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Schützenfeste in Deutschland - Vom Bogenschießen zum Volksfest

Foto: (CC0 1.0) Chraecker, pixabay,com

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Ich hatte immer folgendes Bild von einem deutschen Schützenfest im Kopf: ein Volksfest, das immer im August in einem kleinen Dorf in der Nähe von Hamburg gefeiert wurde. Wir Kinder fuhren Autoskooter und aßen Crêpes mit Nutella. Die Erwachsenen tanzten in einem großen Festzelt. Es wurden Unmengen von Bier getrunken. Ich hörte, wie Männer auf einen Holzvogel schossen, obwohl ich selbst nie dabei war... Manchmal kauften wir eine Tüte gebrannter Mandeln für unsere Oma. Zum Abschluss des Schützenfestes gab es sonntagabends ein Feuerwerk, das die Nacht, das Dorf und den Wald in bunte Farben tauchte. Pompöse Paraden, Männer in Uniformen mit Jägerhut und Feder und Fahne in der Hand.

All das sollte ich erst Jahre später bei einem Besuch des Schützenfests in Hannover kennenlernen. Wie war dieses deutschlandweit größte Schützenfest entstanden, das seit fast 500 Jahren gefeiert wird?

Ich hatte immer folgendes Bild von einem deutschen Schützenfest im Kopf: ein Volksfest, das immer im August in einem kleinen Dorf in der Nähe von Hamburg gefeiert wurde. Wir Kinder fuhren Autoskooter und aßen Crêpes mit Nutella. Die Erwachsenen tanzten in einem großen Festzelt. Es wurden Unmengen von Bier getrunken. Ich hörte, wie Männer auf einen Holzvogel schossen, obwohl ich selbst nie dabei war... Manchmal kauften wir eine Tüte gebrannter Mandeln für unsere Oma. Zum Abschluss des Schützenfestes gab es sonntagabends ein Feuerwerk, das die Nacht, das Dorf und den Wald in bunte Farben tauchte. Pompöse Paraden, Männer in Uniformen mit Jägerhut und Feder und Fahne in der Hand: All das sollte ich erst Jahre später bei einem Besuch des Schützenfests in Hannover kennenlernen. Wie war dieses deutschlandweit größte Schützenfest entstanden, das seit fast 500 Jahren gefeiert wird? Folklore entsteht immer aus einem Brauch. Heutzutage gibt es in fast allen Orten in Deutschland ein Schützenfest, bei dem mit einer Flinte auf einen in mehreren Metern Entfernung auf einer Latte befestigten Holzvogel geschossen wird. Um Schützenkönig zu werden, muss man nicht den besten Schuss abgeben, sondern das letzte verbleibende Stück des Vogels treffen. Daher stammt der berühmte Ausdruck „den Vogel abschießen“. Er wird verwendet, wenn jemand ein besonders herausragendes Ergebnis erzielt, und zwar sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Beim Schützenfest Hannover wird der Schützenkönig mit einem Umzug über den Festplatz gefeiert. Er muss allerdings auch die Kosten als Gastgeber tragen und seinem Schützenverein ein Jahr lang vorstehen.

Jeder Ort bzw. jede Region hat eigene Regeln. Aber alle Schützenvereine wurden aus der Notwendigkeit ins Leben gerufen, das Dorf oder die Stadt gegen Feinde und Plünderer zu verteidigen. Dies war insbesondere im 14. Jahrhundert nötig, als die Pest in Europa wütete. Daher stammt die Bedeutung des Wortes Schützenfest: „Fest der Beschützer“. Im feudalen Mittelalter mussten Bauern und Bürger regelmäßig am gemeinsamen Bogenschießen teilnehmen. Zunächst wurde mit dem Bogen geschossen, in späteren Zeiten mit der Armbrust.

Der erste Schützenverein wurde 1198 im nordrhein-westfälischen Aachen gegründet. Herzog Erich I. gestattete 1529 der Stadt das Privileg, alljährlich ein Schützenfest zu veranstalten. Im Laufe der Zeit wurden Regeln für die Schießwettbewerbe aufgestellt und Preise vergeben. Bis zum Ersten Weltkrieg erhielt der Schützenkönig besondere Vergünstigungen wie ein Jahr Steuerfreiheit oder Sonderrechte zur Nutzung des Holzbestands.

Während der Besetzung durch die napoleonischen Truppen zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Schützenfeste verboten. Mit dieser Besetzung begann der Kampf um die nationale Einheit, für den sich ältere und neuere Schützenvereine engagierten. Schließlich wurde im Jahr 1871 das Deutsche Reich gegründet. Die Tätigkeit der durch Kameradschaft zusammengeschweißten Schützenbruderschaften wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf Grund ihrer Verbindung zum Militär zunächst untersagt, denn sie hatten sich der SS angedient und mit der Hitlerjugend angebändelt. Ab den 1960er Jahren wurde der Sport auch von Frauen ausgeübt – früher durften sie nur ihre Schützenkönige begleiten.

Heute gibt es über 15.000 Schützenvereine in Deutschland. Die UNESCO hat diese Tradition, die heute weiterhin aufrecht erhalten wird, als immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Vanesa Rodríguez Schoos,
mit einer deutschen Mutter und einem spanischen Vater zwischen zwei Kulturen aufgewachsen, mit der Seele und den Wurzeln jedoch im Süden. Sie studierte Journalismus, den Blick jedoch immer auch auf Geschichte, Fotografie und die Menschen und ihr Verhalten gerichtet.

Copyright: rumbo @lemania
Oktober 2016

Bei diesem Text handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Spanischen

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