„Ihr entziffert mich nicht“ – das Leben von Romy Schneider im Spielfilm

Das Fernsehen produziert den ersten Spielfilm über das Leben des Weltstars Romy Schneider. Am 23. September 2008 wäre sie 70 Jahre alt geworden.
Was das deutsche Kino bisher nicht schaffte, realisiert nun das Fernsehen. In einer Kooperation zwischen der Berliner Phönix Film und den öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten SWR, WDR, NDR und ORF entsteht mit einer hochkarätigen Besetzung an Originalschauplätzen in Deutschland, Frankreich und Österreich ein Film über das Leben des legendären Leinwandstars Romy Schneider. 2008 wäre sie 70 Jahre alt geworden. Sie starb am 29. Mai 1982, erst 43 Jahre alt, in Paris.
Früher Ruhm und Flucht aus Deutschland
Romy Schneider, das war die Strahlende und die Leidenschaftliche, die Zweifelnde und Zerrissene, die Euphorische und die sich selbst zermürbende. Das betraf nicht nur ihre Rollen und ihr Spiel, dessen berührende Intensität unvergessen ist, das betraf auch ihr reales Leben.Als Kind des Schauspielerehepaares Magda Schneider und Wolf Albach Retty wurde Romy als Rosemarie Magdalena Albach am 23. September 1938 in Wien geboren. Nach der Trennung der Eltern verbringt sie ihre Schulzeit unter anderem im Internat Schloss Goldenstein bei Salzburg. Mit 14 Jahren feiert sie ihr Kinodebüt an der Seite ihrer Mutter (Wenn der weiße Flieder wieder blüht, 1953). Dem frühen Höhepunkt ihrer Karriere steuert sie zwei Jahre später als angehende Kaiserin Elisabeth von Österreich in Sissi zu. Dem rührseligen Epos folgen zwei weitere Spielfilme (Sissi – die junge Kaiserin, 1956; Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin, 1957). Sie machen sie international bekannt und zum gefeierten Star.

Doch der Ruhm hat Schattenseiten. Besonders die deutsche Öffentlichkeit nimmt regen Anteil an ihrem Leben. Ob enge Freundschaft mit einem Schauspielerkollegen oder ihre Rollenwahl, nichts bleibt in der Presse undiskutiert. Als sie Ende der prüden 50er Jahre ihrem Partner Alain Delon nach Frankreich folgt, und sich entschließt, sich endgültig von ihrer bisherigen Rolle als süßes, naives Mädchen zu verabschieden, wird sie heftig attackiert. In Frankreich entwickelt sie sich zur begehrten Darstellerin vielschichtiger Frauenrollen. Sie dreht mit Orson Welles (Der Prozess, 1962) oder mit Luchino Visconti (Boccaccio ’70, 1962), mit Claude Chabrol (Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen, 1975) und immer wieder mit Claude Sautet (Die Dinge des Lebens, 1970; Cesar und Rosalie, 1972 u.v.a.). 1972 übernimmt sie für Luchino Visconti in Ludwig II. noch einmal die Rolle der Elisabeth, um sich von dem Klischee, das ihr durch die verkitschte Trilogie anhaftete, endgültig zu verabschieden.1976 und 1979 erhält sie den „César“ als beste Darstellerin für Nachtblende und Eine einfache Geschichte. Selbst in Deutschland, wo die Öffentlichkeit ihr die Flucht nach Frankreich immer noch übel nimmt, wird sie 1977 für ihre Darstellung in der Böll-Verfilmung Gruppenbild mit Dame mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet.
Dem Erfolg auf der Leinwand steht jedoch ein privates Leben entgegen, das von Glück nicht gezeichnet ist. Nach der Trennung von Delon folgt eine schwierige Ehe mit dem Berliner Regisseur Harry Meyen. Nach der Scheidung heiratet sie ihren Sekretär Daniel Biasini. 1977 nimmt sich Harry Meyen das Leben. 1981 verunglückt der gemeinsame Sohn tödlich. Die Ehe mit Biasini wird im gleichen Jahr geschieden.
Einer vielschichtigen Persönlichkeit nahe kommen
Bisher wagte sich niemand an die Biografie Romy Schneiders. Einzigen Einblick in die Vielschichtigkeit ihrer Persönlichkeit, ihr Leiden, ihr Kämpfen – mit und gegen sich selbst – gewährte bisher das Porträt, das Hans-Jürgen Syberberg unter dem Titel Romy – Portrait eines Gesichts 1965 für das Fernsehen drehte.
Nun ist es wieder das Fernsehen, das sich ihrer Person annimmt. Die Besetzung ist hochkarätig. Als Romy ist eine der facettenreichsten jungen Darstellerinnen des deutschen Films, Jessica Schwarz, zu sehen. Der französische Shootingstar Guillaume Delorme übernahm die Rolle Delons. Romys Mutter Magda wird Burgschauspielerin Maresa Hörbiger gespielt, ihr zweiter Ehemann, Gastronom Herbert Blatzheim, der ihre Karriere lange steuerte, von Heinz Hönig. Thomas Kretschmann, einer der erfolgreichsten deutschen Darsteller in Hollywood (unter anderem Der Untergang, 2004; Walküre, 2009) agiert als Harry Meyen. Regie führt der mit dem deutschen Fernsehpreis ausgezeichnete Torsten C. Fischer. Das Drehbuch stammt von dem versierten Rechercheur Benedikt Röskau, der unter anderem für Das Wunder von Lengede, 2003, oder Contergan, 2007, Preise erhielt und dessen Film Nordwand bereits vor dem Start im Herbst 2008 für Aufmerksamkeit sorgte.
Zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen für das Projekt, das im Frühjahr 2009 im Fernsehen zu sehen sein soll. Und es könnte sein, dass es sich bald darauf mit einem anderen Film messen lassen muss. Denn im Herbst des gleichen Jahres soll unter dem Titel Eine Frau wie Romy ein Film in die Kinos kommen, den Raymon Danion produziert. Das Drehbuch entstand, so heißt es, in Zusammenarbeit mit Romys letztem Ehemann Daniel Biasini. Mit der Besetzung der Hauptrolle durch Yvonne Catterfeld, in Deutschland vor allem durch Daily Soaps und Telenovelas bekannt, sei auch die gemeinsame Tochter Sarah einverstanden. Das Projekt, das 23 Millionen verschlingen soll und damit fünf Mal so teuer ist wie die TV-Produktion, wird von der deutschen Presse noch mit Skepsis betrachtet. Wer kommt der Person am nächsten, wer wird ihr tatsächlich gerecht, so lauten die heiklen Fragen. Sie werden wohl auch nach der Fertigstellung der Filme nur schwer zu beantworten sein. Romy Schneider, die ihr Leben – ob ungewollt oder auch ganz bewusst – immer grenzwertig führte, ist für viele bis heute ein Rätsel geblieben. Und sie selbst soll einmal gesagt haben: „Ihr entziffert mich nicht.“
ist freie Journalistin und Autorin; 2008 erschien ihr Buch „Kinohits für Kids – die schönsten Kinderfilme auf DVD“ beim Henschel Verlag.
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Oktober 2008












