Modernes Leben

Der Trimm-Dich-Pfad – ein Dinosaurier erwacht zum Leben

Was ist eigentlich aus den Trimm-Dich-Pfaden geworden?  Foto: webphotograpeer © iStockphotoWas ist eigentlich aus den Trimm-Dich-Pfaden geworden? Foto: webphotograpeer © iStockphotoVor 40 Jahren motivierte Trimmy als Maskottchen einer Kampagne des Deutschen Sportbundes die Deutschen mit dem Spruch: „Trimm Dich – durch Sport!“ Gemeinden errichteten Parcours in Wäldern und Parks. Was ist aus den Pfaden geworden?

Viele Namen entstanden für die Strecken in der Natur. Trimmpfad oder Trimm-Dich-Pfad waren die bekanntesten. Sie waren aber zunächst kein Angebot des Deutschen Sportbundes (DSB), sondern folgten dem Beispiel einer Schweizer Versicherung. Gemeinden in der Schweiz und in Deutschland errichteten zunehmend sogenannte Vita Parcours. Das gelang und war finanzierbar, weil das Unternehmen dafür Geräte und Schildersätze kostenlos zur Verfügung stellte – zeitgleich zur bereits angelaufenen DSB-Trimm-Aktion. Und eben diese hatten die Menschen im Bewusstsein, wenn sie die Vitaparcours in Wald und Flur bauten und nutzten. „Mit dem Effekt, dass sie bald darauf Trimmpfade genannt wurden“, erklärt Verena Mörath, die die „Trimm-Aktionen des DSB zur Bewegungs- und Sportförderung in der BRD“ untersucht hat.

Das Maskottchen Trimmy  Foto: © DOSBDie Folge sei gewesen, so Mörath, dass der DSB als Urheber der Pfade angesehen und dafür verantwortlich gemacht worden sei. Ein Dilemma, denn Städte und Kommunen hätten den DSB in der Pflicht gesehen, die Trimmpfade instandzuhalten. Andererseits kritisierten Sportmediziner den Verband, die Pfade seien ergonomisch nicht ausgereift, Ungeübte könnten sich dort sogar leichter verletzen.

Drei Jahre nach dem Start der Trimm-Dich-Kampagne reagierte der DSB 1973 mit dem Trimmpark – einer Freizeitsportanlage im Wald, die vier Bedürfnisse erfüllen sollte: Ausdauer, Übung und Kraft, Geschicklichkeit, Spiel und Geselligkeit für die ganze Familie. Sportwissenschaftler, der DSB und das Bundesinstitut für Sportwissenschaft entwickelten das Fitness-Projekt.

Sportmedizinisch bedenklich

„Unter sportmedizinischen Gesichtspunkten erkannte man, dass das Konzept der Trimmpfade – eine circa 3.000 Meter lange Laufstrecke, unterbrochen von zwölf festen Übungsstationen – verbessert werden musste. Denn das Ziel eines sinnvollen Ausdauertrainings war nicht ganz gegeben“, sagt Markus Böcker, Referent beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Frankfurt. Deshalb sollte der Trimmpark ein in sich geschlossenes System von Übungsgeräten sein, die separat von der Laufstrecke errichtet werden würden. Der DSB stellte dafür Kommunen, Gemeinden und Forstämtern eine Baumustermappe zur Verfügung, die über Kosten und Bauabschnitte informierte. Schildersätze für die Übungsstationen gab es beim DSB.

Die Idee war gut, trotzdem: Modesportarten kamen, auch das Joggen, die Trimm-dich-Bewegung geriet in Vergessenheit. Gebaute Pfade waren plötzlich unpopulär und verfielen. Trimmen war out. Außerdem hatten die einzelnen Kommunen auf Dauer kein Geld, um ihre Trimm-Dich-Pfade instand zu halten. Zudem hielten Sportwissenschaftler die Übungen für veraltet.

Neue Ideen für neue Pfade

Heute könnten in Deutschland vielleicht noch 1.500 Trimmparks oder Trimm-Dich-Pfade stehen.  Foto: webphotograpeer © iStockphoto„Wer die Instandhaltung traditioneller Trimm-Dich-Pfade heute noch pflegt und finanziert, wissen wir als Verband nicht“, sagt Markus Böcker. Ansprechpartner dafür sind die jeweiligen Städte und Gemeinden. Heute könnten in Deutschland vielleicht noch 1.500 Trimmparks oder Trimm-Dich-Pfade stehen. „Es ist aber schwierig, hier verlässliche Zahlen zu nennen, denn die Parcours von damals waren nicht meldepflichtig“, erklärt Markus Böcker.

Doch jetzt sind sie wieder da. Ein Milchprodukte-Hersteller errichtet seit 2008 in deutschen Städten und Kindergärten Trimm-Dich-Parcours. Auch die Schweizer sind wieder ins Fitness-Boot gestiegen: mit einer Neuauflage des Vita Parcours. 500 Vita Parcours wurden seit 1998 nach den neuesten Erkenntnissen über Sport und Gesundheitsförderung umgebaut. Zu Beginn und am Ende jeweils ein Posten mit Vor- und Nachdehnübungen. Dann 13 weitere Posten mit je zwei oder drei frei wählbaren, leicht auszuführenden Übungen für Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit. Und die Schweizer pflegen ihre Vita Parcours, nicht zuletzt auch dank des Exklusivsponsors, der Zurich Versicherung.

Sponsoring als Retter der alten Pfade

Ein Finanzierungsmodell ist im Moment noch für Zukunftsmusik.  Foto: Maridav © iStockphotoKönnte ein ähnliches Finanzierungsmodell auch die deutschen Trimm-Dich-Pfade vor dem endgültigen Aus retten? Ein Finanzierungsmodell wie das der Schweizer hält Markus Böcker zwar auch in Deutschland für denkbar, aber im Moment noch für Zukunftsmusik. Außerdem ist fraglich, inwiefern solch ein Sponsoring traditioneller Trimm-Dich-Pfade überhaupt zu stemmen und zentral zu organisieren wäre. Die alten Pfade liegen vestreut in zig Gemeinden Deutschlands und dort meist irgendwo am Rande. Heinz Kirchner, Pressesprecher beim Fachverband Sponsoring FASPO: „Diesen alten Anlagen neues Leben einzuhauchen dürfte eine Herkulesaufgabe sein. Die Komplexität einer Aktivierung aller Trimm-Dich-Pfade wäre für jeden möglichen Sponsor eine fast unüberschaubare Aufgabe.“

Aber scheinbar doch eine lösbare. „Im Grundsatz wäre ein Sponsoring der deutschen Trimm-Dich-Pfade für die Allianz Deutschland AG denkbar, da sie der Gesundheitsvorbeugung dienen. Daran haben wir als großer Krankenversicherer in Deutschland naturgemäß Interesse“, sagt etwa Christian Teichmann, Sprecher der Allianz Deutschland AG. Noch aber binden andere Projekte den Branchenriesen – wie Ernährungsworkshops für Kinder und Jugendliche oder der paralympische Sport. „Derzeit sehen wir daher keine Möglichkeit, uns über die genannten Projekte hinaus zu engagieren. Wir würden uns aber sehr freuen, wenn die deutschen Trimm-Dich-Pfade durch eine Förderung aus der Wirtschaft wieder zum Leben erweckt würden“, so Teichmann.

Daniel Grosse
ist in Marburg freiberuflicher Journalist, Redakteur und Jurist – und Wortwexxel-Autor.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Mai 2010

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