren rasant entwickelt hat, haben sich E-Books einen festen Platz auf der Agenda der arabischen Verlage verschafft und sind zu einem der Hauptthemen geworden, über die Verleger sprechen und diskutieren. Viele Verlage bieten inzwischen ihre Titel sowohl im Print-Format als auch in elektronischer Form an, um neue Lesergruppen zu erreichen, in deren Leben digitale Technologie eine zentrale Rolle spielt.

Auf der diesjährigen Buchmesse in Abu Dhabi war ein deutliches Interesse an E-Books und an Anbietern feststellbar, die Inhalte in elektronischer Form entwickeln und verfügbar machen. Ashraf Shahin, Chef des Al Borj Media-Verlags aus den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Schwerpunkt Kinder­literatur, räumt dem E-Publishing aktuell und für die Zukunft oberste Priorität ein, da bei den Print-Titeln die Verkaufszahlen sinken und sich viele Leser, insbesondere in den Emiraten, immer öfter für E-Books entscheiden.

„Vor allem Kinder“, so Ashraf Shahin, „benutzen jetzt E-Books. Deshalb verkaufen wir interaktive Bücher derzeit am besten, denn sie ermöglichen den Kindern, mit allen Sinnen spielerisch zu lesen, zu lernen und zu interagieren, indem sie sich über die Tastatur oder per Mausklick, mithilfe von Farben und Symbolen, Inhalte erschließen. Außerdem ist ein Dialogsystem integriert und auch die auditiven Fähigkeiten können durch entsprechende Effekte trainiert werden.“

Auch wenn Verlage auf diese Art versuchen, in die Welt des E-Publishings vorzustoßen, so erwarten sie dort nach wie vor zahlreiche Herausforderungen, allen voran der – im Vergleich zu den gedruckten Titeln – ziemlich kleine Markt für E-Books, gefolgt von der Tatsache, dass in vielen Verlagen traditionelle Verwaltungs- und Betriebsstrukturen herrschen, an denen die Digitalisierung bislang weitgehend spurlos vorübergegangen ist, sodass sie nur langsam und unzureichend auf die veränderte Situation auf dem Markt reagieren können. Zudem bereitet die Angst vor Raubkopien Probleme.

Abdallah Riadh, Verkaufsleiter beim 1985 gegründeten marokkanischen Toubkal-Verlag, einem der derzeit größten Verlagshäuser im arabisch­sprachigen Raum, sagt dazu: „Toubkal hat von Anfang an versucht, nicht nur Bücher herauszubringen, sondern das Verlagswesen und die Kulturindustrie ganz allgemein vorwärts zu bringen. Es wurde deshalb stets darauf geachtet, Methoden zu entwickeln, die für die Verlagstätigkeit, den Vertrieb und die entsprechende Werbung förderlich sind. Was das E-Publishing anbelangt, so arbeitet der Verlag mit der Firma Al-Manhal aus Jordanien zusammen, die sich auf die Digitalisierung von Print-Titeln spezialisiert hat, um sie in elektro­nischer Form an öffentliche Bibliotheken, Universitäten und Forschungs­zentren zu verkaufen.“

Das Verlagsprogramm des Toubkal-Verlags umfasst neben Literatur, Kritiken und Geschichte auch die Themenbereiche Philosophie und Soziologie. 2015 gewann der Verlag auf der Buchmesse in Abu Dhabi den Zayed-Award in der Rubrik „Publishing & Technology“. Über die Pläne für die nächste Zeit sagt Abdallah Riadh, man werde weiter auf Fachbücher bauen, außerdem werde es sechs übersetzte Titel geben sowie fünf Neuauflagen von älteren Titeln, ferner etliche Neuerscheinungen aus den Bereichen Belletristik, Philosophie, Geisteswissenschaften, Kino, Ratgeberliteratur, Psychologie und kreatives Gestalten, wobei im kommenden Jahr verstärkt E-Book-Projekte vorangetrieben werden sollen.

Auf der anderen Seite versuchen etliche Firmen, die E-Books entwickeln und auf den Markt bringen, die Verlage zur Zusammenarbeit zu ermutigen, um den Markt für E-Books auszubauen. Als einer der wichtigsten Akteure in diesem Bereich gilt die jordanische Firma Yaqut, die 2015 eine gleichnamige App herausgebracht hat, mit der sich Print-Titel als E-Book aufs Smartphone laden lassen. Doha Al Refaee, leitende Verlegerin bei Yaqut, sagt dazu: „Eine der größten Herausforderungen beim E-Publishing ist die Tatsache, dass die Leser nicht verstehen, was ein E-Book alles kann. Der arabische Leser glaubt bis zum heutigen Tag, dass ein Buch im PDF-Format ein E-Book sei. Schriftgröße, Schriftart und Schriftfarbe sind Dinge, die man, den Wünschen des Lesers entsprechend, verändern kann. Eine weitere Herausforderung hängt mit den Verlagen zusammen, die denken, wir würden das Buch an den Leser verkaufen und der kann es dann beliebig weitergeben oder gar verkaufen.“

Man verwende, so Doha Al Refaee weiter, bei Yaqut modernste Technologie, die im internationalen Vergleich Produkten wie beispielsweise dem „Kindle“ an Fortschrittlichkeit um nichts nachsteht. Dadurch könne man Autoren und Verlegern den Schutz ihrer Urheberrechte gewährleisten und ihnen helfen, eine größtmögliche Zahl an Lesern zu erreichen, was ihnen, jedes Mal wenn ihre Werke heruntergeladen werden, zusätzliche Einkünfte sichert, die vom betreffenden Dienstleister garantiert gezahlt werden, unabhängig davon, dass einige Titel gratis angeboten werden, andere hingegen kostenpflichtig, je nach Wunsch des Verlegers.

Über die Pläne und Projekte der Firma für die nächste Zeit sagt Doha Al Refaee: „Wir verfolgen drei Hauptziele. Erstens wollen wir mit den derzeit größten Verlagen ins Geschäft kommen. Zweitens wollen wir Kontakt mit den Autoren aufnehmen, um sie zu ermutigen, die Funktionsweise und die Vorzüge von E-Books kennenzulernen. Drittens wollen wir das elektronisch verfügbare Sortiment von Yaqut erneuern, verbessern und ausbauen, ebenso soll die App an sich verbessert werde, um dem Benutzer zu noch mehr Lesegenuss zu verhelfen.“

Islam Anwar
ist freiberuflicher Journalist in Ägypten.

Copyright: Goethe-Institut Kairo
Juni 2017

Übersetzung: Andreas Bünger

Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
online-redaktion@cairo.goethe.org

    kutub:na

    Neue Bücher für die arabische Welt

    RSS-Feed

    Abonnieren Sie unseren Feed, damit Sie immer über neue Beiträge informiert sind.