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3D-Spielfilmproduktion in Deutschland

Plakatausschnitt „Konferenz der Tier“; © Constantin FilmPlakat „Konferenz der Tiere“; © Constantin FilmDer 3D-Film ist zwar keine Erfindung des 21. Jahrhunderts, doch im 21. Jahrhundert können wir vielleicht endlich seinen Durchbruch erleben. Nach digitalen Hollywood-Kinoerfolgen wie „Avatar“ oder „Ice Age 3“ wollen auch deutsche Filmproduzenten und -tüftler am stereoskopischen Segen teilhaben.

Seine erste große Blüte erlebte der 3D-Film mit einschlägigen Genre-Titeln wie Das Kabinett des Professor Bondi (House of Wax) oder Gefahr aus dem Weltall (It Came From Outer Space) in den 1950er-Jahren. Sie wurden auch hierzulande mittels doppelter Projektionstechnik und entsprechenden Brillen gezeigt. Erste stereoskopische Filmstücke reichen sogar in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zutück. So wurde in Deutschland beispielsweise ab Mai 1937 unter dem Motto Gartenschau in Dresden der erste farbige Versuchsfilm mit zweikanalig projiziertem Licht (Polarisationsverfahren) vorgestellt. Am 5. Dezember 1937 wurde dann der dreidimensionale Versicherungs-Werbefilm Zum Greifen nah für die Kinos freigegeben – der programmatische Titel ist bis heute gern genutzter Slogan des Genres.

Während die Stereoskopie in Form von unbewegten Guckkasten- oder Laterna-magica-Bildern schon im frühen 19. Jahrhundert inszeniert wurde, sind nur wenige Sekunden kurze räumliche Filmmer-Erlebnisse sogar schon ab den 1890er-Jahren nachweisbar. Wie der Direktor des Münchner Filmmuseums, Stefan Drößler, in einem aufschlussreichen Essay ausführt, soll der 3D-Film sogar auf eine unfreiwillige „Erfindung“ des französischen Vaters der Kinematographie, George Méliès, zurückzuführen sein. Der nahm um 1900 seine Filme aus Zeitgründen mit zwei parallel montierten Kameras auf, um mit zwei (fast) identischen Negativen doppelt so viele Kopien herstellen zu können.

Der Berliner Kinomacher Max Skladanowsky behauptete etliche Jahre später, dass sein Bioskop-Projektor auch für „plastische“ Filmbilder getaugt habe. „Hätte Skladanowsky also seinen Doppelprojektor, der sehr präzise arbeitete, nur soweit modifiziert, dass er die Bilder nicht abwechselnd projizierte, sondern synchron, und hätte er ihn mit den 1902 hergestellten Filmen, die Méliès mit seiner Doppel-Kamera gedreht hatte, kombiniert, wäre bereits in dieser Frühphase der Filmgeschichte ein 3D-Kino möglich gewesen!“, folgert der Filmhistoriker Drößler.

„Avatar“ setzte Maßstäbe

Szenenbild aus „Konferenz der Tiere“; © Constantin FilmSeit der dritten kinematographischen Revolution, die – nach der Einführung des Tonfilms Ende der 1920er- und des Farbfilms ab Mitte der 1930er-Jahre – das digitale Kino des 21. Jahrhunderts eröffnete, ist das dreidimensionale Leinwanderlebnis nicht mehr an spezielle Megagebäude wie die IMAX-Häuser gebunden. Relativ preiswert lässt sich ein bereits digital umgebauter herkömmlicher Kinosaal mittels einer speziellen Optik und entsprechenden Sehhilfen aufrüsten. (Deutschland verfügte im Juni 2010 über mehr als 270 Theaterbetriebe mit mindestens einem 3D-fähigen Saal.) Spätestens seit James Camerons mit wahrscheinlich 300 Millionen Dollar bislang teuerster Hollywood-Produktion, dem zu großen Teilen vorwiegend am Rechner kreierten stereoskopischen Science-Fiction-Drama Avatar (Filmstart: 17./18. Dezember 2009) müssen also weitere Filme her. Und die sollen auch aus deutscher Produktion kommen.

Szenenbild aus „Konferenz der Tiere“; © Constantin FilmMaßstäbe will hier vor allem Deutschlands größtes unabhängiges Studio setzen. Aus dem Hause Constantin Film kommen2010 und 2011 zwei groß angekündigte stereoskopische 3D-Spielfilme: das computergenerierte Remake Konferenz der Tiere (Filmstart: 7. Oktober 2010) von Holger Tappe und Reinhard Klooss sowie die Realfilm-Fortsetzung Wickie auf großer Fahrt, die am 11. November 2011 anlaufen soll und von der mit Constantin assoziierten Produktionsfirma Rat Pack realisiert wird.

Die Konferenz der Tiere, „inspiriert“ durch Erich Kästners Buchvorlage aus dem Jahr 1949 und sicherlich auch von Curt Lindas charmantem Zeichentrickfilm von 1969, wird von Constantin selbstbewusst als „der erste deutsche Animationsfilm in 3D“ angepriesen. 2011 plant Rat Pack mit einem Budget von über 15 Mio. Euro die 3D-Neuverfilmung des Zeitreise-Thrillers Das Jesus-Video nach dem gleichnamigen Roman von Andreas Eschenbach. Ebenfalls angedacht ist die aufwendige dreidimensionale Realverfilmung von Michael Endes Jugendbuch Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer.

Wenders‘ „Pina“ als Lackmustest

„Thor“; © Ulysses Filmproduktion GmbHIn Bremen tüfteln derweil irische, isländische und deutsche Computerexperten an dem acht Millionen Euro teuren internationalen Animationsspielfilm Thor – Die Edda Chroniken, der voraussichtlich im Frühjahr 2011 ausgeliefert werden soll. Die Münchner Caligari Film- und Fernsehproduktions GmbH wiederum produziert in animierter 3D-Optik die Verfilmung der Ritter Rost-Kinderbücher von Jörg Hilbert und Felix Janosa, von Bayern, Baden-Württemberg und der Berliner Filmförderungsanstalt mit insgesamt 1,55 Millionen Euro an Produktionsfördermitteln unterstützt.

Für den Berlinale-Februar 2011 ist Wim Wenders‘ dokumentarisches Tanzfilm-Projekt Pina geplant. Die deutsch-französische Koproduktion versteht sich einerseits als posthumes Porträt der 2009 verstorbenen Wuppertaler Choreographin Pina Bausch. Andererseits wird Pina aber ebenso ein Lackmustest sein, ob das 3D-Kino – obendrein als Doku! – auch im verwöhnten Filmkunstbereich seine Anhänger findet.

3D fürs Wohnzimmer

Auch die Fernsehtechnik entwickelt den sogenannten Full-3D-TV-Standard weiter. Anlässlich der jüngsten Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika hat der Sony-Konzern insgesamt 25 Spiele in 3D-Technologie aufgezeichnet. Zwar war das Vorrundenspiel Deutschland – Ghana nur in ausgewählten 3D-Kinos zu sehen, doch wird man alles daran setzen, mit der neuen Technik möglichst rasch auch die Wohnzimmer zu erobern. Neuester Schrei ist die Darstellung bewegter 3D-Bilder ohne lästige Sehhilfe. Im Kleinformat hat hier der Mini-Spielecomputer Nintendo 3DS eine neue Messlatte aufgelegt. Inwieweit sich Deutschland und seine (Film-) Produzenten auf diesem Gebiet der Stereoskopie etablieren können, bleibt abzuwarten.

Andreas Wirwalski
arbeitet als freier Journalist und Autor in München.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Juli 2010

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