Dossier: Übersetzen

Übersetzerwerkstatt in Kairo

Foto: Mohamed Samaha © Goethe-Institut KairoÜbersetzerwerkstatt mit Christoph Peters in Kairo; Foto: Mohamed Samaha © Goethe-Institut Kairo

Übersetzung ist Faszination und Herausforderung. Sie gibt Einblick in neue Welten und verbindet Kulturen. Gemeinsam arbeiten Übersetzer mit dem Autor Christoph Peters an ausgewählten Kurzgeschichten.

Mit dem Autor Christoph Peters fand vom 26. Mai bis zum 6. Juni 2013 eine Übersetzerwerkstatt am Goethe-Institut Kairo statt. Zehn Übersetzer aus Ägypten haben teilgenommen. Mit einer Ausnahme sind sie Dozenten und Assistenten an den Sprachabteilungen der Ain-Shams-Universität, der Kairo-Universität, der Helwan-Universität und der Al-Azhar-Universität in Kairo.

Sie alle verbindet die Arbeit mit der arabischen und deutschen Sprache, die ihr Handwerkszeug ist. Im Rahmen der Werkstatt übersetzten die Teilnehmenden ausgewählte Kurzgeschichten von Christoph Peters und kamen mit dem Autor und miteinander zu den verschiedenen Schwierigkeiten der Texte in Dialog. Sie führten Diskussionen zur Übersetzung einzelner Worte und hinterfragten Wörter und Passagen. Christoph Peters hatte ein offenes Ohr für alle Fragen und war um Antworten nicht verlegen, erzählte und gab so den Übersetzern wertvolle Einblicke in sein Denken und Verstehen.

Christoph Peters; Foto: Mohamed Samaha © Goethe-Institut KairoChristoph Peters, der in den 1990er Jahren sein Romandebüt mit Stadt, Land, Fluß hatte, lebt und arbeitet heute in Berlin. Doch ebenso wie in Berlin ist er in Kairo zuhause. Stadt, Land und Menschen ist er seit seinem ersten Besuch vor 20 Jahren eng verbunden. Die Spaziergänge durch die Stadt, die Gespräche beim Tee, über den Glauben, die Frauen, den Westen und Osten, sowie die Besuche in Moscheen, deren Weite so unendlich scheint, prägen seine Geschichten und haben ihn zur intensiven Auseinandersetzungen mit seinem Leben geführt.

Sprache als Bindeglied

Literatur ist eine besondere Herausforderung für Übersetzer, da sie im Kontext einer Sprache und Kultur entstanden ist. So begreift Ibrahim Elkott „Übersetzung als einen Weg der Annährung zwischen beiden Sprachen, beiden Kulturen und als Mittel für den Austausch“. Besonders die Übersetzung vom Deutschen ins Arabische sei nicht immer leicht aufgrund der verschiedenen Sprachfamilien.

„Gerade die große Herausforderung macht es für mich umso spannender. Übersetzung ist ein Gehirntraining“, sagt Sally Gomaa und beschreibt die intensive Arbeit an einem Text und die verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten als Weg zu den „Geheimnissen der Sprache“.

Als Übersetzerin und arabische Muttersprachlerin, die mit Deutsch als zweiter Sprache aufgewachsen ist, sieht sich Heba Shalaby in der Position „die verschiedenen Welten zusammenzubringen und dabei die Grenzen zwischen Menschen und Kulturen abzuschaffen.“ Durch ihr Aufwachsen an der Schnittstelle zwischen zwei Sprachen – somit auch zwei Kulturen – verspürt sie einen „Drang, dem Arabisch sprechenden Publikum die vielleicht noch fremde Kultur zugänglich zu machen.“

Wissenschaft und Beruf

Bei der Übersetzungsarbeit; Foto: Mohamed Samaha © Goethe-Institut KairoSprache und Übersetzung lassen sich schlicht auch als Wissenschaft und Beruf betrachten sowie als Instrument der Kommunikation, zur Vermittlung von Information. Ein Beruf, der den eigenen Wissenshorizont erweitert und einen Übersetzer nicht „Fachidioten“ bleiben lässt, denn vielmehr gilt es sich in die verschiedenen Fach- und Lebensbereiche einzuarbeiten, um einen Text inhaltlich richtig und sprachlich schön zu übersetzen.

„Beim Übersetzen läuft in meinem Kopf ein hochkomplizierter Prozess ab, um die vielfältigen Elemente eines literarischen Textes in die eigene Sprache und Kultur zu übersetzen“, sagt Amira Amin. Zuerst heißt es den Originaltext zu verstehen und dann mit den stilistischen Mitteln der Zielsprache wiederzugeben.

„Es ist der einzigartige Versuch einen Text in die Zielsprache so zu übertragen, dass er denselben Sinn wiedergibt, denselben Klang hat und dieselben Eindrücke erweckt wie das Original“, so beschreibt Heba Schalaby ihre Faszination und Herausforderung. Es gehe nicht darum die Wörter anhand ihrer lexikalischen Bedeutungen zu übersetzen, ohne Rücksicht auf den mehrseitigen Kontext von Ausgangs- und Zielsprache, denn so könne der Sinn des Wortes und damit des gesamten Textes verloren gehen.

Nicht zuletzt ist „Sprache das Mittel zum Denken, zur Meinungsäußerung, Dialogführung und zur Vorbereitung, Begründung und Verteidigung von Entscheidungen“ und so wird „diese Beziehung zwischen dem Menschen als Schöpfer der Sprache und der Sprache als beeinflussendes und beeinflusstes Wesen dazu genutzt, die menschlichen Gedanken, Gefühle und Handlungen zum Ausdruck zu bringen“, sagt Amira Amin.

Übersetzung als Dialog

Zum Abschluss der Übersetzerwerkstatt; Foto: Mohamed Samaha © Goethe-Institut Kairo

Gruppenbild zum Abschluss der Übersetzerwerkstatt (von links): Moataz Mohamed El Maghawry, Inas Salah, Amany Shimy Mahmoud, Sally Gomaa, Dr. Heba Fathy, Christoph Peters, Dr. Ola Adel Abdel Gawad, Amira Amin, Heba Shalaby und Ibrahim Elkott. (Foto: Mohamed Samaha)

Bei der Übersetzung der Kurzgeschichten ist den Teilnehmenden einmal mehr die Herausforderung deutlich geworden, die es gilt zu meistern. Christoph Peters Geschichten leben von einer tiefen, hintergründigen und oft sehr vollen Sprache. Einzelne Wörter können völlig neue Welten eröffnen. Nicht unbegründet ruft Ibrahim Elkott ins Gedächtnis zurück, dass „Deutschland das Land der Dichter und Denker ist“.

Mit der Sprache als ihrem Handwerkszeug sind die Teilnehmenden der Übersetzerwerkstatt in einen interkulturellen Dialog und die Gedankenwelt des Autors eingetaucht. Eine Möglichkeit, die sich nicht jeden Tag bietet, oft sind die Worte losgelöst von ihrem Schreiber, und so beschreibt Inas Salah ElDin Sprache und Übersetzung zurecht „als Schlüssel zum Reich des Allen, der Fantasie und der Wirklichkeit“.

Die im Rahmen der Übersetzerwerkstatt entstandenen Übersetzungen der ausgewählten Kurzgeschichten von Christoph Peters werden als Sammlung von Mohamed El-Baaly herausgegeben und im Verlag Sefsafa erscheinen.
Copyright: Goethe-Institut Kairo
Juni 2013
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