Von dem Gewinn, einen Autor einzuladen
Jaume Vallcorba Plana: der unermüdliche Verleger

Jaume Vallcorba Plana ist Dr. der Philosophie und der Literaturwissenschaft, sowie Autor unzähliger Artikel in literarischen Fachzeitschriften. Als Dozent hat er an den drei großen Universitäten Barcelonas ebenso wie in Frankreich gelehrt und er ist Gründer und Verleger der Verlage Quaderns Crema und Acantilado. Wegen seiner hervorragenden Leistungen im Verlagsbereich hat er verschiedene Preise bekommen, darunter den Nationalpreis für die beste Verlagstätigkeit.
Man hat mich gebeten, einige Zeilen über die Zusammenarbeit zwischen dem Goethe-Institut und Quaderns Crema oder Acantilado zu schreiben, über ihre Vorzüge und die Ergebnisse der letzten Jahre. Dazu muss ich allerdings zunächst auf ein grundsätzliches Problem eingehen, nämlich die Schwierigkeit, neue Autoren - und damit meine ich sowohl neue Autoren im engeren Sinne als auch ältere Autoren, die es wiederzuentdecken gilt - einem Publikum bekannt zu machen, das sich zunächst nur für ohnehin bekannte Namen oder Bücher aus Kulturkreisen interessiert, die ihm indirekt bereits durch andere Medien (ich denke da vor allem an die Pop-Musik und an das Kino) vertraut sind. Eines ist sicher: ohne Sichtbarkeit existiert ein Buch nicht. Ohne sichtbare Präsenz hat ein Buch nur so lange Bestand, wie es auf den Tischen der Buchhandlungen ausliegt, also nur für einen kurzen, kaum wahrnehmbaren Augenblick.
Dem spanischen oder spanischsprachigen Publikum einen unbekannten Namen vorzustellen, wird immer schwieriger. In der Konkurrenz mit den Bestsellern oder mit der Masse der Neuerscheinungen ist ein eben erschienenes Buch zur Unsichtbarkeit verdammt, wenn es nicht durch einen Werbeapparat unterstützt wird, der die Aufmerksamkeit des Unaufmerksamen auf zu lenken vermag. Die Rolle der Kulturinstitute besteht zum großen Teil darin, für eine bestimmte Kultur zu werben, angefangen bei der Sprache bis hin zur Literatur und der Geisteswelt, die auf dieser Sprache beruht. Meines Erachtens liegt die wesentliche Bedeutung des Goethe-Instituts, gemeinsam mit anderen Kulturinstituten europäischer Sprachen, in eben dieser Funktion. Natürlich ist seine vorrangige Aufgabe die Vermittlung der deutschen Sprache, aber es hat sich auch die Vermittlung der deutschsprachigen Kultur zueigen gemacht, eine Aufgabe, die vorher von Inter Nationen geleistet wurde. Dabei beschränkt es sich nicht auf die Literatur Deutschlands, sondern kümmert sich auch (und das scheint mir sehr angemessen) um die Literatur des deutschen Sprachraums außerhalb der Landesgrenzen. Es gab und gibt andere Institute (wie z.B. Pro Helvetia), die die deutschsprachige Literatur in der Schweiz gefördert haben und es noch tun, aber die Beschäftigung mit der Literatur und Kultur des gesamten deutschen Sprachraums ist meines Wissens immer eine Konstante des Goethe-Instituts gewesen.
Genau auf diesem Gebiet ist der Beitrag, den das Goethe-Institut für die Präsenz der deutschen Literatur in Spanien und seinem Einflussgebiet geleistet hat, fundamental (seit die Förderung für Übersetzungen und Werbung dem Institut übertragen wurde). Wenn, wie ich am Anfang dargelegt habe, die Werbung aufgrund der täglichen Bücherschwemme in den Regalen der Buchhandlungen immer schwieriger wird, kann man die Bedeutung der Beihilfe zu den Übersetzungskosten, der Einladung der Autoren nach Spanien und der Veranstaltungen im Saal des Goethe-Instituts - um nur die wichtigsten Beispiele anzuführen - nur angemessen würdigen, wenn man sie vom verlegerischen Standpunkt aus betrachtet.
Im Feuilleton werden die Bücher immer häufiger im Zusammenhang mit dem Autor präsentiert (man denke nur daran, wie schwierig es ist, die Veröffentlichung eines Buches von einem toten Autor in die Zeitung zu bringen, wenn nicht noch andere Umstände das Interesse der Journalisten wecken). Daher scheint die physische Präsenz des Autors immer unumgänglicher zu sein. Und genau hier spielte und spielt das Goethe-Institut eine entscheidende Rolle.
Das Erstlingswerk eines Autors hat es, unabhängig von seiner Bedeutung, zunächst außerordentlich schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden. Die Anwesenheit des Autors ist die einzige Möglichkeit, es bis auf die Seiten des Feuilletons zu schaffen, was meiner Meinung nach wiederum dazu führt, dass die Kulturbeilagen und die Rezensenten das Buch zur Kenntnis nehmen. Die Aufmerksamkeit, die das Institut neuen deutschsprachigen Autoren entgegengebracht hat, die Veranstaltungen, die es in seinen Räumen durchgeführt hat, und die Öffentlichkeit, die daraus erwachsen ist, haben sich als äußerst wichtig für den komplizierten Prozess erwiesen, diese Autoren bekannt zu machen. Für Quaderns Crema in katalanischer Sprache und Acantilado in spanischer Sprache habe ich diese Zusammenarbeit immer als außerordentlich fruchtbar empfunden.
Leiter der Verlage Quaderns Crema und Acantilado
Aus dem Spanischen übersetzt






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