Überleben

Der Zeitunterschied

 Foto: (CC0) StartupStockPhotos, pixabay.com

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Während bei uns in Spanien im Fernsehen noch die Sendung mit den höchsten Einschaltquoten läuft oder wir uns auf dem Computer die neuste Serie ansehen, liegen die Deutschen schon im Bett und schlafen. Dieser Zeitunterschied von zweieinhalb Stunden scheint zunächst nichts weiter zu sein als eine kulturelle Eigenheit. Aber wenn es um die Organisation und Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben geht, wird deutlich, dass dies mit großen Schwierigkeiten verbunden sind.

Stets hört man, dass wir in Spanien zu viel Zeit am Arbeitsplatz verbringen, dass wir zu spät essen und dass wir wenig schlafen, weil wir zu spät ins Bett gehen. Wenn man aus einem Land kommt, in dem man diese langen Tage gewöhnt ist und dann nach Deutschland zieht, merkt man, wie groß die Zeitunterschiede in beiden Ländern sind.

Kinder und Erwachsene stehen in der Regel früh auf. Um sieben Uhr gibt es auf Fahrradwegen normalerweise schon regen Verkehr, weil Eltern ihre Kinder um diese Zeit in den Kindergarten oder zur Schule bringen. Danach steht ihnen ein Arbeitstag bevor, der in der Regel um acht Uhr beginnt und gegen sechs Uhr abends endet. Gegen zwölf Uhr gibt es eine Mittagspause, die normalerweise etwa 45 Minuten dauert. Man gewöhnt sich schließlich daran, um diese Zeit zu essen, es bleibt einem ja nichts anderes übrig.

Um sieben Uhr abends haben die meisten Kinder bereits zu Abend gegessen und eine Stunde später liegen sie wahrscheinlich schon im Bett. Bei den Erwachsenen dauert es noch etwas länger, bis sie schlafen gehen, aber später als halb zehn wird es bei den meisten nicht. Um diese Zeit sind die Hauptabendsendungen des deutschen Fernsehens schon zu Ende, während Spanier es sich um diese Zeit auf dem Sofa bequem machen, weil die Musiktalentshow beginnt, die sie nicht verpassen wollen und wegen der sie bis nach Mitternacht vor dem Fernseher sitzen. Diese völlig unsinnigen Uhrzeiten führen dazu, dass Spanier unter allen Europäern am wenigsten schlafen.

In Deutschland findet alles früher statt, selbst wenn man abends ausgeht. In München war ich einmal in einem Modelokal, in dem um elf Uhr abends das Licht ausgemacht wurde. Zuerst dachte ich, das sei Teil der Show. Erst, als auch die Musik ausging, verstand ich den diskreten Hinweis.

Einigen Spaniern fällt es schwer, sich auf deutsche Uhrzeiten einzustellen, vor allem was Mittag- und Abendessen angeht. Andere finden es äußerst vorteilhaft und passen sich begeistert an. Deutsche Arbeitszeiten eignen sich zwar hervorragend, um Berufs- und Privatleben zu vereinbaren. Man ist früher zu Hause und hat mehr Freizeit. Manchmal vermisse ich jedoch diese Lebhaftigkeit auf der Straße, die in Spanien auch nach elf Uhr abends vorzufinden ist.



Ana Gragera arbeitet als Spanischlehrerin in München, und diese Arbeit verbindet sie mit ihren beiden anderen Leidenschaften: dem Journalismus und dem Schreiben. Sie liebt die Natur im Süden Deutschlands, insbesondere die Alpen und die majestätischen Seen, von denen es in Bayern reichlich gibt.

Copyright: rumbo @lemania
November 2017

Bei diesem Text handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Spanischen.

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