
Wie Jacques Berndorf vertritt Monika Geier eine Gattung, die man in Frankreich fast schon als merkwürdig empfindet: den Regionalkrimi. Natürlich hat man in Frankreich Autoren aus Marseille oder Lyon für das Lokalkolorit, aber käme einer von ihnen auf die Idee, sich als Krimischriftsteller des Dauphinois oder der Corrèze zu bezeichnen? Monika Geier schreibt ihrerseits über die Pfalz, in der sie 1970 geboren wurde und aufgewachsen ist. Sie wohnt auch heute noch dort, wo sie von kleineren Jobs lebt, die vom Modell für Kunstmaler bis zur Mitarbeit an einer Gartenschau in Kaiserslautern reichen. Sie hat außerdem auf Baustellen gearbeitet, für Ingenieure Baupläne angefertigt und andere Nebentätigkeiten ausgeführt.
Ihre Romane haben mit all dem wenig zu tun. Neapel Sehen (2001) erzählt die Geschichte einer jungen Lehrerin, die vielleicht zu offenherzig und zu liebenswürdig zu sein scheint, denn jemand beschließt, dem ein Ende zu bereiten. Die Kommissarin Bettina Boll leitet die Untersuchung, wie übrigens auch in Wie könnt ihr schlafen, wo man sie nach der Fund eines Babyleichnams unter dem Bürgermeisterdenkmal einer Vorstadtsiedlung um Hilfe ruft... So sehr man auch seiner Heimat verhaftet ist, muss es einem deshalb nicht zwangsläufig an Fantasie fehlen.
Olivier Mannoni







