Überleben

Flaschenpfand: Das Runde muss ins Eckige – oder doch nicht?

© 2013 Pfandring by Paul Ketz / Fotos: Markus Diefenbacher

Man trifft sie in Zügen, an öffentlichen Plätzen, in Parks – überall wo viele Menschen versammelt sind, vorzugsweise abends, in lauen Sommernächten oder am Wochenende. Straßenkarneval, Festivals, Sportereignisse und öffentliche Konzerte sind ihre Highlights – „Pfandsammler“ werden sie genannt.

Seit der Vereinheitlichung des Flaschen- und Dosenpfandsystems im Mai 2006 gehören sie einfach mit dazu. Es gibt die „Ich freu' mich über jede Flasche“-Sammler, die „nur die Masse macht's“- Sammler und die „Luxus-Sammler“, die nur bei den 25-Cent PET- Flaschen, nicht aber bei 8-Cent-Glasflaschen zugreifen. Immer mehr Menschen in Deutschland verdienen sich durch das Sammeln von Pfandflaschen etwas dazu, denn Rente, Minijob und Arbeitslosengeld reichen oft nicht aus.
Dieser Zuverdienst ist tatsächlich ein zentrales Motiv der Pfandsammler, aber nicht wie oft vermutet das einzige, denn Flaschensammler kommen aus fast allen sozialen Schichten. Einige suchen einen geordneten Tagesablauf, eine tägliche Beschäftigung oder wollen einfach nur unter Leute kommen.

Die Initiative „Pfand gehört daneben“

Es gibt genug Leute, die mit dem Sammeln von Pfandflaschen ihren Lebensunterhalt sichern. Die Demütigung, dafür in Mülleimer greifen zu müssen, um zwischen Dreck, Scherben und sonstigem Abfall nach Flaschen und Dosen zu suchen, kann man ihnen aber ganz einfach ersparen. Das dachte sich auch Matthias Seeba-Gomille und gründete 2011 die Initiative „Pfand gehört daneben“.
Seitdem kämpfen er und sein Partner zusammen mit bekannten Bands wie den Beatsteaks oder Madsen dafür, dass die Leute ein Bewusstsein für die Situation von Pfandsammlern entwickeln und ihre Pfandflaschen neben die Abfalleimer stellen statt hinein. Mit Hilfe von Spenden und Partnern finanzierten sie den Druck zehntausender Aufkleber, die sie deutschlandweit auf öffentlichen Mülleimern anbringen oder in Geschäften auslegen, damit man sie selber mitnehmen und aufkleben kann. Die Beiden sind aber nicht die Einzigen, die sich für Pfandsammler einsetzen. Der junge Kölner Designer Paul Ketz entwarf den „Pfandring“, einen flexiblen Ring, den man um jeden beliebigen Abfalleimer spannen kann. Pfandflaschen können dann ganz einfach darin abgestellt und auch wieder daraus entnommen werden. Ähnlich dem Pfandring gibt es auch die „Pfandkiste“ von LemonAid+, eine ganz normale Getränkekiste, die an Straßenlaternen angebracht wird und dort dem selben Zweck dient.

Pfandflaschenautomat auch für streunende Hunde und Katzen

Eine türkische Firma hatte eine ganz andere Idee, um mit Hilfe von Pfandflaschen etwas Gutes zu tun. Sie entwarfen spezielle Pfandautomaten und stellten diese in den größten Städten der Türkei auf, die dafür bekannt sind, die Heimat vieler streunender Hunde und herrenloser Katzen zu sein. Diese etwas anderen Pfandautomaten geben für jede eingeworfene Pfandflasche eine kleine Portion Trockenfutter für Hunde und Katzen aus. Damit soll das Überleben der Vierbeiner gesichert werden.

Sabine Lorenz
studiert Medienwissenschaften an der Universität Bonn und arbeitet als freie Journalistin.

Copyright: rumbo @lemania
September 2014

Originalsprache: Deutsch

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