Hettche, Thomas

Thomas Hettche"Der Körper, das Begehren und der Tod": sind die drei Wörter, die ein deutscher Kritiker benutzt hat, um Thomas Hettches Roman Der Fall Arbogast zusammenzufassen. Dabei sieht Thomas Hettche mit seinem rasierten Schädel, seinem gelassenen Lächeln und seinem Schalk in den Augen, ausgesprochen brav aus. Auf dem Land aufgewachsen hat er Deutsche Literatur und Landeskunde in Frankfurt studiert, wo er seit 1996 arbeitet und Romane, aber auch Artikel für zwei durchaus ernste Zeitungen schreibt, die Frankfurter Allgemeine und die Neue Zürcher Zeitung. Darüber hinaus war er vier Jahre lange Jurymitglied beim Ingeborg- Bachmann-Preis.

Doch sein Roman Der Fall Arbogast, 2001 erschienen, ist wirklich schwindelerregend: ein verliebtes Stelldichein, das mit einer feurigen Szene im Auto endet, einer ungeschickten, zu brutalen oder zu heftigen Geste, und dann der Unfall; eine tote Frau, Panik, der Versuch, den Körper wegzuschaffen, Scheitern, Prozess, Urteil. Und eine andere Frau, die von der Unschuld des Angeklagten überzeugt ist, die das Ereignis in den kleinsten Details nachzuvollziehen versucht... Der Fall Arbogast, manchmal brutal, manchmal von einer durch den klaren und suggestiven Stil meisterhaft beschworenen Erotik geprägt, ist ein schönes Beispiel dafür, was ein origineller Kopf und eine wirkliche literarische Begabung für den zeitgenössischen Kriminalroman tun können. Sein Werk zeichnet sich aus durch eine feste Struktur, eine bis zu absoluter Treffsicherheit geschliffene Sprache, die Stärke seines klassischen Stils, die dem Krimi zugute kommt und eine minutiöse Untersuchung (für die Lebensbeschreibung seines Helden hat Hettche sogar in Kauf genommen, selbst in einer Gefängniszelle eingesperrt zu werden), die eine manchmal turbulente, immer aber fesselnde Erzählung bestimmen.

Olivier Mannoni
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