Bertolt Brecht - als Lyriker noch zu entdecken

Weniger bekannt ist in Spanien, dass Brecht – gemeinsam mit seinem literarischer Antipoden Gottfried Benn - zu den wichtigsten und einflussreichsten Lyrikern des 20. Jahrhunderts zählt. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki vermutet sogar: „Bleiben wird von Bertolt Brecht vornehmlich die Lyrik. (…) Er zeigte, dass die Synthese von Dichtung und Intellekt nicht nur nötig, sondern auch möglich ist.“ Seine Lyrik hat ihre poetische Frische und gedankliche Prägnanz behalten. Neben den frühen Gedichten aus der Hauspostille (1927) ragen vor allem die Svendborger Gedichte (1939) aus der Exilzeit und die späten Gedichte - etwa der Zyklus der Buckower Elegien (1953) - heraus, in denen individuelle und historische Erfahrung auf unnachahmliche Weise verdichtet sind. Das Persönliche, das Private und das Intime – in den Dramen als Thema vernachlässigt – tritt besonders in Brechts Liebesgedichten in den Vordergrund.
Brecht kam es immer auf den Gebrauchswert der Lyrik an. Balladen, Songs und Moritate bildeten, in den kongenialen Vertonungen von Kurt Weill, Hanns Eisler und Paul Dessau, integrale Bestandteile seines epischen Theaters. Er legte aber auch großen Wert auf den Genuss an der sprachlichen Schönheit des Gedichts.
In Spanien, wo unter den deutschsprachigen Lyrikern Rilke und Celan höchste Anerkennung finden, sind die Gedichte Brechts noch zu entdecken.
1965 erschien in Madrid eine kleine Auswahl der berühmtesten „Gedichte und Lieder“ in der Nachdichtung von Jesús López Pacheco. Lange Zeit bot diese Sammlung, die bis heute vielfach nachgedruckt wurde, den einzigen Zugang zu Brechts Lyrik.

Erst 1997/1998 wurden weitere Gedichte veröffentlicht. Ein besonderes Lesevergnügen bieten die zweisprachigen Ausgaben im Verlag Hiperión in der sorgfältigen Übertragung von Vicente Forés, Jesús Munárriz und Jenaro Talens.
Brecht in Spanien - Auswahlbibliografie (PDF, 124KB)










