Stefan Wimmer: Porträt

Stefan Wimmer, © Yorick Cody

Ich glaube, dass die völlig falschen Leute Schriftsteller werden.

Stefan Wimmer


Stefan Wimmer ist kein Mann der leisen Töne und seine Literatur nichts für zarte Seelen. Seine Romane handeln vom prallen Männerleben in zwielichtigen Bars. Zufällige Begegnungen an der Theke sind mitunter der einzige Rettungsanker in einer chaotischen Welt. Die Tage und Nächte seiner Protagonisten kreisen um Alkohol- und Drogenexzesse und mitunter – sofern sich die Gelegenheit dazu ergibt – auch um Sex.

Wimmers Texte wollen nach eigenen Aussagen vor allem unterhalten. Und das gelingt ihm mit seinen teilweise absurd anmutenden Geschichten durchaus. Der König von Mexiko ist die Geschichte eines deutschen Studenten, der auszieht, um seine Dissertation zu schreiben, und sich dabei im Dickicht der mexikanischen Metropole verheddert. Die Universität ist ein unheimlicher Ort, denn Professoren fordern Geld oder verschwinden einfach. Doch ohne Doktorarbeit gibt es kein Stipendium. So ist er plötzlich ohne Geld auf sich allein gestellt, was zu unvorhersehbaren Verwicklungen und nicht ungefährlichen journalistischen Auftragsarbeiten führt. Auch die Liebe gestaltet sich problematisch. Die Freundin aus reichem Hause und ihre zahlreiche Verwandtschaft stellen hohe Ansprüche an unseren Helden. Am Ende zieht er unverrichteter Dinge aus Mexiko ab und landet in der Redaktion eines Männermagazins in München. Was er dort erlebt, ist nicht minder skurril. Ein schrulliger und konzeptionsloser Chef, mittelmäßige Kollegen, die allerdings über Leichen gehen, und gnadenlose Frauen, die vor Erpressung nicht zurückschrecken, machen auch den zweiten Teil des Romans zu einem königlichen Lesevergnügen.

Wimmers subjektive Erzählperspektive und Geschichten, in die real Erlebtes mit einfließt, mag manchen Literaturkritikern zu derb sein. Dem Autor geht es um die Authentizität seiner Texte, ohne dabei autobiografisch zu werden. Gute Geschichten zu erzählen steht für ihn an erster Stelle. Und für die ist im Literaturbetrieb nicht unbedingt Platz. „Die Leute, die etwas zu erzählen hätten, haben den Zugang nicht zum Literaturmarkt“, sagt er. Auf ihn selbst scheint das nicht zuzutreffen, denn zum Glück hat Stefan Wimmer beides gefunden: gute Geschichten und einen Verlag für seine Bücher. Im Jahr 2011 war er Ehrengast bei der Internationalen Buchmesse in Guadalajara, Mexiko, zusammen mit Herta Müller, Doris Dörrie und Wladimir Kaminer.
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