Geschichte vom alten Kind
Das Buch greift auf ein klassisches Verweigerungsmotiv zurück – von Kaspar Hauser, dem geheimnisvollen Naturkind, bis zu Peter Pan, der aus dem märchenhaften „Niemalsland“ stammt und nicht erwachsen werden will. Doch diesen Rückgriff entfaltet Erpenbeck in bildlich prägnanten, anrührenden, originellen Szenen und mit einer erstaunlichen Sprachdisziplin. Für die ein wenig zu konstruiert wirkende Rahmenhandlung wird der Leser reichlich entschädigt durch die lebendige und glaubwürdige Schilderung der alterstypischen Kämpfe und Krämpfe unter Internatskindern. Jenny Erpenbeck hat sich offenbar gut auf ihre Story vorbereitet: Im Alter von 27 Jahren spielte sie selbst ein "altes Kind", indem sie in einer Gymnasialklasse vier Wochen lang erfolgreich die 17 Jahre junge Mitschülerin mimte.
Das Buch greift auf ein klassisches Verweigerungsmotiv zurück – von Kaspar Hauser, dem geheimnisvollen Naturkind, bis zu Peter Pan, der aus dem märchenhaften „Niemalsland“ stammt und nicht erwachsen werden will. Doch diesen Rückgriff entfaltet Erpenbeck in bildlich prägnanten, anrührenden, originellen Szenen und mit einer erstaunlichen Sprachdisziplin. Für die ein wenig zu konstruiert wirkende Rahmenhandlung wird der Leser reichlich entschädigt durch die lebendige und glaubwürdige Schilderung der alterstypischen Kämpfe und Krämpfe unter Internatskindern. Jenny Erpenbeck hat sich offenbar gut auf ihre Story vorbereitet: Im Alter von 27 Jahren spielte sie selbst ein "altes Kind", indem sie in einer Gymnasialklasse vier Wochen lang erfolgreich die 17 Jahre junge Mitschülerin mimte.
Der Spiegel 1999
Heimsuchung
Ein kleines Buch, ein großer Wurf: Erpenbeck erzählt intensiv, meisterhaft beherrscht sie die Sprache, formt sie zum märchenhaften Klang von magischem Reiz. Wer Passagen laut liest, spürt diese Magie. Die Autorin beschreibt deutsche Geschichte, aber nicht festgemacht an Metropolen-Ereignissen, sondern an einem umgrenzten Stück Erde. Haus und Grundstück werden zum Schauplatz von gelebtem Leben, die abgelagerte Vergangenheitsschicht bedeckt nur eine dünne Gegenwartsschicht. Was war, ist noch da, nur verschüttet. Das Spiel mit den Zeitebenen ist das Eindrucksvollste an diesem Buch.
Ein kleines Buch, ein großer Wurf: Erpenbeck erzählt intensiv, meisterhaft beherrscht sie die Sprache, formt sie zum märchenhaften Klang von magischem Reiz. Wer Passagen laut liest, spürt diese Magie. Die Autorin beschreibt deutsche Geschichte, aber nicht festgemacht an Metropolen-Ereignissen, sondern an einem umgrenzten Stück Erde. Haus und Grundstück werden zum Schauplatz von gelebtem Leben, die abgelagerte Vergangenheitsschicht bedeckt nur eine dünne Gegenwartsschicht. Was war, ist noch da, nur verschüttet. Das Spiel mit den Zeitebenen ist das Eindrucksvollste an diesem Buch.
Roland Mischke, WAZ, 2008









