Dossier: Übersetzen

Round-Table zu Übersetzung von Kinder- und Jugendliteratur

© Goethe-Institut LibanonRound-Table zu Übersetzung von Kinder- und Jugendliteratur; © Goethe-Institut Libanon

„Warum sind Tabu-Themen in unserer Sprache verpönt und in anderen Sprachen werden sie aber akzeptiert?“ Im Rahmen der libanesischen Lesewoche vom 23. bis zum 30. April, beteiligte sich das Goethe-Institut Libanon an einem Round-Table zur Übersetzung von Kinder- und Jugendliteratur.

Die Organisation Assabil, Friends of Public Libraries, und das Goethe-Institut Libanon hatten für die gemeinsame Veranstaltung Autoren, Übersetzer und Verleger eingeladen, um die Herausforderungen bei der Übersetzung von Kinder- und Jugendliteratur zu diskutieren.

„Eigentlich lohnt sich das Übersetzen von englischen und französischen Büchern überhaupt nicht – das Verlegen in der Fremdsprache ist viel billiger!“, so der wenig optimistische Einstieg in die Runde. Dieser These wurde aber schnell widersprochen, werden doch 90 Prozent der übersetzten Bücher außerhalb des Libanon verkauft, dort, wo der Großteil der potentiellen Kunden Literatur auf Arabisch bevorzugt.

Womit die Gesprächsrunde auch gleich bei einem zentralen Punkt ankommt. Michel Choueiri, Direktor von Librarie el Bourj, einer bekannten Beiruter Buchhandlung, betont, wie wichtig die Qualität der Übersetzung ist: „Es geht ja nicht nur um die Sprache. Eine gute Übersetzung für die arabische Welt erkennt man auch daran, dass Illustrationen eventuell angepasst und kulturelle Unterschiede zum Beispiel bei bestimmten Gesten berücksichtigt werden.“ An diesem Punkt betonen einige der Teilnehmer aber auch die Absurdität, die hinter dieser Notwendigkeit steckt: „Es ist doch wirklich widersinnig – da muss bei der arabischen Übersetzung ganz klar auf die kulturellen Unterschiede Rücksicht genommen werden. Ein Buch, das in der Originalversion auf Englisch oder Französisch bei uns erscheint, wird aber problemlos verkauft und gelesen! Warum sind Tabu-Themen in unserer Sprache verpönt und in anderen Sprachen werden sie aber akzeptiert?“

Round-Table zu Übersetzung von Kinder- und Jugendliteratur; © Goethe-Institut Libanon

Die Verlegerin Mayda Makdessi geht noch einen Schritt weiter: „Sind wir doch mal ehrlich: Jugendliche interessieren sich doch gerade für Tabu-Themen, wie die erste Liebe. Bieten wir als Verleger ihnen keine zielgruppengerechte Literatur, suchen sie im Internet. Wir alle wissen, was für Seiten es dort gibt. Ist es wirklich das, was wir wollen? Wohl kaum!“

Ein hoch brisantes Thema, das von den Teilnehmern durchaus auch kontrovers diskutiert wird. In einem Punkt sind sich Verleger, Autoren und Übersetzer aber einig: gerade im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur muss noch viel getan werden.

Ruth Hartmann
leitet die Informations- und Bibliotheksarbeit am Goethe-Institut Beirut.

Copyright: Goethe-Institut Libanon
April 2014

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