Überleben

Regel für den guten Gast: Schuhe aus

Foto: (CC0 1.0) nuzree, pixabay.com

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Wenige Gepflogenheiten überraschen einen Spanier in Deutschland so sehr wie die Gepflogenheit, ein Haus zu betreten und die Schuhe ausziehen zu müssen, und diese Sitte, die in deutschen Landen mehr eine Pflicht denn eine Gewohnheit ist, ist so tief verwurzelt, dass man völlig überrascht ist, wenn es heißt: „Komm rein, die Schuhe kannst du anbehalten.“

Barfuß herumlaufen assoziieren wir mit der Intimität unseres Zuhauses, und wir empfinden es sogar als schlechtes Benehmen, wenn wir auf fremden Böden nur in Socken herumlaufen. Hier ist man anderer Ansicht, und man darf nicht überrascht sein, wenn sogar Unbekannte, die deine Wohnung zum ersten Mal betreten, ihre Schuhe ausziehen und barfuß durch die Zimmer laufen. Ich erinnere mich noch daran, wie überrascht ich beim ersten Mal war, als der Klempner barfuß durch mein Haus lief.

Ich vermute, dass diese Gepflogenheit – wie alles, was die Deutschen tun – ursprünglich einen praktischen Sinn hatte und auf den Gedanken zurückzuführen ist, den Boden nicht mit Schnee zu beschmutzen. Dieser ursprüngliche Gedanke wurde dann allerdings auf alle Jahreszeiten ausgeweitet, und eines ist sicher: Sogar Sommersandalen sind in deutschen Häusern nicht gern gesehen.

Stellt euch vor, ihr geht auf eine Party in der Wohnung eines Freundes und ihr trefft auf elegant gekleidete Gäste, die barfuß herumlaufen. Diese Vorstellung, die manchen von uns seltsam erscheinen mag, ist in Deutschland völlig normal und bereitet einem extra Sorgen, wenn man jemanden besuchen geht: Man muss darauf achten, dass die Socken, die man trägt, nicht zerschlissen sind oder Löcher haben, mit denen man sich blamieren könnte.

Besonders aufmerksame Gastgeber haben das System noch perfektioniert und besitzen mehrere Paar Hausschuhe, die sie ihren Gästen anbieten können, damit diese nicht barfuß herumlaufen müssen, wofür man vor allem im Winter besonders dankbar ist. Und dann gibt es diejenigen, die ihre eigenen Pantoffeln direkt von zu Hause in einem Beutel mitbringen, diese bei ihrer Ankunft hervorholen und anziehen, um sich wie in ihrem eigenen Zuhause zu fühlen.

Ana Gragera
arbeitet als Spanischlehrerin in München, und diese Arbeit verbindet sie mit ihren beiden anderen Leidenschaften: dem Journalismus und dem Schreiben. Sie liebt die Natur im Süden Deutschlands, insbesondere die Alpen und die majestätischen Seen, von denen es in Bayern reichlich gibt.

Copyright: rumbo @lemania
Januar 2016

Bei diesem Text handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Spanischen

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