Überleben

Berlin – eine Stadt, in der es sich lohnt, eine Stunde zu warten

Foto (Ausschnitt): petzoj @flickr, CC BY-SA 2.0Foto (Ausschnitt): petzoj @flickr, CC BY-SA 2.0

Foto (Ausschnitt): petzoj @flickr, CC BY-SA 2.0

Wenn man nach Deutschland oder – wie in meinem Fall – nach Berlin kommt, hat man sich bereits ein Bild davon gemacht, was einen erwartet: eine neue Kultur, eine historische, aber zugleich junge und multikulturelle Stadt, Bier... und all das traf ich dann auch tatsächlich an. Aber stell dir vor, an das Essen hatte ich keinen einzigen Gedanken verschwendet.

Vielleicht lag es an meinem spanischen Stolz, ich war einfach daran gewöhnt zu denken, dass es sowieso niemand mit der Gastronomie meines Heimatlands aufnehmen kann. Berlin hat mich in diesem Sinne jedoch positiv überrascht.

Wenn jetzt meine verehrten Leserinnen und Leser etwas verwirrt sein sollten, muss ich an diesem Punkt klarstellen, dass ich mich nicht auf typisch deutsche Gerichte beziehe, die ebenfalls sehr lecker sind. Doch darüber sprechen wir bei anderer Gelegenheit. Ich habe hier das im Sinne, was in Spanien mit den 'drei B' bezeichnet wird: ‚bueno, bonito y barato, d.h. gut, schön und billig.

'Berliner Fastfood' schmeckt einfach gut und ist wirklich erschwinglich. Typisch sind Currywurst, Pizza und Döner. Gerade zum Döner gibt es einiges zu sagen. Wie ein wirklich guter Döner schmeckt, weiß man erst, wenn man die Berliner Variante probiert hat. Natürlich kann man auch gleich in die Türkei fahren, aber da ich bisher noch keine Gelegenheit dazu gehabt habe, bleibe ich bei meiner Theorie. Denn der Döner, so wie wir ihn kennen, soll sogar aus Berlin stammen!

Als ich in Berlin ankam, erstaunte mich zunächst die schiere Zahl der Dönerbuden – sie waren fast so zahlreich wie die hiesigen Hipsters. Nachdem ich einige Döner probiert hatte, wurde mir klar, warum: sie sind einfach nur lecker! Obwohl jeder Budenbetreiber sein eigenes ‚Geheimrezept hat, bleiben die Zutaten im Wesentlichen gleich. Das Brot ist etwas dünner und dem Pita-Brot sehr ähnlich, häufig werden Gemüse und Pommes frites hineingetan und schließlich die typische Dönersoße. Dazu kommt das bekannte Dönerfleisch, das aber eine besondere Berliner Note hat und hervorragend schmeckt. Alle Dönerbuden in Berlin achten ganz besonders auf die Soße. In Deutschland spielen Soßen eine große Rolle, sie gehören zu einem guten Essen einfach dazu, so wie in Spanien ein Gläschen Rotwein. Die Dönersoßen in Spanien sind längst nicht so raffiniert wie die in Berlin, sondern eher etwas fade. Wie gesagt: In Berlin schmecken die Soßen einfach hervorragend, sie haben eine feine und doch markante Knoblauchnote.

Den sicherlich bekanntesten Döner in Berlin gibt es bei Mustafa auf dem Mehringdamm. Und zufällig steht genau daneben die berühmteste Currywurstbude der Stadt, ‚Curry 36. Ohne zu übertreiben: bei Mustafa steht man im Schnitt eine geschlagene Stunde in der Schlange!

Mustafas Döner kann man einfach nicht beschreiben, man würde ihm zwangsläufig Unrecht antun. Deswegen empfehle ich euch nachdrücklich, dass ihr euch bei eurem nächsten Aufenthalt in Berlin eine Stunde Zeit nehmt – oder auch mehr –, um diese wahre Delikatesse zu probieren.

Jorge Satorre,
ein Mallorquiner in Deutschland, so ironisch das auch klingen mag, mit fast so viel Leidenschaft für Berlin wie für den Journalismus.
Copyright: rumbo @lemania
Dezember 2015

Bei diesem Text handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Spanischen

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