
Die Gruppe 47 war eine lose Vereinigung deutschsprachiger Schriftsteller und Kritiker, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine Wiederbelebung der deutschen Literatur anstrebten.
Die von dem jungen Schriftsteller und Publizisten Hans Werner Richter geplante Literaturzeitschrift „Der Skorpion“ sollte jungen deutschen Autoren ein Forum geben. Aus der Absicht heraus, die Artikel für die erste Nummer gemeinsam zu diskutieren, hatte Richter die beteiligten Redakteure zu einem Treffen eingeladen, das die Gründung der Gruppe zur Folge haben sollte. Es fand am 9. September 1947 statt und begeisterte Richter vor allem durch die kollegiale Werkstattatmosphäre, worauf er beschloss, dieses Treffen zu wiederholen. Er gab ihr den Namen Gruppe 47, der sich an der spanischen „Generation von 98“ anlehnte, die nach dem Niedergang Spaniens als Kolonialmacht im Jahr 1898 eine kulturelle und gesellschaftliche Erneuerung ihres Landes forderte.
Auf anfänglich zweimal im Jahr stattfindenden Tagungen lasen meist junge Autoren aus ihren unveröffentlichten Manuskripten und stellten sich der Kritik ihrer Kollegen. Das Ritual besagte, dass sich die Vorlesenden nicht zur Kritik äußern durften, sondern allenfalls Hörfehler korrigieren durften, weshalb der Platz neben Moderator Richter auch den Namen „Der Elektrische Stuhl“ bekam. Im Jahr 1950 bekam Günter Eich als erster Autor den Preis der Gruppe 47, der seitdem in unregelmäßigen Abständen durch Abstimmung der anwesenden Tagungsteilnehmer vergeben wurde und der Gruppe eine zunehmende öffentliche Resonanz bescherte.
Hatte in der Anfangsphase eher eine neorealistische Erzählweise dominiert, so erhielten ab Anfang der 1950er Jahre auch Schriftsteller in die Gruppe Einzug, die mit ihren Prosa und Lyrik an die Moderne vor 1933 anknüpften. Ende der 1950er Jahre fand eine zunehmende Professionalisierung und Institutionalisierung der Gruppe statt, was sich vor allem darin manifestierte, dass die bis dahin kollegiale Kritik bei den Tagungen durch eine Riege professioneller Kritiker, abgelöst wurde.
Im Laufe der 1960er Jahre erlebte die Gruppe durch zahlreiche neue Tagungsteilnehmer eine deutliche Verjüngung, was aber auch zu einer zunehmenden Heterogenität führte, die in immer größerem Maße literarische und politische Fraktionierungen zur Folge hatte. Aus diesen Gründen entschied Richter, die Gruppe, welche die literarische Geschichte der Bundesrepublik so maßgeblich mit gestaltet hatte, nicht mehr weiterzuführen. Zu ihren Mitglieder zählten viele der großen Namen der deutschsprachigen Literatur wie Ilse Aichinger, Alfred Andersch, Ingeborg Bachmann, Johannes Bobrowski, Heinrich Böll, Hans Magnus Enzensberger, Günter Grass, Wolfgang Hildesheimer, Uwe Johnson, Siegfried Lenz, Martin Walser und Peter Weiss.
Enzensberger, Hans M.: Verteidigung der Wölfe. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1997. ISBN 3-518-01711-X
Grass, Günter: Das Treffen in Telgte. Göttingen: Steidl Verlag 1993. ISBN 3-88243-285-3










