Kulturschock

Warum Andrés Montes nicht nur in Spanien fehlt

Foto (Ausschnitt): © Colourbox.deFoto (Ausschnitt): © Colourbox.de

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Nun, es war einmal Andrés Montes. Die 2009 verstorbene Reporter-Legende hinterlässt eine riesige Lücke im spanischen Sportfernsehen. Er begleitete uns durch furiose Basketball-Nächte der 90er, stimmte mit seinem genialen Co-Moderator Julio Salinas bei Andrés Iniestas goldenem Tor zur Fußball-WM spontan die textlose spanische Hymne mit „Gol“ an, erfand die Vokabel „Tiqui-taca“ und hinterließ seine Zuhörer nach 90 Minuten stets mit einem Lächeln im Gesicht.


Von Esweinsteigerr und Kapitän Charles
Viel hat sich seitdem im internationalen Gefüge bewegt – auch für den Sportjournalismus. Dutzende spanische Fußballer haben mittlerweile den Schritt nach Deutschland gewagt: Pep, Álvaro, Thiago, Andrés und wie sie alle heißen. Deutsche Legionäre zieht es gleichzeitig verstärkt in die Primera División. Sami, Mesut, Marko und Piotr sind einige der Export-Schlager. Plötzlich interessieren sich spanische Moderatoren für die richtige Aussprache von Herrn „Esweinsteigerr“, Béla Réhty gelingt es tatsächlich „Carlos“ oder „Charles“ Puyol abzulegen und den Kapitän des FC Barcelona bei seinem richtigen Namen „Carles“ zu nennen. Einige positive Entwicklungen sind also erkennbar – in den Redaktionen und Moderatorenboxen werden Tastenkombinationen für Umlaute angelegt, Hoeness bekommt endlich sein scharf „ß“. Und auch Toni Kroos dürfte wieder ruhiger schlafen, seitdem er sich nicht mehr als „Kross“ in der Bayern-Startaufstellung des Sportblatts Marca entdecken muss.

Wo verstecken sich die Nachwuchskräfte?

In Spanien wird der Fußball am Mikrofon bekanntermaßen heißblütiger kommentiert und gelebt. Während die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender regelmäßig Schonkost in Sachen Kreativität, Witz und Emotionen bieten, kann man auf diversen Privatsendern versteckt die wahren Juwelen der Nachwuchskommentatoren erleben. Nur: diese bekommen eben keine Plattform in der genormten Abendunterhaltung.
In Deutschland folgen aufbrausende und interessante Persönlichkeiten wie Wolff-Christoph Fuss, Michael Stach oder Frank Buschmann auf bekannte, aber nicht mehr zeitgemäße Gesichter wie Wolf-Dieter Poschmann und Rolf Töpperwien. Doch nicht nur die Moderation bedarf einer Aktualisierung, sondern auch kurze Sendelängen und müde Talkrunden warten auf ihren Weckruf. Mit den heutigen Möglichkeiten der digitalen Medien kann den Zuschauern und Zuhörern eine völlig neue Wahrnehmung des Sports geboten werden. Übrigens: Obwohl Montes ein Mann der alten Schule war, setzte er sich vehement für die Weiterentwicklung des Sportjournalismus' ein.

Maldini der Revolutionär

Schon einmal von Maldini gehört? Gewiss ist nicht der ehemalige italienische Nationalspieler Paolo Maldini gemeint. Bei den spanischen Privatsendern Canal + und la Sexta steht und fällt fast alles mit der Meinung des Experten Julio Maldonado, kurz Maldini. Dieser archiviert seit Jahren jedes noch so kleine Fußballereignis rund um den Globus und versorgt zudem große Klubs mit seinem Wissen.
Maldini ist der Protagonist eines Formats, wie es Deutschland bisher abgeht. Ein Mann aus dem Volk kommt in die Elefantenrunden sogenannter Experten und bietet diesen mit geballtem Fachwissen die Stirn. Bei einem deutschen Privatsender wird nun ein erster Prototyp getestet. Bei einem Fantalk kommt auch der letzte Couch-Experte zu Wort und muss sich gegen die geladenen Ex-Profis, Trainer, andere Fachleute etc. beweisen.

Wann kommt die erste Casting-Show?

Die Nachfrage nach mehr Sendungen und Berichterstattungen dieser Art ist im fußballverrückten Deutschland definitiv gegeben. Warum auch sonst explodiert das Sportkultur-Magazin 11Freunde in seinen Auflagen? Folglich kann man sich fragen: Warum nicht dem spanischen Modell frönen und ein paar Elemente testen und übernehmen?
Die Sportmoderation scheint trotz Twitter und anderer interaktiver Gestaltungsmuster der Sendungen zu stagnieren. Was fehlt ist Emotion. Und die Deutschen wollen diese Emotion. Bestes Beispiel ist doch die Begeisterung bei Welt- und Europameisterschaften, die das Land in Rot-Schwarz-Gold färben. Solche Erlebnisse über ein Mikrofon oder einen Bildschirm zu vermitteln, ist eine Aufgabe, die in Spanien meisterhaft betrieben wird.
Die spanische Sportwelt hat vor allem seit Star Raúl und Schalke 04 seinen festen Platz in der Sportschau. Es wird Zeit, dass das bisher rein sportliche Verhältnis auch auf den Journalismus abfärbt. Beide Parteien können von diesem Verhältnis nur profitieren.
Casting-Shows gibt es in jeder beliebigen Sparte. Wieso nicht einmal den besten Nachwuchskommentatoren suchen? In der Jury würde dann wohl ein Team aus alt und jung, dynamisch und erfahren sitzen. Ein ausländischer Stargast ist in solch einem Programm auch stets vorgesehen. Andrés Montes – da bin ich mir sicher - hätte diese Chance nie und nimmer ausgeschlagen.



Elias Guerrero Rodriguez Vazquez
aus der Grenzstadt Konstanz am Bodensee und Sohn einer spanischen Mutter und eines deutschen Vaters kann aus vielerlei Erfahrungen aus verschiedenen Kulturen schöpfen. In seiner bisherigen beruflichen Laufbahn wurde er u.a. schon als Fremdsprachenkorrespondent, sowie als Sportlehrer und Sporttherapeut ausgebildet. Derzeit studiert der aktive Blogger „Europäische Kulturgeschichte“ und „Deutsch als Fremdsprache“ an der Universität Augsburg. Seine Schreiberfahrung holte sich der Journalist sowohl über Praktika (u.a. Eurosport, Labhard Verlag), als auch durch Gastbeiträge auf diversen Internetportalen.

Copyright: rumbo @lemania
November 2013

Originalsprache: Deutsch

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