Kulturschock

Einfach tierisch!

 Foto: (CC0) Wolfgang Vogt,, pixabay.com

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Spanisch und Deutsch sind sehr unterschiedlich, und zwar nicht nur wegen ihres Ursprungs (Spanisch ist eine lateinische, Deutsch eine germanische Sprache), sondern auch in Bezug auf Grammatik und Phonetik. In einem Punkt ähneln sie sich allerdings, denn in vielen Redewendungen beider Sprachen spielen Tiere die Hauptrolle.

Manchmal gönne ich mir den Spaß und übersetze einige unserer Redewendungen wörtlich ins Englische oder ins Deutsche. Dabei wird mir bewusst, dass sie eigentlich sinnlos sind, aber durchaus witzig klingen. Am interessantesten finde ich aber, auf welche Tiere die Metaphern in der jeweiligen Sprache zurückgreifen.

Die folgenden Beispiele auf Deutsch lassen sich, wie man sieht, nicht wörtlich ins Spanische übersetzen. Da hätten wir zum Beispiel den Ohrwurm, ein wirklich schöner, aber unübersetzbarer Ausdruck. Auf Spanisch entspricht dem Ohrwurm noch am ehesten eine „canción pegadiza“, also ein Lied, das ansteckend ist. Der Begriff „pegadizo“ kann aber auch „klebrig“ heißen und wird verwendet, wenn die Bettdecke morgens einfach zu gut „haftet“, weil man noch liegen bleiben möchte. Da können die Deutschen leider nur verschlafen.

Ein weiteres Beispiel: Wenn jemand einen Vogel hat, dann verhält er sich auf Spanisch wie eine Ziege - „como una cabra“. Es ist wirklich merkwürdig, dass gerade diese beiden Tiere in diesem Zusammenhang verwendet werden. Meiner zwingenden Logik zufolge liegt das daran, dass sich Ziegen manchmal von den Bergen regelrecht herabstürzen. Für den Vogel in der deutschen Redewendung habe ich allerdings eine etwas weit hergeholte Erklärung: Wenn einer Figur in einem Comic schwindlig wird oder sie verwirrt ist, wird dies oft mit kleinen Vögelchen deutlich gemacht, die über dem Kopf der Person ihre Runden drehen... Ich bin mir aber doch nicht so sicher, ob das wirklich etwas mit der deutschen Redewendung zu tun hat.

Man sagt oft, dass der Hund der beste Freund des Menschen sei, daher gibt es natürlich viele Redewendungen, die auf Hunde, diese wunderbaren Tiere, zurückgreifen, auch wenn sie nicht auf die Treue des Hunds gegenüber dem Menschen anspielen. So gibt es den Ausdruck „bekannt sein wie ein bunter Hund“ und auf Spanisch „eres más raro que un perro verde“ – du bist komischer als ein grüner Hund. Auch wenn beide Redewendungen auf einen Hund und seine seltsame Färbung zurückgreifen, haben sie rein inhaltlich nichts miteinander zu tun.

„Ser una gallina“ (ein Huhn sein) entspricht in der Sprache Goethes „ein Angsthase sein“. Interessant, dass beide Sprachen so unterschiedliche Tiere verwenden, um eine feige Person zu beschreiben. Im Deutschen wird der Hase wohl verwendet, weil er beim geringsten Anzeichen einer Gefahr sofort wegläuft.

Wenn man sich nicht wäscht, ist man im Spanischen seit jeher ein Schwein („ser un cerdo“). Im Deutschen ist man jedoch ein Schmutzfink – kurios, nicht wahr? Der spanische Ausdruck gibt keine Rätsel auf, im Deutschen geht die Wendung wohl darauf zurück, dass sich Finken – so wie viele andere Vögel – im Schlamm reinigen, wenn kein Wasser vorhanden ist.

Ich finde es ausgesprochen interessant, wie jede Sprache Tiere in einem bestimmten Zusammenhang verwendet. Und hierfür gibt es unendlich viele weitere Beispiele.

Jorge Satorre,
ein Mallorquiner in Deutschland, so ironisch das auch klingen mag, mit fast so viel Leidenschaft für Berlin wie für den Journalismus.

Copyright: rumbo @lemania
Juni 2017

Bei diesem Text handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Spanischen.

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