Biermann, Pieke

Pieke BiermannVielleicht ist es kein Zufall, dass Pieke Biermann in der Nähe einer Dynamitfabrik in Slozenau (Niedersachsen) geboren wurde, und sie scheint etwas davon bewahrt zu haben. Ein eindrucksvolles Studium (deutsche Sprache und Literatur, englische Literatur und Landeskunde, Politikwissenschaften in Hannover, später in Italien, eine unvollendete Doktorarbeit über "Die spezifischen Formen politischer Organisation") sowie kleinere Jobs, vom Treppenputzen bis zum Lektorat in einem Verlagshaus, haben, nachdem sie in Berlin "gelandet" war, aus ihr eine polyglotte Übersetzerin gemacht (aus dem Italienischen übersetzt sie beispielsweise das berühmte Duo Fruttero & Lucentini; aus dem Englischen Dorothy Parker oder Agatha Christie - alles Referenzen!). Sie ist außerdem eine der meistbeachteten Kriminalautor(inn)en der 90er Jahre nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, wo sie sich mit mittlerweile drei übersetzten Titeln, darunter Potsdamer Platz und Violetta, einen erlesenen Platz gesichert hat.
Ihre streng konstruierten Bücher setzen Berlin in Szene: die Stadt an sich selbstverständlich - übrigens vor dem Mauerfall in den beiden ersten Fällen - aber auch die dort herrschende Verrücktheit, Exzentrik, Generationskonflikte, politischen Konfrontationen und vor allem die Sprache. "Der deutsche Krimi hat nicht nur eine Hauptstadt", schreibt Barbara von Becker in der Süddeutschen Zeitung, "sondern auch die dazugehörige Autorin.". Auch in Frankreich reagierte man begeistert. Le Journal du Dimanche hat in Bezug auf Potsdamer Platz von der "Entdeckung des deutschen Kriminalromans der 90er Jahre" gesprochen.
Olivier Mannoni