Job

Nicht für alle Milch und Honig

Foto (Ausschnitt): Alexander von Halem (barockschloss @flickr) CC BY 20 , CC BY 2.0Foto (Ausschnitt): Alexander von Halem (barockschloss @flickr) CC BY 20 , CC BY 2.0

Foto (Ausschnitt): Alexander von Halem (barockschloss @flickr), CC BY 2.0



Ich habe Germanistik und Philosophie studiert und mir während des Studiums wenige Gedanken darüber gemacht, für welchen Job ich mich dadurch qualifiziere. Ich fand die Fächer interessant und wollte in ihnen so viel wie möglich lernen. Praktika habe ich in dieser Zeit keine gemacht, weil ich in den Semesterferien gearbeitet habe, für die Uni selbst und, um mein Studium zu finanzieren. Mein Plan war, nach dem Studium als Journalist zu arbeiten. Alternativ würde sich mit dem Abschluss bestimmt schnell ein anderer Job in der Medienbranche oder im Kultursektor finden, so dachte ich damals.

Nun ist über ein Jahr vergangen, seit ich meinen Abschluss gemacht habe, und einen fair bezahlten Job habe ich noch nicht gefunden. Mir ist schnell klar geworden, dass ich kein Einzelfall bin: Wer nicht als Absolvent eines der MINT-Fächer* oder eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums in den Beruf startet, sondern als Geistes-, Sozial- oder Kulturwissenschaftler, hat es auch im angeblichen Wirtschaftsparadies Deutschland schwer. Bevor man überhaupt eine Vollzeit-Festanstellung findet, sind schnell zwei Jahre vergangen. Traumjobs sind die meisten Anfangsstellen dann trotzdem nicht.
Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaftler rangieren auf der Einkommensskala am unteren Ende. So verdient beispielsweise ein Sozialwissenschaftler im ersten Berufsjahr im Schnitt rund 2.700 Euro brutto im Monat, während ein Wirtschaftsingenieur auf 4.200 Euro kommt. Und diese gut dotierten Stellen treten die MINT-Absolventen und Wirtschaftsstudenten oft direkt vom Hörsaal aus an. Nicht selten schreiben sie schon ihre Abschlussarbeiten gegen Bezahlung bei einem Unternehmen. Wenn dieses sie dann nicht übernimmt, tut es ein anderes mit Kusshand. Da ich nach wie vor versuche, Journalist zu werden, habe ich mit ganz besonderen Problemen zu kämpfen. Denn obwohl vor allem in den Medien die Bezahlung immer schlechter wird und die Festanstellungen immer knapper, ist die Arbeit in diesem Sektor für viele nach wie vor ein Traum. Als Konsequenz daraus können sich Zeitungen, Verlagshäusern und Sendeanstalten nicht nur erlauben, absurd hohe fachliche Anforderungen an ihre zukünftigen Mitarbeiter zu stellen, sondern auch regelrecht lächerliche Gehälter zu zahlen.

So stieβ ich beispielsweise auf ein Volontariat des Kölner Verlages Kiepenheuer & Witsch, für das man gerade einmal 500 Euro Gehalt im Monat erhalten sollte. Immerhin war in der Anzeige noch von einem "Verpflegungszuschuss" die Rede. Weil ich dachte, vielleicht würde man mit ihm vielleicht doch über die Runden kommen, rief ich bei dem Verlag an, um Genaueres in Erfahrung zu bringen. Es stellte sich dann heraus, dass dieser "Verpflegungszuschuss" 22 Euro im Monat betrug, und das auch noch ausbezahlt in Form von 1-Euro-Marken, die man in Restaurants und Läden in der Umgebung des Verlags eintauschen konnte. Ich fand dieses Stellenangebot so unverschämt, dass ich einen Text darüber schrieb und ihn auf meinem Blog – maxpahl.com – veröffentlichte. Zwei Wochen später entstand dadurch ein Shitstorm: Viele Menschen gaben mir Recht und bombardierten Kiepenheuer & Witsch mit empörten Kommentaren, sodass der Verlag den Lohn für die Stelle verdoppelte. Jetzt reicht es immerhin zu leben. Aber dort beworben habe ich mich natürlich nicht mehr.


* Der Ausdruck MINT-Fächer umfasst die Studienbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Max Pahl

Copyright: rumbo @lemania
Juli 2014

Originalsprache: Deutsch

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