Fathy, Hebatallah

Foto: Mohammed Samaha © Goethe-Institut Kairo
Dr. Hebatallah Fathy

Geboren 1972 in Kairo – Ägypten

1992 Kairo Universität

Mail Symbolhebafathy72@hotmail.com


Stipendien und Auszeichnungen

März 2012 Deutsch-Arabischer Übersetzerpreis 2011/2012, Preisträgerin in der Kategorie „Nachwuchsübersetzer“


Wie sind Sie zum Übersetzen gekommen?
Ich bin schon sehr lange in verschiedenen Bereichen der Übersetzung tätig, weil ich beide Sprachen, Deutsch und Arabisch, auf Muttersprachenniveau beherrsche. Da ich mich hauptberuflich intensiv mit Literatur beschäftige und es auch gerne mache, gab es in den letzten Jahren hin und wieder mehrere Versuche, in die literarische Übersetzung einzusteigen. Ich denke, der Übersetzerpreis des Goethe-Instituts bedeutet für mich der richtige professionelle Einstieg in die Welt des literarischen Übersetzens. Ich hab in den vergangenen Monaten auch sehr viel gelernt über Verlage, Lektorenarbeit, thematische Interessen der Leser in beiden Kulturen – das gehört schließlich zu der Arbeit des literarischen Übersetzers ja auch alles dazu.

Woran arbeiten Sie gerade und was hat Sie an diesem Text am meisten gefangengenommen?
Im Moment schließe ich die Übersetzung des Romans Ein Zimmer im Haus des Krieges von Christoph Peters ab. Für die Auswahl des Romans war natürlich der Handlungsort Ägypten entscheidend. Mich hat aber auch sehr gereizt, dass der Autor mit diesem Buch den Versuch leistet, dem religiösen Fanatismus auf den Grund zu gehen, ohne diesen unbedingt zu rechtfertigen.

Welches Werk würden Sie gerne übersetzen und warum?
Mich interessieren grundsätzlich Werke, die einen interkulturellen Charakter haben, weil ich eine wesentliche Aufgabe des literarischen Übersetzers in der Vermittlung zwischen verschiedenen Kulturen sehe.

Wie wichtig ist Ihnen der Kontakt zum Autor? Begründen Sie!
Besonders wichtig, weil der Kontakt mit dem Autor eine ständige Revidierung von Bedeutungen und Intentionen im literarischen Text ermöglicht.

„Einer Übersetzung darf man auf keinen Fall anmerken, dass sie eine Übersetzung ist.“ – „Dem Leser einer Übersetzung muss ein bestimmtes Maß an Fremdheit zugemutet werden dürfen.“ Welcher der beiden Aussagen stimmen Sie eher zu und warum?
Eher der ersten Aussage, wenn es aber bezüglich der zweiten Aussage nur um „ein bestimmtes Maß an Fremdheit“ geht, kann ich dem auch zustimmen. Der übersetzte Text muss in der Zielsprache als literarischer Text „funktionieren“ und auch „literarischen Genuss“ bewirken. Sonst ist der Leser nicht motiviert, ein Buch zu kaufen, wo er immer daran erinnert wird, dass es übersetzt ist. Eine gelungene Übersetzung erhofft sich doch, den Erfolg des Originaltextes in einer anderen Kultur fortzusetzen.

In welchem der von Ihnen übersetzten Texte haben Sie am deutlichsten eine kulturelle Distanz verspürt?
Das waren in dem vorliegenden Roman Stellen, die historische und kulturelle Hintergründe behandeln oder anspielen, die dem arabischen Leser komplett fremd sind.

Welche sprachlichen Schwierigkeiten haben Sie beim Übersetzen schon einmal an den Rand der Verzweiflung gebracht?
Genau diese Stellen und weniger sprachliche Schwierigkeiten. Kulturelle Aspekte sind für mich besonders schwierig, weil sie Erläuterungen bedürfen, für die im literarischen Text kein Platz ist. Sobald man versucht, zu erklären, geht meines Erachtens literarische Qualität verloren.

  Hebatallah Fathy; Foto: Mohammed Samaha  © Goethe-Institut Kairo
Vom Deutschen ins Arabische übersetzte Werke:

Peters, Christoph
حجرة في دار الحرب
Verlag: National Center For Translation
2015. 336 Seiten
ISBN 978-977-92005-38
Originalsachtitel: Ein Zimmer im Haus des Krieges

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